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Technologie Großumbau im Siemens-Vorstand

22.03.2006 ·  Der bisherige Finanzvorstand von Siemens, Heinz-Joachim Neubürger, nimmt überraschend seinen Hut. In Unternehmenskreisen wurde sein Ausstieg auch auf ein angespanntes Verhältnis zumVorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld zurückgeführt.

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An der Spitze des Münchner Elektronikkonzerns Siemens kommt es zu einem weitreichenden Management-Umbau. Wie Siemens am Mittwoch überraschend mitteilte, gibt der einflußreiche Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger, 53 Jahre, „aus persönlichen Gründen“ zum 1. Mai seinen Posten auf. In Unternehmenskreisen wurde Neubürgers Ausstieg auch auf ein angespanntes persönlichen Verhältnis zum Siemens-Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld zurückgeführt. Nachfolger wird Joe Kaeser, 48 Jahre, der als Chef-Stratege des Konzerns schon bisher ein enger Mitarbeiter Kleinfelds war.

Zeitgleich übernimmt der spanische Siemens-Manager Eduardo Montes Perez, 54 Jahre, die Leitung des Bereichsvorstands der angeschlagenen Telekommunikationstechnik-Sparte Com. Diese wird zur Zeit kommissarisch von Siemens-Konzernvorstand Thomas Ganswindt geleitet. Außerdem soll Ende September Hermann Requardt, 51 Jahre, als Technik-Vorstand Claus Weyrich, 62 Jahre, nachfolgen, der seinen Vertrag nicht verlängern wolle.

Verhältnis zu Siemens-Chef war schwierig

Die berufliche Zukunft Neubürgers blieb am Mittwoch offen. Der Finanzfachmann, dessen Vorstandsvertrag noch bis Herbst 2007 läuft, soll weiter als Berater für das Unternehmen arbeiten. Neubürger war in den vergangenen Jahren aber auch immer wieder als möglicher Kandidat für die Leitung anderer Unternehmen genannt worden. So gab es mehrfach Gerüchte, der frühere Investmentbanker könnte Nachfolger von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann werden. In Frankfurter Finanzkreisen hieß es am Mittwoch, es sei äußerst unwahrscheinlich, daß Neubürger kurzfristig zum größten deutschen Geldhaus stoße. Bei Siemens galt es als wahrscheinlich, daß Neubürger sich zunächst eine Auszeit nehmen und sich dann beruflich neu orientieren wird.

An der Börse brachte das Ausscheiden Neubürgers den Siemens-Aktienkurs unter Druck. Das Papier verlor am Mittwoch im Handelsverlauf in einem knapp behaupteten Gesamtmarkt 1,2 Prozent auf 75,30 Euro. Analysten bedauerten den Schritt Neubürgers, der sich vehement für eine stärkere Orientierung von Siemens an den Interessen der Finanzmärkte eingesetzt hatte. Das persönliche Verhältnis zwischen Neubürger und Kleinfeld gilt schon seit längerem als schwierig. Neubürger, der seit 1998 Finanzvorstand ist, war vor zwei Jahren Rivale um die Nachfolge des damaligen Siemens-Chefs Heinrich von Pierer.

Spanier übernimmt schwierige Aufgabe

Traditionell hat der Finanzvorstand bei Siemens großes Gewicht, und entsprechend selbstbewußt trat Neubürger auf. So schlug seine harte Kritik am mittlerweile verkauften Handy-Geschäft von Siemens hohe Wellen. Die Mobiltelefone paßten nicht zu Siemens, sagte er Ende 2004 gegenüber Analysten. Neubürger-Nachfolger Kaeser, der seit 25 Jahren bei Siemens ist, ist ein enger Mitarbeiter Kleinfelds. Der Bayer arbeitete als Chef-Stratege an dessen weitreichendem Effizienzsteigerungs-Programm „Fit for more“ mit.

Der neue Leiter der kriselnden Com-Sparte Eduardo Montes ist in der deutschen Öffentlichkeit kaum bekannt. Montes, der bisher das Spanien-Geschäft von Siemens leitete, übernimmt eine der schwierigsten Aufgaben im Konzern. Das ertragsschwache Geschäftsfeld ist ein Restrukturierungsfall. Die Sparte war bis zum Herbst von Lothar Pauly geleitet worden, der zur Deutschen Telekom wechselte. Montes, der eine feste Größe im spanischen Wirtschaftsleben ist, verfügt zwar über Erfahrung im Telekommunikationsgeschäft. Als Spanien-Chef von Siemens ist er in dieser Branche direkt aber seit einigen Jahren nicht mehr aktiv gewesen.

Quelle: theu./bf., F.A.Z., 23.03.2006, Nr. 70 / Seite 13
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