29.05.2008 · „Ich war es nicht“, ist die derzeit beliebteste Aussage ehemaliger oder aktiver Führungskräfte bei der Telekom und Siemens. So kann es nicht weitergehen. Die Chefs bekommen auch dort mehr Geld, weil sie mehr Verantwortung haben. Die müssen sie dann aber auch übernehmen.
Von Carsten KnopZu den wichtigsten Lektionen, die Eltern ihren Kindern mit auf den Lebensweg geben können, gehört es, das Verständnis für die Konsequenzen des eigenen Handelns zu vermitteln und natürlich die Bereitschaft, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Das fängt im Kindergartenalter an, erfordert viel Konsequenz – und trägt hoffentlich irgendwann auch Früchte.
Sollten die Eltern der früheren Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden so bedeutender Unternehmen wie der Telekom, Siemens oder auch der heutigen Chefs des Einzelhändlers Lidl ihrer Aufgabe gerecht geworden sein, sind auf dem Weg ihrer Kinder an die Spitze wichtige Teile dieses Wertekanons verlorengegangen.
Inakzeptable und gesetzesbrecherische Dynamik
„Ich war es nicht“, sagen die ehemaligen Führungskräfte von Siemens – oder sie schweigen gleich ganz, ob sie nun Heinrich von Pierer, Klaus Kleinfeld, Karl-Hermann Baumann oder Heinz-Joachim Neubürger heißen. „Ich war es nicht“, sagen die ehemaligen und heutigen Führungskräfte der Deutschen Telekom Ron Sommer, Kai-Uwe Ricke und René Obermann. „Ich war es nicht“, sagt auch der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Telekom, Klaus Zumwinkel – und das ist ja auch der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, dessen Karriere wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in diesem Frühjahr abrupt zu Ende gegangen ist.
So kann es nicht weitergehen. Welcher der beteiligten Herren mag zuerst aufstehen und für die offensichtlichen Rechtsverstöße, sei es im Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre bei Siemens, den Spitzelvorwürfen bei der Telekom oder bei Lidl die Verantwortung übernehmen? Es glaubt doch ohnehin kein Mensch, dass alle Vorgänge vollkommen selbständig, gleichsam naturwüchsig im Apparat der großen Konzerne ihre inakzeptable und gesetzesbrecherische Dynamik entfaltet haben.
Und auch dort gilt doch, dass die Chefs eben deshalb mehr Geld als die Angestellten untergeordneter Hierarchieebenen bekommen, weil sie mehr Verantwortung haben. Die müssen sie dann aber auch übernehmen. Es kostet sie nicht einmal viel, denn gegen die finanziellen Auswirkungen möglicher Schadensersatzforderungen sind sie in der Regel versichert. Tatsächlich aber verstecken sich die Manager wie ungezogene Kinder und schicken ihre Anwälte oder Sprecher vor. Das ist feige.
Carsten Knop Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
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