16.09.2005 · Die IG Metall befürchtet einen großen Stellenabbau in der IT-Sparte
Beinahe jede Woche meldet Siemens Business Services (SBS) einen neuen Auftrag. Am Donnerstag berichtete der Informationstechnikdienstleister, an den Universitäten der Slowakei Software zu installieren. Einschließlich der Wartung erreiche der Auftrag einen Wert von mehr als 15 Millionen Euro. Doch solche Erfolgsmeldungen verblassen angesichts des gewaltigen Umbruchs, vor dem die seit langem schwächelnde Sparte des Siemens-Konzerns steht. Der Druck zum Handeln wächst, denn in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres (30. September) hat sich ein Betriebsverlust von 263 Millionen Euro angesammelt.
Jetzt rächt sich, daß das Management von SBS bis 2004 und damit offenbar zu lange gewartet hat, die Kapazitäten dem stark geschrumpften Markt anzupassen. Die erhoffte Erholung nach dem Einbruch ist ausgeblieben. Ende der neunziger Jahre war das Geschäft von SBS und größerer Konkurrenten wie IBM, Hewlett-Packard oder T-Systems auf Hochtouren gelaufen.
Seit Wochen Spekulationen
Seit Wochen geistern Spekulationen über einen zusätzlichen Personalabbau bei SBS in Deutschland herum - die Zahlen reichen von 1.200 bis 4.000. Die rund 15.000 Mitarbeiter hierzulande erhoffen sich am kommenden Montag wenigstens mehr Gewißheit. Dann wird SBS-Chef Adrian von Hammerstein nach Information der IG Metall dem Gesamtbetriebsrat sein Konzept vorstellen. Angeblich informiert Vorstandsvorsitzender Klaus Kleinfeld kurz danach die Medien. „Es ist kein Geheimnis, daß wir angesichts unserer Ergebnislage die Kosten verringern müssen“, wiederholte ein Sprecher von SBS am Donnerstag seit Wochen gemachte Aussagen. „Darüber gibt es Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen, die aber noch nicht abgeschlossen sind.“
Die IG Metall befürchtet seit längerem weiteren Personalabbau, Schließungen von Niederlassungen als Folge einer Zentralisierung des Deutschland-Geschäfts und die Trennung von Geschäftssegmenten. Angeblich sucht Siemens nun Partner für SBS. Ziel der Kooperation sei es, im hart umkämpften Markt für IT-Dienstleistungen in eine neue Größenordnung vorzustoßen, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise. Siemens verhandle mit mehreren möglichen Partnern, eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Außerdem solle es ein Strategiepapier geben, nach dem die Kosten von SBS bis zum Ende des Geschäftsjahres 2006/07 um 1,5 Milliarden Euro gesenkt werden sollen. Dazu müßten in Deutschland die Personalkosten um 525 Millionen Euro verringert werden, die Zahl der Niederlassungen müßte bis 2008 von 63 auf 22 schrumpfen.
Aus dem Unternehmen und dem Umfeld von Siemens ist zu hören, die Zahlen beschrieben die richtige Tendenz, seien aber wohl noch nicht endgültig. Es heißt auch, Hammerstein sei mit seinem ersten Konzept, das er Ende August dem Zentralvorstand von Siemens vorgestellt hat, abgeblitzt. Seine ersten Vorschläge hätten nicht die langfristige Perspektive für SBS berücksichtigt. Kleinfeld strebt offenbar eine Lösung an, die die Sparte auf lange Sicht profitabel macht.
340 Stellen weniger in Kamp-Lintfort
Im Handywerk Kamp-Lintfort sollen laut Siemens wie geplant 340 Arbeitsplätze wegfallen. „Es bleibt bei den 340 Stellen“, sagte ein Siemens-Sprecher am Freitag in München. Die IG Metall hatte zuvor erklärt, es sollten weniger Arbeitsplätze gestrichen werden als ursprünglich verkündet.
Laut Siemens sollen die betroffenen Mitarbeiter für zwölf Monate in eine Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft wechseln. Unabhängig davon wolle der neue Besitzer BenQ 70 neue Stellen in Forschung und Entwicklung schaffen.