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Telekommunikation Telekom steht zu T-Systems

Der geplante Verkauf der großen Geschäftskundeneinheit Enterprise Sevices ist bei der Telekom wieder vom Tisch. Jetzt gibt es fortgeschrittene Verhandlungen über den Verkauf des Teilbereichs Service Integration. Von einer möglichen Reorganisation wären 13.000 Mitarbeiter betroffen.

© AP Vergrößern Kundenschwund bei Festnetzanschlüssen

Die Deutsche Telekom ändert ihre Strategie zur Sanierung der Geschäftskundensparte T-Systems. Bisher war geplant, die Einheit „Enterprise Services“, die die sechzig sehr großen Geschäftskunden der Telekom betreut und Dienstleistungen der Informationstechnik erbringt, zu verkaufen oder zumindest in ein Gemeinschaftsunternehmen einzubringen.

Dabei wurde auch ein Verzicht auf die Mehrheit an einer solchen Gesellschaft nicht ausgeschlossen. „Der Verkauf der Enterprise Sevices (ES) ist jetzt vom Tisch“, sagte der neue Telekom-Vorstand Reinhard Clemens, der T-Systems seit dem 1. Dezember leitet, am Dienstag vor Journalisten in Berlin. „Mir hat noch keiner die Vorteile eines solchen Gemeinschaftsunternehmens erklären können“, fügte er hinzu.

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Partnermodell oder Verkauf

Clemens sagte, man konzentriere sich bei der Reorganisation jetzt auf den Teilbereich Service Integration (SI), der sich unter anderem mit der Entwicklung von Softwareanwendungen für die Kunden beschäftigt. Dabei werde ein Partnermodell bevorzugt. Es gebe aber auch die Möglichkeit und weit fortgeschrittene Verhandlungen über einen kompletten Verkauf. Der Umbau soll T-Systems wieder zu stärkerem Wachstum verhelfen. Clemens sagte in Berlin, dass das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) bis zum Jahr 2010 um 1 Milliarde Euro gesteigert werden solle. Der Umsatz soll dann gegenüber der bisherigen Planung um 3 Milliarden Euro höher ausfallen.

Im Jahr 2006 hatte T-Systems einen um 1,8 Prozent gesunkenen Umsatz von 12,6 Milliarden Euro und einen operativen Verlust von 900 Millionen Euro ausgewiesen. Dafür ist der Preisverfall im Geschäft mit den Sprachdiensten verantwortlich - hier ist im vergangenen Jahr ein Umsatzrückgang von 15 Prozent eingetreten. Aber auch ein Umsatzrückgang von 6,3 Prozent im Geschäft mit Datendiensten sorgte für die schlechte Geschäftsentwicklung. Auch der milliardenschwere Umsatz, den T-Systems mit den Dienstleistungen für den Konzern, geht durch den Sparkurs der Telekom deutlich zurück.

13.000 Beschäftigte in dem Bereich Service Integration

Durch die Abkehr von einem Verkauf der Enterprise Services sind statt der 40.000 Mitarbeiter, die für die Enterprise Services arbeiten, nur noch die 13.000 Beschäftigten der SI von einer möglichen Reorganisation betroffen. Davon arbeiten rund 8000 in Deutschland und etwa 4000 in der Programmierung von Softwareanwendungen. Was die Zukunft für diese Tätigkeiten in Deutschland angeht, ist Clement aber sehr deutlich: „Anwendungsentwicklung macht man nicht mehr in Deutschland“, sagte er in Berlin und deutete an, dass solche Standardprogrammierung zum Beispiel in Indien sehr viel preiswerter erledigt werden könne.

Damit gab er Gerüchten neue Nahrung, die der T-Systems Interesse an einer Partnerschaft mit der indischen Tata Consultancy Services nachsagen, die zum Mischkonzern Tata gehört. Konkrete Angebote zu den Konsequenzen für die Mitarbeiter in Deutschland machte er aber nicht.

