Home
http://www.faz.net/-gqi-u8ah
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Telekommunikation Rettung von Benq Mobile gescheitert

Der deutsche Handy-Hersteller Benq Mobile ist nicht mehr zu retten. Bis Silvester hat kein Investor ein Angebot für das Unternehmen mit 3000 Beschäftigten abgegeben. Deshalb steht die Eröffnung des Insolvenzverfahrens bevor.

© dpa Vergrößern Aus und vorbei

Der deutsche Handy-Hersteller Benq Mobile ist nicht mehr zu retten. Bis Silvester habe kein Investor ein Angebot für das Unternehmen mit 3000 Beschäftigten abgegeben, sagte eine Sprecherin von Insolvenzverwalter Martin Prager an Neujahr. Über die ehemalige Mobiltelefon-Sparte von Siemens wird damit in den nächsten Tagen das Insolvenzverfahren eröffnet. Der Betrieb von Benq Mobile - die Zentrale in München und die zuletzt kaum noch ausgelastete Produktion in Kamp-Lintfort am Niederrhein - werden stillgelegt. Prager, der drei Monate einen Käufer gesucht hatte, werde sich voraussichtlich am Dienstag zum weiteren Vorgehen bei Benq Mobile äußern, sagte die Sprecherin.

Die Beschäftigten von Benq müssen nun darauf hoffen, dass ein Investor immerhin die Fertigung aus der Insolvenzmasse herauskauft. Auf diesem Weg könnte er sich - anders als bei einer Übernahme des gesamten Unternehmens - der Verpflichtungen gegenüber den Arbeitnehmern entledigen.

Mehr zum Thema

Zweifel an der Finanzkraft

Der Benq-Betriebsratschef Michael Leucker und die IG Metall hatten vor dem Wochenende erklärt, ein deutsch-amerikanischer Investor wolle schon Anfang Januar ein Angebot für die Anlagen in Kamp-Lintfort vorlegen. Dann könnte zumindest ein Teil der Mitarbeiter - nach Angaben der IG Metall bis zu 800 Personen - weiter beschäftigt werden. Der Interessent arbeitet nach Angaben der IG Metall an einer Finanzierung, doch bestehen Zweifel an seiner langfristigen Finanzkraft. Ein zweiter Interessent hat sich nach Angaben der IG Metall zuletzt nicht mehr gemeldet.

Diejenigen Mitarbeiter von Benq, die bisher keine neue Stelle gefunden haben, erhalten ihren Lohn von Januar an von einer Transfergesellschaft, die zum größten Teil von Siemens finanziert wird. Von dort sollen sie auf neue Stellen vermittelt werden. Die Beschäftigungsgesellschaft ist maximal für ein Jahr aktiv.

Zielscheibe der Kritik

Benq Mobile hatte Ende September Insolvenz angemeldet, nachdem der taiwanische Elektrokonzern Benq der verlustträchtigen Handy-Sparte nur ein Jahr nach der Übernahme überraschend die Unterstützung entzogen hatte. Die Asiaten hatten für das Mobiltelefongeschäft von Siemens mehr als 400 Millionen Euro an Mitgift erhalten. Eigenen Angaben zufolge steckte Benq nochmals mehr als 800 Millionen Euro in die deutsche Tochtergesellschaft, die jedoch stetig Marktanteile verlor. Nach der Insolvenzanmeldung war das Geschäft mit Handys der Marke Benq Siemens fast vollständig zum Erliegen gekommen.

Der Siemens-Vorstand um Klaus Kleinfeld war nach der Pleite zur Zielscheibe der Kritik von Öffentlichkeit und Mitarbeitern geworden. Der Absturz von Benq stürzte auch deren Zulieferer in die Krise. So musste Balda drei Werke verkaufen und sich damit von 1000 der 1600 Mitarbeiter in Deutschland trennen. Zusätzlich strich das Unternehmen 250 Stellen. Der Chipkonzern Infineon plant wegen des Zusammenbruchs seines Großkunden 400 Arbeitsplätze abzubauen.

Quelle: Reuters

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mittelstandsanleihen-Ticker Feri stuft Anleihe der MS Deutschland auf CC herab

Ekosem-Agrar verzeichnet ein gemischtes Halbjahr. KTG Agrar berichtet über eine erfolgreiche Erntesaison. Die Centrosolar-Gläubiger sollen keine Aktien erhalten. Mehr

16.09.2014, 16:03 Uhr | Finanzen
Abbau von fast 12.000 Stellen geplant

Verwirrung bei Siemens: Vor Investoren kündigt der Vorstandsvorsitzende Kaeser den Abbau von fast 12.000 Stellen an. Anschließend beschwichtigt er. Die IG Metall hat umgehend Widerstand gegen einen betriebsbedingten Stellenabbau angekündigt. Mehr

30.05.2014, 21:18 Uhr | Wirtschaft
Japanischer Elektronikkonzern Smartphones bescheren Sony massiven Verlust

Das Smartphone-Geschäft wird für Sony immer mehr zum Problemfall. Jetzt muss der Konzern seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr revidieren – auf einen Verlust von 1,66 Milliarden Euro. Und streicht 1000 Stellen. Mehr

17.09.2014, 10:23 Uhr | Wirtschaft
Britischer Junge mit Hirntumor jetzt in Prag

Die Odyssee des kleinen, sehr kranken Ashya King geht weiter. Am Montagmittag wurde er in ein Prager Krankenhaus eingeliefert, er kam geradewegs aus Spanien. Die nächste Station auf dem Weg des Kindes und seiner Familie, deren Schicksal in den vergangenen Tagen nicht nur die Briten umtrieb. Mehr

08.09.2014, 16:25 Uhr | Gesellschaft
Bankenstrafen-Ticker HSBC zahlt 550 Millionen Dollar an amerikanische Behörde

Betrug, Geldwäsche, Zinsmanipulationen, Devisenskandal: Banken weltweit müssen für ihre Fehltritte büßen. Jetzt legt die größte europäische Bank HSBC ihren Hypothekenpapier-Streit in Amerika bei. Die wichtigsten Sanktionen im Überblick. Mehr

13.09.2014, 16:54 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.01.2007, 17:11 Uhr

Deutsche Milch für China und Weißrussland

Von Jan Grossarth

Putin hat sich verschätzt: Wie erwartet bricht sein Boykott westlicher Lebensmittel den Bauern nicht das Genick. Milch und Fleisch werden ohnehin schon länger günstiger. Mehr 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Amazon vor Otto vor Zalando

Der Platzhirsch im deutschen Online-Handel heißt Amazon. Er setzt mehr um als seine unmittelbaren Verfolger zusammen. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden