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Telekom-Spitzelaffäre Der Verschollene

03.06.2008 ·  Früher war alles noch besser im Leben von Ralph Kühn, dem Geschäftsführer von Network Deutschland. Nur wenige Menschen kannten bis vor einigen Tagen sein Unternehmen. Das hat sich seit Bekanntwerden der Bespitzelungsaffäre bei der Telekom schlagartig geändert.

Von Matthias Müller
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Früher war alles noch besser im Leben von Ralph Kühn, dem Geschäftsführer von Network Deutschland. Sein Unternehmen kannten bis vor wenigen Tagen nur wenige Menschen in Deutschland. Das hat sich seit Bekanntwerden der Bespitzelungsaffäre bei der Telekom schlagartig geändert.

Früher war er auch redseliger. Doch seitdem die Staatsanwaltschaft Bonn wegen der Beihilfe zur Verletzung des Fernmeldegeheimnisses gegen ihn ermittelt, ist der 52 Jahre alte Wirtschaftsprüfer nicht mehr aufzufinden. Auf Anrufe und Faxe reagiert er nicht, der gebürtige Berliner scheint vom Erdboden verschluckt zu sein.

„Kennen wir auch nicht“

Network Deutschland hat seinen Sitz in der Schlüterstraße im bürgerlichen Berlin-Charlottenburg, nur unweit des Kurfürstendamms gelegen. Die Büroräume Kühns liegen im dritten Stock. Erster Versuch. Niemand reagiert auf das Klingeln. Nächster Versuch. Im Erdgeschoss des Jugendstil-Gebäudes befindet sich ein Geschäft des Schweizer Designers Walter Steiger. Die freundliche Verkäuferin mit französischem Dialekt verneint. „Nein, Ralph Kühn kenne ich nicht.“ Nächster Versuch. Gleich nebenan gibt es den Frisör Vidal Sassoon Salon. Auf die Frage, ob ihnen Ralph Kühn ein Begriff sei, antworten die beiden Frisöre mit einer Gegenfrage. „Ist das der von der Telekom? Nein, der ist kein Kunde hier, also kennen wir ihn auch nicht.“

Nächster Versuch. Im ersten Stock des Gebäudes befindet sich eine Arztpraxis. Auf die Frage, ob sie Ralph Kühn kenne, schweigt einen die Arzthelferin zunächst mit unsicherem Lächeln einige Sekunden lang an. Dann sagt sie mit leiser Stimme. „Wir haben uns hier bei verschiedenen Männern auch schon gefragt, ob er das ist. Aber ich weiß nicht, ob er dick oder dünn, klein oder groß ist. Tut mir leid.“

Im dritten Stock befinden sich die Räume von Network Deutschland. Auf der weißen Holztür prangt ein schlichtes „network. ralph kühn“ und darunter symbolisiert ein durchgestrichenes Handy die Verschwiegenheit des Unternehmens, in dem ein halbes Dutzend Informatiker und Mathematiker arbeiten sollen. Auch hier reagiert niemand auf das Klingeln. Ein letzter Versuch. Gegenüber des Jugendstil-Gebäudes befindet sich das italienische Restaurant Orvest. Der unfreundliche italienische Kellner antwortet mürrisch. „Kühn? Kenne ich nicht.“

Lukratives Geschäft mit der Sicherheit

Auch sein Vorgänger als Geschäftsführer von Network Deutschland, Edwin Harland, schweigt beharrlich. Harland übergab vor sieben Jahren den Geschäftsführer-Posten an Kühn und arbeitet inzwischen für das Beratungsunternehmen PriceWaterhouseCoopers (PWC) in London – als Spezialist für Sicherheitsfragen. Denn das Geschäft mit der Sicherheit ist lukrativ.

Kühn kann ein Lied davon singen. Allein die Telekom soll Beträge im siebenstelligen Bereich an Network Deutschland überwiesen haben, so wird vermutet. Am Donnerstag teilte die Bahn nun mit, von 1998 bis 2007 ebenfalls die Dienste Networks in Anspruch genommen und dafür rund 800.000 Euro an Kühn überwiesen zu haben.

Treue, aber nicht legale Dienste

Während die Bahn darauf pocht, mit Kühns Unternehmen ausschließlich zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität zusammengearbeitet zu haben, liegt der Fall bei der Telekom anders. Dort soll, so wird vermutet, die Konzernsicherheit sich über Recht und Gesetz hinweggesetzt haben, und heikle Daten an Kühn weitergeleitet haben.

Dieser hat lange Zeit treue, aber vermutlich nicht ganz legale Dienste getan und viel Geld eingesteckt. Erst als die Telekom sich weigerte, weitere Rechnungen zu begleichen, spielte Kühn mit seinen Muskeln und drohte in einem drei Seiten langen Fax an das Bonner Unternehmen: „Unterschätzen Sie nicht mein Aggressionspotential.“

Vor wenigen Tagen sprach Kühn noch mit der F.A.Z. Der Eindruck des Journalisten? „Er verhaspelte sich dauernd, führte kein Gedanke zu Ende, machte eine paranoiden Eindruck, war aggressiv. Ein Sympathieträger war er jedenfalls nicht.“

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