http://www.faz.net/-gqe-12yse

Thomas Middelhoff : Die Karstadt-Mieten werden zum Politikum

Bild: F.A.Z.

Karstadt zahlt seit Donnerstag keine Mieten mehr für seine Warenhäuser. Der Konzern hatte die Immobilien vor zwei Jahren verkauft. Vor allem der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wird nun heftig kritisiert. Die undurchsichtigen Geschäfte rufen die Politik und die Staatsanwaltschaft auf den Plan.

          Wegen der drohenden Insolvenz des Warenhaus- und Touristikkonzerns Arcandor rücken seit Jahren umstrittene Immobiliengeschäfte rund um die Immobilien der Karstadt-Kaufhäuser wieder in den Blickpunkt. In diesem Zusammenhang wird vor allem der ehemalige Arcandor-Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff kritisiert.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Zum anderen fällt mit der grundsätzlichen Bemerkung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), insbesondere bei den Mietverträgen gebe es "ungünstige Vertragsgestaltungen" zu Lasten von Arcandor, ein schlechtes Licht auf alle Vermieter des Konzerns. Hierzu zählen Immobilienfonds, die gemeinsam von der Privatbank Sal. Oppenheim und dem Projektentwickler Josef Esch aufgelegt worden waren, sowie das Vermieterkonsortium "Highstreet", an dem der Whitehall-Fonds der Investmentbank Goldman Sachs mit 51 Prozent beteiligt ist. Auch deshalb gehört Goldman-Deutschlandchef Alexander Dibelius zu der Runde, die am Wochenende in München mit den Chefs von Metro/Kaufhof, Eckhard Cordes, und Arcandor/Karstadt, Karl-Gerhard Eick, nach einer gemeinschaftlichen Lösung für Arcandor gesucht hat. Die zuletzt fälligen Mieten von 23 Millionen Euro wurden von Arcandor schon am vergangenen Donnerstag nicht mehr bezahlt (siehe auch Merkel lehnt Staatshilfe für Arcandor ab).

          Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte sich zuvor dafür ausgesprochen, die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Middelhoff zu prüfen. Sie sei über Berichte beunruhigt, der Manager und seine Ehefrau seien an den Esch-Immobilienfonds beteiligt, die mehrere Gebäude zu außergewöhnlich hohen Mieten an Karstadt verpachteten, schrieb Zypries an ihre nordrhein-westfälische Amtskollegin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU). Das Düsseldorfer Justizministerium hat das Schreiben nach Angaben eines Sprechers an die zuständige Staatsanwaltschaft am Arcandor-Stammsitz Essen weitergeleitet.

          Middelhoff: Sehe die Vorwürfe gelassen

          In dieser Diskussion geht es um fünf Gebäude, die von Arcandor - noch bevor Middelhoff zu dem Konzern kam, also unter dem damaligen Warenhaus-Chef Wolfgang Urban - zu bemerkenswert hohen Preisen von Esch gemietet worden sind. Tatsächlich zahlt Arcandor für diese Objekte in München, Leipzig, Potsdam, Wiesbaden und Karlsruhe eine Jahresmiete von 42,6 Millionen Euro, während "Highstreet" für die 164 übrigen Immobilien 280 Millionen Euro bekommt. Im Gegenzug sollte Esch den Konzern offenbar an Gewinnen aus seinen Großprojekten beteiligen. Zu den Geschäften ist es aber nicht oder nur in Ansätzen gekommen. Der Arcandor-Vorstand hat die Ausfälle einst auf rund 100 Millionen Euro beziffert.

          In der Auseinandersetzung geht es nun um die Frage, warum Middelhoff später als Konzernchef auf eine Klage gegen Esch verzichtet hat, um das Geld einzuholen. Dazu gibt es von Middelhoff und einem früheren Justitiar von Arcandor unterschiedliche Darstellungen. Middelhoff selbst hat auf die Vorwürfe zunächst gelassen reagiert. Eine Untersuchung, wie sie Zypries anrege, werde "den jetzt aus der Anonymität heraus vorgetragenen Angriffen den Boden entziehen", sagte Middelhoff: "Ich werde die Arbeit der zuständigen Stellen vollumfänglich unterstützen." Der gesamte Sachverhalt sei von den zuständigen Gremien des Unternehmens unter Hinzuziehung von Wirtschaftsprüfern und Anwälten intensiv geprüft und abschließend bearbeitet worden. Gleichwohl lässt Eick den Vorgang um die Middelhoff-Immobilien derzeit durch eine externe Anwaltskanzlei prüfen. Das hatte Eick auch schon auf der Hauptversammlung am 18. März angekündigt. Hierbei geht es auch nicht nur um Middelhoff, sondern den gesamten Komplex des Oppenheim-Esch-Fonds.

          Weitere Themen

          Mehr Geld zum Wohnen für Geringverdiener

          Ab 2020 : Mehr Geld zum Wohnen für Geringverdiener

          Noch bevor der „Wohngipfel“ im Kanzleramt an diesem Freitag gestartet ist, sickern erste Vorhaben durch: Der Bund will das Wohngeld für einkommensschwache Haushalte erhöhen.

          Topmeldungen

          Wohnungsgipfel im Kanzleramt : Wie wird Bauen günstiger?

          In den großen Städten leiden Mieter und Käufer gleichermaßen unter hohen Preisen. Die Regierung setzt auf Baukindergeld, Mietpreisbremse, sozialen Wohnungsbau - und trifft sich an diesem Freitag zum Wohngipfel. Fünf Vorschläge, wie es besser gehen könnte.
          ZDF-Moderatorin Maybrit Ilner

          TV-Kritik: Maybrit Illner : Drei Grüne, eine Meinung

          Es ging um die Energiepolitik und den Hambacher Forst. Eingeladen waren Gäste, die das vielfältige Meinungsspektrum repräsentieren. Oder auch nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.