07.09.2007 · Die Gewerkschaft IG Metall gibt sich kampfbereit: Sie will Angriffe auf den Haustarifvertrag bei VW nicht hinnehmen. Porsche dagegen spricht von einer Fehlinterpretation. Der Streit um die „heiligen Kühe“ geht also weiter.
Von Susanne Preuß und Johannes RitterDer Streit zwischen VW-Arbeitnehmervertretern und Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking gewinnt weiter an Schärfe. Die IG Metall drohte Wiedeking mit einem „Großkonflikt“, sollte dieser die Mitbestimmung bei Volkswagen antasten. „Wir werden Angriffe auf den Haustarifvertrag bei Volkswagen und die Mitbestimmung nicht hinnehmen. Wer das in Frage stellt, muss mit erheblichem Widerstand der Beschäftigten rechnen. Wir sind kurzfristig kampfbereit“, sagte Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine.
Der Gewerkschaftsfunktionär reagierte damit auf die Ankündigung Wiedekings, dass sich bei einer Mehrheitsübernahme von Volkswagen durch Porsche in Wolfsburg einiges ändern müsse. Mit Blick auf die besondere Mitbestimmung und den Haustarif bei VW hatte der Porsche-Chef erklärt, es dürfe keine „heiligen Kühe“ geben. Dies kam bereits bei VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh nicht gut an.
Der Unmut der VW-Betriebsräte und Gewerkschafter, die zunächst dem Einstieg von Porsche ganz positiv gegenüber standen, macht sich an der neuen Porsche Holding-Konstruktion fest. Scheinbar hat es wenig mit den Machtverhältnissen in Wolfsburg zu tun, wenn Porsche seinen Beteiligungen eine neue Struktur gibt. Daher gab es zunächst in Wolfsburg auch keinen Aufschrei, als eine außerordentliche Hauptversammlung festlegte, dass künftig das operative Porsche-Geschäft ebenso wie die VW-Beteiligung unter einer Porsche Holding SE angeordnet werden. Tatsächlich führt die Konstruktion aber zu einer Machtbegrenzung für die VW-Betriebsräte.
VW-Betriebsrat droht Machtverlust
In einem „Besonderen Verhandlungsgremium“, das bei der SE, der Europäischen Aktiengesellschaft, Mitbestimmungsfragen regelt, hat Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück für die Porsche-Betriebsräte einige Rechte dauerhaft gesichert. So wurde verbindlich vereinbart, dass die Teilkonzerne paritätisch im Aufsichtsrat berücksichtigt werden. Bisher ist nur Porsche selbst ein Teilkonzern und beansprucht daher die komplette Arbeitnehmerbank des Aufsichtsrates. VW ist noch eine Beteiligung. Sollte Porsche bei VW die Mehrheit erwerben, dann wäre auch VW ein Teilkonzern der Holding und könnte die Hälfte der sechs Arbeitnehmersitze beanspruchen.
Ein schlechtes Gewissen gegenüber den Kollegen aus Wolfsburg plagt die Stuttgarter dabei nicht: „Es war die Porsche-Belegschaft, die die wirtschaftliche Grundlage geschaffen hat, um bei VW einzusteigen“, sagt Uwe Hück. „Aus diesem Grund wollen wir die Beteiligung der Kollegen am Mitbestimmungsprozess in der neuen Holding ein für alle Mal sicherstellen.“
Der VW-Betriebsrat merkte offenbar erst nach der Porsche-Hauptversammlung – und damit schon rechtlich zu spät –, dass damit im neuen Machtzentrum des Porsche-VW-Konglomerats ein Machtverlust droht. VW sollte Plätze im Porsche-Aufsichtsrat bekommen, meint Osterloh und richtete seine Bitte zunächst an Porsche-Chef Wiedeking, später an VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, allerdings vergebens.
Der Streit ufert aus
Der Streit ufert längst aus. Osterloh sagte, er verstehe nicht, „warum der Vorstandsvorsitzende von Porsche die erfolgreiche Arbeit von Winterkorn und seinen Vorstandskollegen diskreditiert, indem er suggeriert, bei VW halte sich der Vorstand heilige Kühe“. Das wiederum sei eine Fehlinterpretation, meint man bei Porsche: „Das Aussprechen von Selbstverständlichkeiten scheint offensichtlich beim Betriebsrat der Volkswagen AG zu unkontrollierten Reaktionen zu führen“, heißt es in einer Pressemitteilung, die mit dem Satz schließt: „Bei Porsche fragt man sich, warum die allgemeingültige Feststellung den Betriebsrat von Volkswagen schon so erregt, dass er nachlesbare Aussagen in einem Interview unkorrekt wiedergibt.“
| Name | Kurs | Prozent |
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