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Elektroautohersteller : Tesla stößt in China auf Widerstand

Nicht ohne chinesische Partner? Noch stammen die Tesla-Fahrzeuge in Peking aus amerikanischer Produktion. Bild: EPA

Der Elektroautohersteller will ein Werk in Schanghai bauen – eigentlich. Doch die chinesische Regierung spielt nicht mit. Auch auf dem Heimatmarkt gibt es Schwierigkeiten.

          Es war eine Sensation, die der amerikanische Elektroautobauer Tesla im Oktober in westlichen Medien streute: in China, dem bereits heute mit Abstand größten Elektroauto-Markt der Welt, erlaube die Regierung dem Konzern, ein Werk zu bauen, das dieser im Gegensatz zu Volkswagen, Daimler und allen anderen ausländischen Autobauern nicht mit einem chinesischen Partner betreiben müsse, sondern zu 100 Prozent allein besitzen dürfe. Damit hätte Tesla ein neues Kapitel in der chinesischen Wirtschaftsgeschichte aufgeschlagen. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten VW und seine westlichen Mitbewerber in China ihre Gewinne mit den chinesischen Autobauern teilen, die an den Gemeinschaftsunternehmen mindestens 50, im Fall der Wolfsburger auch mal 60 Prozent halten.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Glaube, als Elektroautopionier so attraktiv für die chinesische Regierung zu sein, dass diese den Amerikanern eine Sonderbehandlung zu teil werden lässt, könnte sich im Nachhinein als trügerisch herausstellen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Verweis auf mit der Sache vertraute Personen berichtet, will Chinas Zentralregierung Tesla keineswegs sein Werk in Eigenregie betreiben lassen, sondern nur in einem Gemeinschaftsunternehmen, wie es in China bereits bisher vorgeschrieben war.

          Nio kostet nur die Hälfte des Model X

          Offensichtlich hatte im vergangenen Jahr zwar die Stadtregierung der Wirtschaftsmetropole Schanghai gegenüber Tesla grünes Licht für den Bau des Werkes signalisiert, das in einer Freihandelszone entstehen sollte. Doch schon zu diesem Zeitpunkt war klar gewesen, dass die Pekinger Ministerien – wie die mächtige Wirtschaftsplanungsbehörde Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) sowie das Handelsministerium – einem so bedeutenden Schwenk in Chinas Industriepolitik zustimmen müssen.

          Dass Peking sich nun offensichtlich dagegen sträubt, könnte mehrere Gründe haben. Zum einen würde eine Ausnahmegenehmigung für Tesla den Protest anderer Autohersteller wie Volkswagen provozieren. Zum anderen könnte der Sinneswandel in China auch damit zusammenhängen, dass dort immer mehr heimische Startups eigene Elektroautos vorstellen, die auch von der westlichen Fachwelt als ernstzunehmende mögliche Konkurrenten für Tesla eingestuft werden. So können Kunden bereits heute den Elektro-SUV ES8 des Schanghaier Hersteller Nio bestellen, der in diesem Jahr ausgeliefert werden soll – und mit einem Grundpreis von 448.000 Yuan (57.200 Euro) in China nur knapp die Hälfte des sportlichen Geländewagen Model X von Tesla kostet.

          Produktionsziel des Model 3 wird nicht erreicht

          Weder das Unternehmen Tesla noch die chinesische Regierung möchte sich offiziell dazu äußern, ob Tesla doch noch die Genehmigung erhält, ein neu errichtetes Werk allein betreiben zu dürfen oder ob die Amerikaner ein chinesisches Unternehmen mit an Bord holen müssen. Genau das möchte Tesla vermeiden, weil es Angst hat, dass es damit seinen Vorsprung bei Technologie und Wissen in der Herstellung von Elektrofahrzeugen an China verlieren könnte. Wenn Tesla künftig allein produzieren darf, müsste es möglicherweise weiterhin die Einfuhrsteuer von 25 Prozent einrichten, welche die Teslas in China so teuer macht.

          Roter Tesla als Frachtversuch : Im All angekommen

          Tesla plagen nicht nur in China Sorgen. Auch auf dem Heimatmarkt gibt es Schwierigkeiten. Das Unternehmen kommt nur viel langsamer als ursprünglich erhofft damit voran, die Produktion für sein neues Auto „Model 3“ in seinem Werk in Kalifornien hochzufahren. Dieses Auto ist für Tesla von enormer Bedeutung, denn mit ihm hofft das Unternehmen, von einem Nischenanbieter zu einem Massenhersteller zu werden. Bis vor kurzem bestand die Produktpalette nur aus zwei Premiummodellen, der Limousine „Model S“ und dem „Model X“. Das neue Auto hat einen Basispreis von 35.000 Dollar (rund 28.000 Euro) und wäre damit für ein viel breiteres Publikum erschwinglich. Es wurde im vergangenen Juli erstmals ausgeliefert, und damals nahm sich Tesla vor, bis zum Jahresschluss 5000 Exemplare je Woche fertigen zu können. Stattdessen wurden aber im gesamten vierten Quartal nicht einmal 2500 Autos dieses Modells hergestellt.

          Das angepeilte Produktionsziel von 5000 „Model 3“ je Woche soll jetzt im zweiten Quartal 2018 erreicht werden. Vorstandsvorsitzender Elon Musk sagte, die „Hölle“ beim Hochfahren der Produktion habe sich als tiefer herausgestellt als erwartet. Für die Verzögerungen hat er Schwierigkeiten beim Bau von Batterien verantwortlich gemacht.

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