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Tarifkonflikt bei der Lufthansa Die Piloten streiken - was tun?

21.02.2010 ·  Vier Tage lang wollen die 4000 Piloten der Lufthansa ab heute streiken - doch welche Auswirkungen hat das auf die Reisenden? FAZ.NET beantwortet die wichtigsten Fragen der Passagiere.

Von Nadine Oberhuber
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Ab Montag wollen die 4000 Piloten der Lufthansa vier Tage lang streiken. FAZ.NET hat die wichtigsten Infos für die Passagiere zusammengestellt.

1. Was ist Sache?

Von Montag an wollen die 4000 Piloten der Lufthansa vier Tage lang streiken. Etwa die Hälfte der Lufthansa-Flüge bleiben wohl am Boden. Laut Flugplan kommt die Lufthansa an Februarwerktagen auf 1800 Flüge mit 150 000 Passagieren, das macht 3600 gefährdete Flüge und 300 000 Passagiere von Montag (0 Uhr) bis Donnerstag (23.59 Uhr). Auch viele Piloten der Tochtergesellschaft Germanwings bleiben am Boden. Es ist der größte Streik in der Geschichte der Luftfahrt. Er könnte 100 Millionen Euro kosten und mehr als eine halbe Million Fluggäste betreffen.

Es geht längst nicht nur darum, dass die Piloten 6,5 Prozent mehr Gehalt fordern. Vor allem wollen sie mehr Mitsprache bei Unternehmensentscheidungen: bei Flugstrecken und Maschinen. Das aber, stellt der Vorstand klar, lasse sich die Lufthansa auf keinen Fall bieten.

2. Wer fliegt noch?

„Die Piloten unserer Regionalpartner Cityline und Eurowings dürfen gar nicht streiken, diese Flüge müssten stattfinden“, betont Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. Das sei etwa jeder dritte Flug. Zudem wird die Lufthansa schon im Eigeninteresse versuchen, so viele Passagiere wie möglich in die Luft zu bekommen: Sie will Piloten, die auf Managementposten sitzen - und daher nicht mitstreiken -, einsetzen. „Das sind aber keine Hundertschaften“, räumt Jachnow ein. Fremdpiloten anderer Airlines werde sie nicht anheuern, „das ist für uns definitiv keine Alternative“. Kooperationen mit anderen Airlines werde es auch nicht geben, sagt er.

Das könnte aber bloße Verhandlungstaktik sein. Viele vermuten, dass die Lufthansa sich mit Star-Alliance-Partnern längst darauf verständigt hat, dass die ihr mit eigenem Fluggerät aushelfen und Passagiere übernehmen - um gerade Interkontinentalflüge stattfinden zu lassen. Zudem wird die Lufthansa versuchen, auf kürzeren Strecken größere Maschinen einzusetzen. Wenn sie etwa für einen am Boden gebliebenen Jumbo, der nach New York fliegen sollte, einen Ersatzpiloten findet, könnte sie den Jumbo innerdeutsch einsetzen und so schnell viele Menschen befördern. Sie wird wohl auch zusehen, dass die Maschinen der Tochtergesellschaften Swiss und Austrian Airlines voll belegt sind.

Wer dringend reisen oder Anschlussflüge bekommen muss, sollte in jedem Fall zum Flughafen fahren. Dort werden so viele Kunden wie möglich auf andere Airlines umgebucht, damit sie möglichst pünktlich fortkommen. Beim Verteilen der Fluggäste auf andere Maschinen gilt das Prinzip: Wer zuerst kommt, fliegt zuerst.

Andere Fluggesellschaften können dagegen keine zusätzlichen Flüge anbieten. Es gibt Slots, die sich Fluggesellschaften vertraglich bei den Flughäfen sichern, die können Konkurrenten nicht einfach übernehmen, erklärt der Flughafenkoordinator der Bundesrepublik, Klaus Ulrich. Es könnte aber sein, dass die Lufthansa bereits die Genehmigung eingeholt hat, dass ihre Tochtergesellschaften kurzfristig einspringen dürfen, sagen Luftfahrtexperten.

Einige Reisende buchen vorsorglich doppelt und besorgen sich Tickets etwa bei Airberlin oder Condor. Wenn der Lufthansa-Flug ausfällt, bekommen sie dessen Preis erstattet. Findet der Flug statt, zahlen sie drauf, oder sie können bei flexiblen Tickets stornieren.

