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Teil-Übernahme der Postbank perfekt Deutsche Bank zahlt 2,8 Milliarden in bar

12.09.2008 ·  Jetzt ist es offiziell: Die Deutsche Bank übernimmt 29,75 Prozent der Postbank - mit der Option auf mehr. Der Preis: fast 2,8 Milliarden Euro. Der Einstieg soll schon im ersten Quartal 2009 stattfinden.

Von Helmut Bünder
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Der Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank ist besiegelt. In einem ersten Schritt übernimmt das Frankfurter Institut im ersten Quartal 2009 von der Deutschen Post 29,75 Prozent der Anteile zum Preis von 57,25 Euro in bar. Zusätzlich hat sie sich Kaufoptionen gesichert, über die sie innerhalb von drei Jahren die restlichen Aktien der Post erwerben könnte. Garantiert ist das jedoch nicht. „Eine Option ist eine Option ist eine Option“, sagte der Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann.

Finanziert wird das Aktienpaket, das die Deutsche Bank knapp 2,8 Milliarden Euro kosten wird, zum größten Teil durch eine Kapitalerhöhung. Bis zu 2 Milliarden Euro wolle die Deutsche Bank daraus erzielen, wie Ackermann nach einer Sitzung des Post-Aufsichtsrates in Bonn ankündigte. Er lobte den Kauf als eine Investition, die das eigene Privatkundengeschäft stärke und „Wert für unsere Aktionäre“ schaffe. Die Aktie der Deutschen Bank gab am Freitag um rund 4 Prozent nach, während die Papiere der Post um etwa 2 Prozent zulegten. Die Aktien der Postbank verloren 7 Prozent.

Arbeitnehmer fürchten Stellenstreichungen

Die Deutsche Post will sich nach dem Rückzug aus dem Bankgeschäft ganz auf die Logistik und die Briefzustellung konzentrieren. Anfang kommenden Jahres will Postchef Appel eine neue „Zukunftsstrategie“ vorlegen. Ackermann und Appel versicherten, dass die Minderheitsbeteiligung der Deutschen Bank keine Auswirkungen auf Arbeitsplätze und den Standort der in Bonn ansässigen Postbank haben werde. Die Arbeitnehmerbank hat aus Sorge vor Stellenstreichungen im Aufsichtsrat dem Vernehmen nach dennoch gegen den Verkauf gestimmt. „Der Teilverkauf ist ein Kniefall vor den Interessen der Aktionäre“, sagte Andrea Kocsis, die stellvertretende Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Keine Großfusion sei bisher ohne den Verlust von Arbeitsplätzen verlaufen. Zuletzt hatte die Commerzbank nach der Übernahme der Dresdner Bank angekündigt, 9000 Stellen zu streichen, davon 6500 in Deutschland. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück lobte den Einstieg der Deutschen Bank als wichtigen Beitrag zur Konsolidierung des deutschen Bankenmarktes. Die Bundesregierung, die über ein Vetorecht verfügt, werde sich diesem Schritt nicht in den Weg stellen.

Dem Mutterkonzern Deutsche Post gehören noch 50 Prozent und eine Aktie der Postbank. Die Vereinbarung mit der Deutschen Bank bewertet die Postbank mit insgesamt etwa 9 Milliarden Euro. Das ist mehr, als die meisten Branchenkenner zuletzt erwartet hatten. „Wir haben das beste Modell beschlossen, das wir bekommen konnten“, sagte Appel. Mehr war ihm zu einem von der spanischen Großbank Banco Santander in letzter Minute vorgelegten Alternativangebot nicht zu entlocken. Die Post hat den Kurs der Postbankaktie durch eine Verkaufsoption nach unten abgesichert. Frühestens 21 und spätestens 36 Monate nach dem Verkauf der ersten Tranche kann sie ihre verbleibenden Anteile der Deutschen Bank für 42,8 Euro je Aktie andienen, entweder in bar oder in Aktien des Frankfurter Instituts.

Deutsche Bank will in den Massenmarkt vorstoßen

Offen ist noch, in welchem Ausmaß nun die Postaktionäre an den Verkaufserlösen beteiligt werden. Neben den Gewinnen aus dem Bankverkauf verfügt die Post über hohe Barmittel von insgesamt rund 5 Milliarden Euro aus Immobilienverkäufen und einer Beihilfenrückzahlung. Über die Verwendung soll noch in diesem Jahr entschieden werden. Weitere größere Unternehmensübernahmen schloss Appel aus. „Wir sind Weltmarktführer. Wir setzen jetzt auf organisches Wachstum, eine noch höhere Qualität und Kundenorientierung“, sagte er.

Die Deutsche Bank will über die Postbank in den deutschen Massenmarkt für Privatkunden vorstoßen. Das Frankfurter Institut hat in Deutschland rund 9,7, die Postbank etwa 14,5 Millionen Privatkunden. Sofort nach dem Einstieg der Deutschen Bank wollen die beiden Häuser auch auf den Feldern Investmentfonds und Baufinanzierung gemeinsame Projekte anstoßen. „Zusammen werde beide Institute unanfechtbarer Marktführer auf dem deutschen Privatkundenmarkt“, sagte Ackermann. Die Marke Postbank soll bestehen bleiben, auch am Management unter Vorstandschef Wolfgang Klein ändert sich nichts. Wie bisher wird die Postbank ihre eigenen und künftig auch Produkte der Deutschen Bank in den rund 850 Postbank-Finanzcentern und in mehr als 5000 Filialen des Mutterkonzerns Deutsche Post anbieten. Der Filialvertrag, der die Zusammenarbeit regelt, ist über 2012 hinaus verlängert worden.

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Jahrgang 1957, Wirtschaftskorrespondent in Bonn.

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