29.08.2007 · Autofahrer wollen Benzin sparen, Hausfrauen Strom und Gas. Bosch will davon profitieren: Der Autozulieferer macht in Grün. Ein neuer Unternehmensbereich entwickelt Produkte, die auf regenerative Energien und auf sparsamen Umgang mit Energien zielen.
Von Susanne Preuß„Eigentlich“, sagt Franz Fehrenbach, „ist Bosch ein Energiewandlungsunternehmen.“ Der Bosch-Chef sagt dies ganz nüchtern, doch die Formulierung ist ziemlich überraschend: Bosch kennt man als Autozulieferer, als Hersteller von Haushaltsgeräten oder Elektrowerkzeugen. Aber als „Energiewandlungsunternehmen“? Ganz Ingenieur, verweist Fehrenbach darauf, dass sich Bosch von jeher mit der Umwandlung von Kraftstoff in mechanische Energie befasse oder mit der Umwandlung von Öl oder Gas in Wärme. Tatsächlich aber erklärt das sperrige Wort die Strategie des Stuttgarter Konzerns, der längst zum „grünen Bosch“ geworden ist: „Wie weit wir auch immer in die Zukunft blicken, die Schonung von Umwelt und Ressourcen setzt nicht weniger, sondern mehr moderne Technik voraus“, gibt Fehrenbach zu bedenken: „Weil das so ist, darf ein Technologieunternehmen wie Bosch durchaus als grünes Unternehmen bezeichnet werden.“
Aus den grünsten aller Aktivitäten will Bosch gar einen neuen Unternehmensbereich schaffen, „der im weitesten Sinne auf neue Formen der Energieentwicklung zielt“. Die regenerativen Energien waren bereits im vergangenen Jahr für eine halbe Milliarde Euro Umsatz gut: Bosch Rexroth hat Getriebe für Windkrafträder im Programm, Bosch Thermotechnik (bekannter durch die Marken Buderus und Junkers) verkauft Wärmepumpen und Solartechnik. Doch der Bereich mit dem vorläufigen Kürzel UBX will nicht diese aus dem Kerngeschäft entstandenen Produkte bündeln. Es ist an ganz neue Technologien gedacht. Als Keimzelle kann ein gemeinsam mit dem Chemieriesen BASF gestartetes Projekt gelten, mit dem die organische Photovoltaik zur Serienreife entwickelt werden soll: Kunststoffe sollen dann Sonnenlicht in Strom umwandeln, in zehn Jahren könnte es so weit sein. „In solch längeren Zeiträumen haben wir schon immer kalkuliert, wenn wir an einen durchschlagenden Erfolg geglaubt haben“, sagt Fehrenbach, der als Chef eines Stiftungsunternehmens zwar durchaus klare Renditeziele verfolgt, aber keine schnellen Erfolge vorweisen muss.
Solarzellen sollen ohne Subventionen auskommen
Ohnehin ist manche Investition in das neue Öko-Geschäft zunächst gering. Nur ein paar Millionen Euro kostet das Photovoltaik-Projekt, und öffentliche Fördermittel gibt es auch noch dafür. Doch die Erwartungen hat der Bosch-Chef hoch gesteckt: „Unser Ziel ist es, die Herstellung dieser revolutionären Solarzellen wirtschaftlich so effektiv zu gestalten, dass sie ohne Subventionen gegen die heute herkömmlichen Formen der Stromerzeugung in Wettbewerb treten können.“ Weitere Kooperationen, Akquisitionen und Firmengründungen dürften in Kürze folgen. „Noch ist der Bereich ein Sammelbecken für Ideen, aber 2015 sollten hier schon einige Milliarden Euro Umsatz erreicht werden“, sagt Fehrenbach. Die Schaffung neuer Unternehmensbereiche passt prinzipiell zur Strategie, den Konzern stärker regional und sektoral auszubalancieren und die Abhängigkeit von der Kraftfahrzeugtechnik zu verringern. Sie ist mit 27,2 Milliarden Euro Umsatz noch immer der beherrschende Bereich bei Bosch, gefolgt von Gebrauchsgüter- und Gebäudetechnik (11,0 Milliarden Euro) und Industrietechnik (5,5 Milliarden Euro).
Mehr als 40 Prozent des Aufwands für Forschung und Entwicklung fließen bei Bosch bisher schon in Produkte, die Umwelt und Ressourcen helfen: 1,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Die Tendenz steigt, denn die Nachfrage wächst: Bei den Haushaltsgeräten achten die Verbraucher längst auf die Energieeffizienz, die kräftigen Öl- und Gaspreissteigerungen machen sparsame Heizungen attraktiv, und die Quittungen von der Tankstelle beeinflussen die Nachfrage ebenfalls. Den Spritverbrauch halten immerhin 84 Prozent der Automanager für das wichtigste Kaufkriterium nach der Qualität eines Autos, wie eine Studie der Unternehmensberatung KPMG ergeben hat. Dass selbst in den Vereinigten Staaten die Autokäufer nicht mehr auf heimische Spritschlucker setzen, sondern lieber verbrauchsgünstige Importmarken wählen, hat den größten Automobilmarkt der Welt kräftig durcheinandergebracht. Auch Bosch ist, als Lieferant der großen amerikanischen Autohersteller, davon betroffen. Dennoch kann der Stuttgarter Konzern relativ gelassen mit dieser Krise umgehen, weil spritsparende Produkte längst im Angebot sind.