Abzug aus den Vereinigten Staaten

Insgesamt will Clemens die T-Systems zur Nummer eins der Anbieter von Informationstechnik und Telekommunikationsangeboten (ICT) in Europa machen. Damit wendet er sich von dem Konzept ab, T-Systems als weltweiten Anbieter in der Oberliga der ICT zu positionieren. Das soll auch Konsequenzen für die Auslandsniederlassungen der T-Systems haben. „Wir werden darüber nachdenken, unsere Vertriebsorganisation aus den Ländern zurückzuziehen, in denen wir nicht unter den ersten fünf im Markt sind“, erklärte Clemens und nannte als Beispiel die Vereinigten Staaten. T-Systems werde aber für seine Kunden natürlich weiter Dienstleistungen in diesen Ländern anbieten.

Neben einem Fokus auf die europäischen Unternehmen setzt Clemens auch auf die Großaufträge der Industrie und des öffentlichen Sektors. „Allein unsere 29 größten Kunden verfügen über ein ICT-Budget von rund 26 Milliarden Euro. Davon holen wir im Moment gerade einmal 7 Prozent ab. Da müssen wir gründlich nachsteuern, und zwar schnell“, betonte Clemens. Auch der öffentliche Sektor in Europa sei ein großer Auftraggeber für ICT-Dienste. Die öffentliche Hand gebe hier rund 90 Milliarden Euro im Jahr für solche Dienste aus - Tendenz steigend. Hier sei es für T-Systems sehr hilfreich, dass rund 10.000 Beamte für das Unternehmen arbeiten. „Dieser so oft verhöhnte Beamtenapparat versetzt uns in die Lage, zum Beispiel für Bunde, Länder und Kommunen hoheitliche Aufgaben zu erbringen“, sagte der neue T-Systems-Chef.

Clemens sagte aber auch, dass T-Systems seine 160.000 Kunden im Mittelstand nicht aus den Augen verlieren wolle. So kündigte er an, dass man in einer Kooperation mit Softwareanbieter SAP einfache Lösungen für diese Kundengruppe anbieten wollen. Dazu gehöre auch der bedarfsgesteuerte Bezug von SAP-Diensten über das Netz. Insgesamt rechnet Clemens schon im laufenden Geschäftsjahr mit einem Wachstum für T-Systems. „Wir erwarten zwei bis drei große Abschlüsse in diesem Jahr, die sollten für Wachstium sorgen“, sagte Clemens.

Die Telekom verliert zwei Millionen Kunden

Die Deutsche Telekom hat im vergangenen Jahr 2,1 Millionen Kunden mit ihren kompletten Telefonanschlüssen an die Wettbewerber verloren. Dies teilte der Konzern am Dienstag in Berlin mit. Dieser Prozess wird sich nach Angaben von Telekom-Vorstand Timotheus Höttges auch weiter fortsetzen, da er von der Regulierung gewollt sei. Dieser Druck werde auch erst weichen, wenn die Telekom einen deutlich niedrigeren Marktanteil bei den Anschlüssen ausweise. In der Branche wird darüber spekuliert, dass die Grenze bei etwa 50 Prozent liegen wird.

Bisher liegt der Telekom-Anteil an den Anschlüssen aber noch bei 82 Prozent. Zufrieden ist Festnetz-Vorstand Höttges allerdings mit dem Breitbandgeschäft. So lag der Anteil der Telekom am DSL-Neugeschäft im vergangenen Quartal mit 526.000 Neuzugängen stabil bei 44 Prozent. Insgesamt sind 47 Prozent aller DSL-Anschlüsse über die Telekom geschaltet.

Dabei stehen vor allem die Bündelangebote mit langer Laufzeit im Vordergrund. So haben sich inzwischen 85 Prozent aller DSL-Kunden für Verträge mit einer Laufzeit von meist zwei Jahren entschieden. Nahezu zusammengebrochen ist im vierten Quartal das Geschäft mit den Wiederverkäufern der DSL-Anschlüsse.

Gerade einmal 22.000 DSL-Leitung wurden auf diesem Weg abgesetzt. Höttges kündigte zudem an, das VDSL-Netz der Telekom weiter auszubauen. Bisher werden 27 Städte mit VDSL versorgt. Bis Ende des Jahres sollen weitere 13 dazukommen. Gute Zuwächse meldet der Konzern auch im Mobilfunkgeschäft. Hier stieg die Kundenzahl international auf knapp 120 Millionen, von denen 36 Millionen auf Deutschland entfallen.

Quelle: FAZ.NET

 
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Veröffentlicht: 29.01.2008, 16:00 Uhr

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