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Technologieindustrie Zwischen Entlassungen und Investitionen

12.02.2009 ·  Wie viele andere Branchen ist auch die Technologieindustrie in den Sog der Wirtschaftskrise geraten und liefert eine Hiobsbotschaft nach der anderen. In diesem trüben Umfeld versuchen nun vor allem einige Riesen der Branche, positive Signale zu setzen - etwa Intel und Microsoft.

Von Roland Lindner, New York
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Paul Otellini ist ein Mann ganz nach dem Geschmack des neuen amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Der Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Mikrochipherstellers Intel teilte in dieser Woche mit, 7 Milliarden Dollar in neue Produktionsanlagen in den Vereinigten Staaten zu investieren. Die Ankündigung war Obama einen Anruf bei Otellini wert. Er lobte den Intel-Chef für seine Entscheidung und ließ ihn wissen, dass er jeden Morgen das Logo des Chipherstellers sehe, wenn er seinen Computer benutzt.

Wie viele andere Branchen ist auch die Technologieindustrie in den Sog der Wirtschaftskrise geraten. Sie hat in den vergangenen Monaten für eine Hiobsbotschaft nach der anderen gesorgt. Eine erlahmende Investitionsbereitschaft von Unternehmen und Konsumverweigerung von Verbrauchern setzen Technologiekonzernen zu. Die Berichtssaison für das abgelaufene Quartal war katastrophal: Es wurden dramatische Umsatzeinbrüche und gewaltige Verluste ausgewiesen. Viele Unternehmen sahen sich gezwungen, Stellenstreichungen anzukündigen, oft im Umfang von etlichen tausend Arbeitsplätzen.

Eine „Wirtschaftskrise, wie es sie nur einmal im Leben gibt“

In diesem trüben Umfeld versuchen nun vor allem einige Großkonzerne aus der Technologiebranche, trotzige Aufbruchstimmung zu verbreiten. Intel bezeichnet die 7-Milliarden-Dollar-Investition als den höchsten Betrag, den das Unternehmen jemals in eine neue Produktionstechnik gesteckt hat. Auch der Computer- und Beratungskonzern IBM gibt sich kämpferisch. Vorstandsvorsitzender Samuel Palmisano sagte vor wenigen Wochen in einem Schreiben an die Mitarbeiter: „Viele Unternehmen machen heute drastische Einschnitte bei ihren Ausgaben und ihren Investitionen, selbst auf Gebieten, die wichtig für ihre Zukunft sind. Wir verfolgen einen anderen Ansatz.“

Einen ähnlichen Ton schlägt auch der Softwarekonzern Microsoft an. Vorstandschef Steve Ballmer sagte im Januar bei der Elektronikmesse CES in Las Vegas: „Es mag die Versuchung geben, unseren Optimismus und unseren Ehrgeiz zurückzuschrauben. Aber die Unternehmen, die in harten Zeiten weiter auf Innovation setzen, werden einen Wettbewerbsvorteil haben.“ Bei einem Treffen mit Politikern vor wenigen Tagen warnte Ballmer mit Nachdruck davor, der Krise einseitig mit Einschnitten zu begegnen: „Amerikanische Unternehmen werden diesen Wirtschaftsabschwung nicht überstehen, indem sie nur Kosten kürzen.“

Dabei haben Ballmer und seine Kollegen keineswegs einen rosigen Blick auf die derzeitige Lage. Ballmer sprach gegenüber den Politikern von einer „Wirtschaftskrise, wie es sie nur einmal im Leben gibt“. Und auch die Branchengiganten sehen sich zum Sparen gezwungen: Intel kündigte im Januar an, bis zu 6000 Stellen auf der ganzen Welt zu streichen und mehrere ältere Produktionsanlagen zu schließen. Microsoft will bis zu 5000 Arbeitsplätze kürzen, das ist der erste breit angelegte Personalabbau in der Geschichte des Unternehmens. Medienberichten zufolge will sich auch IBM von mehreren tausend Mitarbeitern in Amerika trennen.

Musterhafte Intel-Werke

Aber der Kostendisziplin steht bei diesen Unternehmen auf der anderen Seite auch die Bereitschaft gegenüber, Geld in aussichtsreiche Projekte zu stecken. Intel investiert das Geld ausschließlich in die neue sogenannte 32-Nanometer-Fertigungstechnologie. Dabei werden die Transistoren von Mikrochips in Strukturen von 32 Milliardstel Metern auf eine Siliziumscheibe (Wafer) aufgetragen. Bislang sind 45 Nanometer die kleinste verfügbare Dimension. Die neue Technologie auf weniger Raum sorgt für eine höhere Leistung der Chips und spart Energie. Die 32-Nanometer-Produktion wird nach Angaben von Intel insgesamt 7000 Arbeitsplätze beschäftigen.

An den Standorten für die neue Fertigung könnten Intel zufolge womöglich auch Mitarbeiter unterkommen, die von den Entlassungen an anderer Stelle betroffen sind. Intel hat sich schon in der Vergangenheit damit einen Namen gemacht, auch in schwierigen Zeiten stark zu investieren. So hat Otellini-Vorgänger Craig Barrett nach dem Platzen der Technologieblase in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts viel Geld in die Fertigung investiert. Die Intel-Werke gelten in der Branche als musterhaft und als großer Wettbewerbsvorteil des Unternehmens.

Dem Beispiel folgen

Auch Steve Ballmer erinnerte die Politiker in seiner Rede daran, dass Microsoft trotz der jüngsten Einschnitte weiter investiert. Auch wenn Microsoft 5000 Stellen streiche, werde das Unternehmen auf der anderen Seite 2000 bis 3000 Arbeitsplätze auf neuen Gebieten schaffen, die Investitionen erfordern. Das Unternehmen werde weiterhin mehr als 9 Milliarden Dollar im Jahr in Forschung und Entwicklung stecken.

Den Technologiekonzernen ist bei ihren Investitionsentscheidungen der in der Krise aufkeimende Nationalismus in Amerika und anderswo offenbar nicht entgangen. Bei ihren Ankündigungen haben sie demonstrativ unterstrichen, dass sie der einheimischen Wirtschaft helfen. So sagte Steve Ballmer, dass die meisten der bis zu 3000 neuen Arbeitsplätze bei Microsoft in den Vereinigten Staaten entstehen werden. Auch Intel konzentriert seine Investition ausschließlich auf drei amerikanische Standorte. Das Unternehmen wies außerdem darauf hin, dass drei Viertel der gesamten Produktion und drei Viertel der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung in den Heimatmarkt fließen - obwohl mehr als drei Viertel des Umsatzes aus dem Ausland kommen. „Wir investieren in Amerika, um Intel und unsere Nation an der vordersten Front der Innovation zu halten“, sagte Otellini. Und er verband die Ankündigung der Investition mit einem Appell: „Ich rufe andere Unternehmen auf, unserem Beispiel zu folgen.“

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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