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Tankerauftrag EADS gibt sich kämpferisch

13.07.2008 ·  Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS setzt trotz des Rückschlags beim Tankerprojekt auf einen Großeinstieg in Nordamerika. Zugleich räumt Konzernchef Louis Gallois Schwierigkeiten mit dem Eurofighter ein.

Von Ulrich Friese, London
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Louis Gallois gibt sich nach dem jüngsten Rückschlag in den Vereinigten Staaten selbstbewusst und ungerührt: „Wir werden den Tankerauftrag auch im zweiten Anlauf erhalten, weil wir das technisch wie finanziell überlegene Produkt haben“, sagte der Vorstandsvorsitzende des europäischen Rüstungskonzerns im Vorgriff auf die internationale Luftfahrtschau in Farnborough, die am heutigen Montag startet.

Gallois reagiert damit auf die Neuausschreibung für die Lieferung von 179 Tankflugzeugen an die amerikanische Luftwaffe, die Verteidigungsminister Robert Gates in der vergangenen Woche angeordnet hat (F.A.Z. vom 11. Juli). Er folgte damit einer Vorgabe des amerikanischen Rechnungshofes, der bei der Vergabe des Großauftrages im Gesamtwert von 35 Milliarden Dollar gravierende Mängel feststellte und empfahl, das Verfahren neu aufzurollen. Nach dem ersten Anlauf im Februar hatte ein Konsortium aus EADS, ihrer Tochter Airbus sowie des amerikanischen Partners Northrop Grumman den prestigeträchtigen Auftrag an Land gezogen und dabei den Erzrivalen Boeing aus dem Felde geschlagen.

Zweifel an objektiven Kriterien

„Geht es nach den Wünschen der amerikanischen Militärs, werden sich unsere Produkte auch künftig gegen Boeing durchsetzen“, sagte John Young, der für das Projekt zuständige Geschäftsführer von EADS Nordamerika. Er verweist auf die Verkaufserfolge der Airbus-Tanker in Großbritannien und Australien, die auf den zivilen Varianten der „A 330“ basieren und das gängige Angebot der Konkurrenz (B 767) aus technischer wie wirtschaftlicher Sicht überflügeln.

Ob das Pentagon seine erneute Entscheidung jedoch nach objektiven Kriterien fällen wird, bezweifeln Experten. „Der Tankerauftrag wird im Zuge des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes zum Politikum“, sagt ein Investmentbanker in London. Dabei gehe es um die Frage, ob europäischen Herstellern Zugang zum größten Rüstungsmarkt der Erde gewährt wird.

Ein größerer Zukauf deutet sich an

Gallois will mit dem Einstieg in Nordamerika, den der Tanker-Auftrag ebnet, zwei strategische Ziele erreichen. Europas größter Luft-, Raumfahrt und Rüstungshersteller steht unter Druck, seine Abhängigkeit vom Kurs des schwächelnden Dollars verringern. Da das Kerngeschäft zudem auf dem Verkauf der zivilen Airbus-Flieger basiert, die in der amerikanischen Leitwährung fakturiert werden, soll sich der Umsatz der Militärsparte gezielt erhöhen. Gegenwärtig entspricht der Umsatz mit Kampfjets und Verteidigungssystemen von als 11 Milliarden Euro rund einem Viertel der weltweiten Erlöse. Beim Rivalen Boeing dagegen macht das Geschäft im militärischen Sektor mit rund 23 Milliarden Euro fast die Hälfte des Konzernumsatzes aus.

Der Expansion in den Vereinigten Staaten kommt vor diesem Hintergrund eine Schlüsselrolle zu. Um künftig stärker vom Rüstungsetat des Pentagons mit 669 Milliarden Dollar in 2008 zu profitieren, will die EADS aus eigener Kraft sowie durch Zukäufe vor Ort. „Wir haben etwa 10 Hersteller identifiziert, die mit dem Pentagon oder zivilen Sicherheitsbehörden im Geschäft und für uns interessant sind“, sagte Marwan Lahoud, Chefstratege der EADS, ohne Namen zu nennen. Ein größerer Zukauf im amerikanischen Rüstungsmarkt deutet sich dabei nächstes Jahr an. Weitere Verkaufschancen könnten sich jetzt für den Militär-Transporter „A400M“ ergeben, da die „US Air Force“ Teile ihrer veralteten Flotte ersetzen muss.

Der Sparzwang der europäischen Militärs ist zu spüren

Unabhängig davon, ob der lukrative Tanker-Auftrag besiegelt wird oder wer ab November den politischen Kurs im Weißen Haus bestimmt, bleibt Nordamerika für die Rüstungsmanager der EADS die mit Abstand wichtigste Absatzregion: „Auch bei drastischen Kürzungen des Etats ergeben sich für uns riesige Wachstumschancen“, sagte Lahoud auf einer Tagung seines Konzerns im südenglischen Ort Dogmersfield.

Anders sieht es in Europa aus. Den Sparzwang der europäischen Militärs bekommt Lahouds Kollege Stefan Zoller zu spüren. Den für das Militärgeschäft zuständigen Bereichsvorstand irritieren Planspiele der britischen Regierung, die fest vereinbarte Abnahme von weiteren 86 Eurofightern zu überdenken oder in großen Teilen zu stornieren. „Wir haben mit allen an der Produktion beteiligten Ländern wasserdichte Verträge“, sagt Zoller, „eine nachträgliche Änderung würde mögliche Strafzahlungen sowie wirtschaftliche Nachteile für die beteiligten Hersteller und Lieferanten nach sich ziehen“.

„Unser Konzern wandelt sich schnell“

An der Projektgesellschaft Eurofighter GmbH ist die EADS mit 43 Prozent beteiligt. Weitere Partner sind der britische Hersteller BAE Systems sowie Italiens Finmeccanica. Das Trio hat sich zur Abnahme von insgesamt 620 Kampfjets verpflichtet, die in drei Tranchen produziert und ausgeliefert werden. Bei der letzten Tranche im Gesamtumfang von 236 Eurofightern entfällt fast ein Drittel auf die britische Luftwaffe. Londons möglicher Ausstieg aus dem Geschäft mit einem Volumen von geschätzt 7,7 Milliarden Euro wird mit dem teuren Engagement beim amerikanischen Konkurrenz-Projekt „Joint Strike Fighter“ sowie mit den Geschäftserfolgen begründet, die dem Eurofighter-Konsortium zugute kommen. Unter britischer Regie wurden kürzlich 72 Eurofighter für 6,3 Milliarden Euro an die Luftwaffe Saudi-Arabiens verkauft.

„Unser Konzern wandelt sich schnell, um in einem Markt mit einem schwierigen Umfeld weiter erfolgreich zu bestehen“, sagt Gallois. Um etwa die höhere Kostenlast durch die Verzögerungen bei den neuen Flugzeugprojekten „A 380“ und „A400M“ aufzufangen, startete der deutsch-französische Hersteller unlängst ein Sparprogramm, das die Fixkosten bis 2010 um 2,1 Milliarden Euro kappen und zum Abbau von 10.000 der insgesamt 116.000 Stellen führen soll. Für einen möglichen Geschäftseinbruch, der aus der Krise der unter Kostendruck stehenden Fluggesellschaften resultiert, sieht sich Gallois angesichts eines Auftragsbestandes für 3700 Flugzeuge im Bestellwert von insgesamt 350 Milliarden Euro (557 Milliarden Dollar) gut gerüstet. Bei Boeing erreichen die Aufträge mit 271 Milliarden Dollar ebenfalls eine interne Rekordmarke.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft.

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