„Sicher, sauber, sparsam“
In der Bosch-Zentrale hat man bereits aus der Ölkrise 1973 Lehren gezogen: In jenem Winter, in dem die deutschen Autobahnen an einigen Sonntagen leer waren, entstand bei Bosch der Slogan „Sicher, sauber, sparsam“. So altbacken das klingen mag, als Arbeitsleitlinie für die Entwicklung von neuen Produkten im Kraftfahrzeugbereich taugen die Adjektive noch heute. Immerhin: Verglichen mit 1990, sind die Schadstoffemissionen von Dieselmotoren um 90 Prozent zurückgegangen, unter anderem durch die Hochdruck-Dieseleinspritzung, an der bis zur Serienreife 15 Jahre gearbeitet wurde. Mittlerweile werden in den Common-Rail-Systemen sogenannte Piezo-Injektoren eingebaut, die noch einmal mit höherem Druck arbeiten können und damit den Kraftstoffverbrauch sowie die Stickoxid- und Partikelemissionen weiter verringern. Zu den neuesten Produkten gehört die Start-Stopp-Automatik, die den Motor im Leerlauf automatisch stoppt und erst dann wieder startet, wenn der Fahrer aufs Gaspedal drückt.
Die Stuttgarter sehen auch in den Schwellenländern Potential für ressourcenschonende Produkte und sprechen von „ökologischer Globalisierung“. Die florierende Wirtschaft werde den weltweiten Energiebedarf bis 2030 um 60 Prozent steigen lassen, was aus ökologischen Motiven die Durchsetzung möglichst hoher Standards geboten erscheinen lässt. Doch bei Bosch verweist man auch auf die Endlichkeit preiswerten Öls und die instabile politische Lage in den Förderländern. Die Vereinigten Staaten könnten von den Ölimporten aus Saudi-Arabien unabhängig werden, wäre zwischen New York und Los Angeles jedes dritte Auto ein Diesel, lautet ein Teil der Argumentation, mit der man - gemeinsam mit den Autoherstellern - versucht, den Diesel dort salonfähig zu machen.
Kaum Kritik von Umweltschützern
Die Klimadebatte hat die Chancen für solche Geschäfte allemal verbessert. Zwar gehören gerade jene Autohersteller zu den Großkunden von Bosch, die wegen ihrer Spritschlucker von der Umweltorganisation Greenpeace gern als „Klimaschweine“ angeprangert werden. Doch bei Greenpeace will sich keiner anmaßen, den „Schwarzen Peter“ an den Zulieferer Bosch weiterzureichen - im Gegenteil: Für Greenpeace-Verkehrsexperte Günter Hubmann sind die Entwicklungen für einen geringen Kraftstoffverbrauch durchaus lobenswert. Negativ ist ihm allenfalls ein Randbereich vor Augen: Obwohl Bosch selbst vor Jahren die Gesundheitsgefahr durch Radar erkannt und die Entwicklung in diesem Bereich eingestellt habe, werde nun ein Radarsystem als „Unfallverhütung“ auf den Markt gebracht, klagt Hubmann. Auch Maximilian Gege, Mitbegründer des Beratungsinstituts Baum (Bundesarbeitskreis für Umweltbewusstes Management), ist voll des Lobes über die ökologische Kultur im Hause Bosch, und er muss erst eine Weile überlegen, bevor ihm Öko-Sünden bei dem Konzern einfallen. „Bei der Sanierung der eigenen Gebäude könnte mehr getan werden“, sagt Gege und: „Wenn das Unternehmen auf Öko-Strom umsteigen würde, wäre auch viel gewonnen.“
Mit solchen Äußerungen stößt er bei der Bosch-Belegschaft auf offene Ohren, denn für sie ist Ökologie offenbar auch ein wichtiges Thema. Auf zwei zusätzliche Stellen in einem Solar-Projekt meldeten sich intern 250 Bewerber. Und immer wieder erreichen die Kommunikationsabteilung E-Mails von Beschäftigten, die sich erkundigen, ob Bosch nicht beispielsweise selbst Solaranlagen auf die Fabrikdächer montieren wolle und dergleichen. „Wir denken nicht nur an die Produkte, sondern auch an die Produktion“, verspricht Bosch-Chef Fehrenbach: „An unseren Standorten arbeiten wir kontinuierlich daran, beispielsweise Beleuchtung, Energieversorgung und Dämmung auf den jeweils neuesten Stand zu bringen.“
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.372,61 | −1,55% |
| Dow Jones | 12.446,30 | −1,07% |
| EUR/USD | 1,2425 | −0,51% |
| Rohöl Brent Crude | 103,94 $ | −2,72% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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