3. Wer hat den Überblick?

Die Lufthansa hat einen Sonderflugplan erarbeitet und ins Internet gestellt, auf dem seit Freitagnachmittag alle Flüge aufgelistet sind, die wohl definitiv stattfinden. Auch unter der kostenfreien Hotline können sich Passagiere erkundigen: 0800 / 850 60 70. Alle Flüge, die dort nicht genannt werden, sind noch unsicher. Wer seine Flugnummer nicht in den Listen findet, sollte sicherheitshalber per Mail oder Telefon nachfragen, ob der Flug wirklich gestrichen ist.

4. Wer zahlt?

Die Lufthansa bucht Tickets kostenfrei auf einen anderen Termin um (spätester Termin ist der 31. März), oder sie erstattet das Geld für das Ticket zurück. Auch für die Plätze in fremden Flugzeugen zahlt sie. Wenn sie keine Ersatzbeförderung organisieren kann oder Reisende ihre Tickets verfallen lassen, weil Termine wegen des Streiks hinfällig werden, gibt es das Geld fürs Ticket zurück. Zur Not muss die Lufthansa vor Ort auch für Hotels sorgen.

Ob sie darüber hinaus Entschädigungen für Verspätungen oder verpasste Termine zahlen muss, darüber streiten die Reiserechtsexperten. Die Lufthansa sagt knallhart: Es gibt kein Geld. Doch die EU-Passagierrechteverordnung, so sagt Ronald Schmid, Professor für Luftrecht in Darmstadt, sieht Ausgleichszahlungen für gestrichene und verspätete Flüge vor: 250 Euro auf der Kurzstrecke (bis 1000 Kilometer), 400 Euro bis 3000 Kilometer und 600 Euro auf der Langstrecke. Höchstrichterlich ist nicht geklärt, ob das auch bei innerbetrieblichem Streik gilt.

5. Was ist mit der Bahn?

Die Bahn wird zu den bisher 330 000 täglichen Fernfahrern viele Fluggäste aufnehmen müssen, und damit ihr eigenes Chaos vergrößern. Sie ist offizielles "Ersatzbeförderungsmittel" und Auffangbecken für Streikopfer. Wer auf sie umsteigen will, sollte am Flughafen am Check-in-Automaten einchecken und statt des Flugtickets (Etix) einen Reisegutschein ausdrucken. Damit kann er mit der Bahn fahren. Man kann sich auch am Bahnhof eine Fahrkarte kaufen und Zug- sowie Flugticket später an die Lufthansa schicken. Die will die Kosten erstatten: die zweite-Klasse-Fahrt für Economy-Class-Passagiere und erste Klasse für die Business Class. Wichtig ist, dass Start- und Zielbahnhof dem Start- und Zielflughafen entsprechen. Und dass man gute Nerven hat: Denn die Bahn fährt derzeit mit verkürzten, ohnehin schon überfüllten Zügen. Sie will nun aber Sonderzüge einsetzen.

6. Was ist mit dem Auto?

Vor allem an Flughäfen könnten die Mietwagen knapp werden. Außerdem gibt es für die Autofahrt kein Geld zurück, ebenso wenig wie für Fernbusse oder Mitfahrzentralen, die eine preiswerte Alternative sind, bei denen man aber viel Zeit mitbringen muss. Der Berlin-Linienbus fährt für 134 Euro von Berlin nach Paris. Bei der Mitfahrzentrale kostet Berlin-München rund 30 Euro. Größere Staus auf bestimmten Strecken sind eher nicht zu erwarten.

7. Wohin mit dem Ärger?

Reisende, die ihrem Ärger Luft machen wollen, sollten sich direkt an die Beschwerdestelle der Lufthansa wenden: Deutsche Lufthansa AG, Konzernkommunikation, FRA CI, Lufthansa Aviation Center Airportring, 60546 Frankfurt/Main. Oder bei der Vereinigung Cockpit e.V., Main Airport Center (MAC), Unterschweinstiege 10, 6. OG, 60549 Frankfurt. Eine Truppe kann jedoch nichts für das Chaos: das Bodenpersonal.

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Jahrgang 1973, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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