In den bislang vom Elektronikkonzern Apple und seinem iPad beherrschten Markt für Tabletcomputer könnte Bewegung kommen: Der Online-Händler Amazon will jetzt offenbar seine schon seit einigen Monaten erwartete Offensive im Tabletmarkt starten. Das Unternehmen hat für den Mittwoch zu einer Pressekonferenz in New York eingeladen.
Amazon machte keine Angaben zum Thema der Veranstaltung, aber in der Branche gilt es als ausgemacht, dass der Konzern einen Tabletcomputer vorstellen wird. Für Amazon, sonst vor allem als Adresse für den Interneteinkauf bekannt, wäre dies der zweite große Schritt im Konsumelektronikgeschäft nach dem digitalen Lesegerät Kindle, das 2007 herauskam.
Amazon hofft, mit seinem Vorstoß ein ähnliches Schicksal zu vermeiden wie einige Wettbewerber, deren Tabletinitiativen bislang glücklos geblieben sind. Der Erfolg des iPad hat viele Nachahmer angezogen, aber kaum jemand konnte Apple bislang in nennenswertem Umfang Konkurrenz machen. Der Technologiekonzern Hewlett-Packard zum Beispiel hat sein erst im Juli eingeführtes Tablet Touchpad schon nach wenigen Wochen wieder eingestampft.
Einige Details zum neuen Amazon-Tablet kursieren schon
Research in Motion, der Hersteller des internetfähigen Handys Blackberry, hat kürzlich in seinem Quartalsbericht mit weit unter den Erwartungen liegenden Absatzzahlen für sein Tablet Playbook enttäuscht. Apple hat seit der Einführung des iPad im April vergangenen Jahres mehr als 29 Millionen Exemplare verkauft und damit einen Umsatz von mehr als 15 Milliarden Dollar erzielt. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts IDC hatte Apple im zweiten Quartal dieses Jahres einen Anteil von 68,3 Prozent am Tabletmarkt.
Analysten trauen Amazon indessen zu, ein ernsthafter Herausforderer zu werden. Sarah Rotman Epps vom Marktforschungsinstitut Forrester Research kann sich vorstellen, dass Amazon noch bis zum Jahresende zwischen drei und fünf Millionen Einheiten des neuen Tablets verkauft.
Unter Analysten und in amerikanischen Medien kursieren im Vorfeld der offiziellen Premiere einige Details zum neuen Amazon-Tablet: Das Gerät soll einen 7-Zoll-Bildschirm haben und damit kleiner sein als das iPad, das auf fast 10 Zoll kommt. Im Gegensatz zum Lesegerät Kindle soll das Amazon-Tablet einen berührungsempfindlichen Farbbildschirm haben. Es soll mit einer abgewandelten Version des Betriebssystems Android von Google laufen. Das Branchenblog „Techcrunch“ berichtet, dass das Gerät den Namen „Kindle Fire“ tragen soll.
Amazon hat nie Absatzzahlen des Kindle veröffentlich
Vor allem aber will sich Amazon mit seinem neuen Gerät vom iPad offenbar mit einem aggressiven Preis unterscheiden. So wird spekuliert, dass das Amazon-Tablet zwischen 250 und 300 Dollar kosten könnte. Das billigste iPad ist in Amerika derzeit für knapp 500 Dollar zu haben, und auch die meisten bisherigen Wettbewerber haben Apple nicht nennenswert im Preis unterboten. Es würde nicht überraschen, wenn Amazon auf eine Billigstrategie setzt. Das Unternehmen ist bekannt dafür, im Kampf um Marktanteile Niedrigpreise einzusetzen, auch wenn dies zu Lasten der Gewinne geht. So hat Amazon auch die Preise für den Kindle wiederholt reduziert. Die billigste Version ist in Amerika für 114 Dollar zu haben.
Daneben hat Amazon gegenüber den bislang erfolglos gebliebenen iPad-Wettbewerbern noch einen anderen großen Vorteil: Amazon ist schon heute eine Vertriebsplattform für digitale Medien und hat daher Zugriff auf eine Vielzahl von Inhalten, von Musik über Filme bis zu Büchern. Dies wird sich Amazon bei seinem Tablet zunutze machen können. Daneben betreibt Amazon schon eine eigene Plattform für Softwareanwendungen („Applikationen“), wenngleich der Rückstand auf den „App Store“ von Apple noch immer groß ist.
In der Branche wird erwartet, dass auch nach der Einführung eines Tabletcomputer der Kindle als spezialisiertes digitales Lesegerät weiter existieren wird. Der Kindle hatte nach IDC-Angaben zuletzt einen Anteil von knapp 52 Prozent am Weltmarkt für Lesegeräte. Amazon hat nie Absatzzahlen für das Gerät veröffentlicht.
@Herrn Stepken
Johann Schulz-Gebeltzig (johannsg)
- 28.09.2011, 17:12 Uhr
@Hr. Rüger
Jürgen Kühner (J-M-K)
- 28.09.2011, 16:31 Uhr
Hoffentlich läßt Amazon die Ecken weg
Dietmar Fleischhauer (dfleischhauer)
- 28.09.2011, 16:27 Uhr
@t.ruger
Marc-Daniel Volk (mdvolk)
- 28.09.2011, 16:21 Uhr
Apple liefert die Innovationen und die Epigonen versuchen dann etwas vom Kuchen
TOBIAS RÜGER (t.ruger)
- 28.09.2011, 14:34 Uhr