http://www.faz.net/-gqe-8hra1

Theranos-Gründerin Holmes : Gestern Milliardärin – heute ohne Vermögen

  • Aktualisiert am

Elizabeth Holmes Bild: AP

Elizabeth Holmes warb mit Bluttests ohne Schmerzen, mit dem angstfreien Arztbesuch. Damit wurde sie Milliardärin. Dann gab es Zweifel an den Tests, Amerikas Behörden ermitteln. Jetzt fällt auch noch Holmes’ Vermögen ins Bodenlose.

          Sie schien eine amerikanische Vorzeigeunternehmerin zu sein, doch spätestens jetzt zeigt sich, wie groß die Erklärungsnot ist, in der sie steckt: Elizabeth Holmes, 32 Jahre alt, versprach mit den Testverfahren ihres Unternehmens Arztbesuche ohne Angst vor Spritzen. Ihr Start-up Theranos wirbt mit Bluttests, für die keine schmerzhaften Einstiche notwendig sind. Im vergangenen Jahr zählte Holmes noch zu den großen Gewinnern der „Forbes“-Reichenliste, nun hat das amerikanische Magazin die Gründerin des einst hoch gehandelten Start-Ups vorerst komplett abgeschrieben. Das Vermögen der Unternehmerin sei von geschätzten 4,5 Milliarden Dollar (4,0 Milliarden Euro) auf Null nach unten korrigiert worden, erklärte die Forbes-Redaktion. Die Bewertung basiere einzig auf Holmes' 50-prozentiger Beteiligung an Theranos.

          Dabei klang die Unternehmensidee der jungen Frau tatsächlich attraktiv: Nur ein kleiner Pieks in den Finger und wenige Tropfen Blut sollten mit ihrer Methode genügen, um diverse Tests durchführen zu können. Das soll nicht nur weniger schmerzhaft sein als traditionelle Blutentnahmen, sondern auch viel billiger. Und angeblich liefert es auch schnellere Ergebnisse.

          Mit diesen Versprechen hatte Theranos Milliarden bei Investoren eingesammelt. Holmes war so zwischenzeitlich zum Star in Technologie-Blogs geworden, trat auf diversen Konferenzen auf und war auf Magazin-Covern zu sehen. Doch dann traf eine Serie von Enthüllungsberichten das Unternehmen hart: An der Technologie wurden erhebliche Zweifel angemeldet. Das Unternehmen sei weit davon entfernt, Spritzen überflüssig zu machen, so lesen sich die kritischen Berichte. Das „Wall Street Journal“ etwa schrieb, Theranos habe sich bei nicht einmal 10 Prozent seiner Bluttests im vergangenen Jahr tatsächlich seiner hauseigenen Technologie mit dem Namen „Edison“ bedient, für die der Fingerpieks ausreicht. Für die überwiegende Mehrheit habe sich das Unternehmen dagegen weiter auf die Blutentnahme per Spritze verlassen und traditionelle Maschinen von Herstellern wie Siemens verwendet. Nach Angaben in dem Bericht haben Mitarbeiter von Theranos an der Zuverlässigkeit der eigenen Testmethode gezweifelt, die oft ganz andere Ergebnisse geliefert habe als die konventionellen Maschinen.

          Inzwischen befasst sich auch eine Abteilung der amerikanischen Gesundheitsbehörde CMS mit dem Fall. Ende Januar erklärte sie, die Praktiken von Theranos seien eine „direkte Gefahr für die Gesundheit und die Sicherheit von Patienten“. Die Behörde drohte damit, dem Unternehmen die Bluttests zumindest vorübergehend zu verbieten. Das Verfahren läuft noch. Daneben ist Theranos im Visier der amerikanischen Börsenaufsicht SEC sowie von Ermittlern in Kalifornien. Hier geht es um möglichen Investorenbetrug. Außerdem muss Theranos auch Sammelklagen von Patienten fürchten.

          „Forbes“ schrieb nun, der Unternehmensanteil von Elizabeth Holmes stelle im Zuge der Ermittlungen der amerikanischen Behörden derzeit keinen Wert mehr dar. Zuvor hatte „Forbes“ Theranos entsprechend einer Finanzierungsrunde aus dem Jahr 2014 zunächst auf neun Milliarden Dollar taxiert. Nach aktuellem Stand würde die Bewertung aber nur noch bei etwa 800 Millionen Dollar liegen. Davon wiederum dürfte Holmes im Fall einer Insolvenz nichts sehen, da andere Investoren dann bevorzugt behandelt würden. Holmes besitze nämlich nur gewöhnliche Anteilsscheine und keine Vorzugsaktien.

          Weitere Themen

          Deutschland hat jetzt einen Solarradweg

          Teststrecke in Köln : Deutschland hat jetzt einen Solarradweg

          Solarradwege sollen Strom produzieren und im Winter vor Glätte schützen. Eine Teststrecke in der Nähe von Köln soll jetzt weitere Informationen liefern. Langfristig könnten auch Autos auf Solarstraßen fahren.

          Die Sonntagsfrage Video-Seite öffnen

          F.A.S.-Quiz : Die Sonntagsfrage

          Testen Sie, wie wach Sie das wirtschaftliche Geschehen der Woche verfolgt haben. Für jede Frage ist eine Lösung richtig.

          Das Rezept kommt bald auf das Smartphone

          Digitales Gesundheitswesen : Das Rezept kommt bald auf das Smartphone

          Nicht nur Medikamente sollen bald auch über das Internet verschrieben werden: Vor der Digitalklausur des Kabinetts kündigen Jens Spahn und weitere Minister neue Vorhaben an – auch von einer digitalen Modellregion ist die Sprache.

          Topmeldungen

          Michelle Obama auf Lesetour an ihrer ehemaligen High School für ihr Buch „Becoming“

          Michelle Obamas Buch : „Das werde ich ihm niemals verzeihen“

          Heute erscheint das Buch „Becoming“, in dem Michelle Obama von ihrer Ehe und ihrer Zeit als First Lady erzählt. Es geht um Schmerz und Ehekrisen – aber auch um Präsident Donald Trump.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.