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Technologiestandorte New York sagt dem Silicon Valley den Kampf an

Bürgermeister Bloomberg bejubelt den Verkauf von Tumblr an Yahoo und sieht ihn als Bestätigung für den Aufstieg seiner Stadt in der Technologieszene. Doch das Silicon Valley liegt weiterhin vorn.

© dpa Vergrößern Der New Yorker Times Square: Kreuzen sich hier bald die Wege zahlreicher Technologie-Vorreiter?

Wenn Prominenz aus dem kalifornischen Silicon Valley nach New York kommt, ist Bürgermeister Michael Bloomberg gerne zur Stelle. So trat er neulich zusammen mit Facebooks Topmanagerin Sheryl Sandberg vor die Kameras, als das soziale Netzwerk den Ausbau seiner Büros in der Stadt ankündigte. Am Montag war es wieder einmal so weit, und diesmal zeigte sich Bloomberg mit Marissa Mayer, der Vorstandsvorsitzenden des Internetkonzerns Yahoo. Mayer hatte gleich zwei Nachrichten, die ganz nach dem Geschmack des Bürgermeisters waren.

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Zum einen teilte sie mit, Yahoo habe Büroräume in dem Gebäude am Times Square angemietet, das früher Heimat der „New York Times“ war. Dort sollen die bisher 500 New Yorker Mitarbeiter von Yahoo unterkommen, und die Beschäftigtenzahl soll in den nächsten Jahren auf 700 wachsen. Besonders schien sich Bloomberg aber über die zweite Ankündigung des Tages zu freuen: den Verkauf des New Yorker Blogging-Dienstes Tumblr an Yahoo für 1,1 Milliarden Dollar. „Wir sind sehr stolz, dass Tumblr ein Lokalgewächs ist,“ jubelte Bloomberg. Der Verkauf zeige, was für ein „Big Player“ New York in der Technologiebranche geworden sei.

Eine perfekte Vorzeigefigur

Tatsächlich ist die Milliardenakquisition von Tumblr ein einschneidender Moment für die hiesige Technologieszene. Sie gilt als eine Art Bestätigung, dass die Stadt in der oberen Liga mitspielen kann. Zwar haben in den vergangenen Jahren immer wieder junge Unternehmen mit New Yorker Wurzeln aufhorchen lassen. Aber die ganz großen Transaktionen, ob nun in Form von Börsengängen oder Verkäufen, waren bisher doch zumeist Adressen von der Westküste vorbehalten.

Michael Bloomberg hat schon vor zwei Jahren das kühne Ziel ausgegeben, dem Silicon Valley seinen Spitzenrang als Hochburg für Gründerunternehmen der Technologiebranche abzulaufen. Der Tumblr-Verkauf kommt ihm nun gerade recht. Und Tumblr-Gründer David Karp, der nun um mehr als 200 Millionen Dollar reicher ist, eignet sich perfekt als Vorzeigefigur für die New Yorker Gründerszene: Ein Computergenie mit unkonventioneller Biographie ganz in der Tradition berühmter Studienabbrecher wie Bill Gates und Mark Zuckerberg, den Mitgründern von Microsoft und Facebook.

Der 26 Jahre alte Karp hat nicht einmal einen Schulabschluss. Und er hat versprochen, er werde der Stadt auch nach dem Verkauf an Yahoo treu bleiben. „Unsere Zentrale wird nicht umziehen“, schrieb er in einem Blogeintrag. New York hat schon einmal eine Blüte der Technologiebranche erlebt. Zu den Zeiten der Internetbegeisterung in den späten neunziger Jahren gelang es der Stadt ein Stück weit, sich als Ostküsten-Gegenstück zum Silicon Valley zu etablieren. In Anlehnung an das kalifornische Vorbild entstand der Begriff „Silicon Alley“.

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Mit dieser „Allee“ war die Prachtstraße Broadway auf der Höhe von Soho und angrenzender Stadtteile gemeint, um die herum sich viele Technologieunternehmen ansiedelten. Das Platzen der Internetblase bereitet dem New Yorker Aufstieg aber erst einmal ein jähes Ende. Heute zeichnet sich eine Wiederbelebung ab. Zum einen bauen die großen Internetkonzerne aus dem Silicon Valley ihre Präsenz in New York enorm aus. Google etwa hat vor zwei Jahren für fast zwei Milliarden Dollar ein Bürogebäude gekauft, das einen ganzen Häuserblock einnimmt.

Das Unternehmen beschäftigt rund 3.000 Menschen in der Stadt. Daneben kann New York auch eine Reihe prominenter Eigengewächse vorweisen. Aus dem Kreis populärer sozialer Netzwerke ist neben Tumblr auch Foursquare ein New Yorker Unternehmen. Auch im Online-Handel hat New York einige Vertreter, etwa das Designportal Fab.com oder Etsy, eine Plattform für handgefertigte Waren. Daneben mischt die Stadt auf ganz anderen zukunftsträchtigen Technologiefeldern wie 3D-Druck mit. Die Unternehmen Makerbot und Shapeways, die als Pioniere in dem Geschäft gelten, haben ihren Sitz in New York.

Manche dieser Unternehmen werden schon heute mit Summen bewertet, die an den Preis für Tumblr heranreichen. So ist Fab.com Medienberichten zufolge in Gesprächen über eine weitere Finanzierungsrunde mit Wagniskapitalgebern, die einen Wert von einer Milliarde Dollar ansetzt. Andererseits sind die Geschäftsmodelle von einigen der aufstrebenden New Yorker Start-Ups noch unausgegoren.

Die Anziehungskraft des Silicon Valley ist größer

So erzielt Foursquare ähnlich wie Tumblr bislang kaum Umsätze. In der Branche wurde auch als mögliches Alarmsignal gewertet, dass Foursquare kürzlich Geld nicht über eine traditionelle Finanzierungsrunde aufgenommen hat, sondern hauptsächlich in Form von Krediten. Allgemein ist die Anziehungskraft des Silicon Valley noch immer viel größer. Das lässt sich daran ablesen, wohin Wagniskapital fließt: Nach Angaben des Branchenverbandes National Venture Capital Association steckten Investoren im vergangenen Jahr 2,4 Milliarden Dollar in New Yorker Start-Ups.

Das Silicon Valley brachte es auf mehr als vier Mal so viel (10,9 Milliarden Dollar). Insgesamt stand die kalifornische Region für rund 40 Prozent des gesamten in Amerika vergebenen Risikokapitals. Der gewaltige Rückstand schreckt Bürgermeister Bloomberg nicht in seinem Vorhaben ab, dem Silicon Valley den Kampf anzusagen. Bei der Veranstaltung mit Yahoo-Chefin Mayer hob er lieber andere Statistiken hervor: So habe die Technologiebranche 2011 mehr als 120.000 Mitarbeiter in New York beschäftigt.

Und 2012 seien rund 100 New Yorker Technologieunternehmen für zusammengerechnet 8,3 Milliarden Dollar verkauft worden. „Tumblr ist keine Ausnahmeerscheinung hier in New York: Es gibt hier Tausende von Techies, die rund um die Uhr daran arbeiten, aus kühnen Ideen Produkte zu machen“

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 26.05.2013, 09:07 Uhr

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