11.12.2007 · Die Südwestdeutsche Medien Holding will die „Süddeutsche Zeitung“ offenbar keinem Konkurrenten überlassen. Jetzt hat sie die Übernahme der Mehrheit an dem Blatt beim Bundeskartellamt angemeldet. An der Zeitung sind auch Holtzbrinck, WAZ und DuMont interessiert.
Von Marcus TheurerDie Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH) hat den umstrittenen Kauf des Süddeutschen Verlags (SV) beim Bundeskartellamt zur Genehmigung angemeldet. Wie das Kartellamt auf seiner Homepage im Internet mitteilt, beantragt die SWMH den „Erwerb der alleinigen Kontrolle“ über den Verlag der „Süddeutschen Zeitung“.
Die Anmeldung kommt überraschend, weil der Verkaufsprozess noch im vollen Gange ist. Außer der SWMH („Stuttgarter Zeitung“) interessieren sich unter anderem Verlage wie Holtzbrinck („Die Zeit“), WAZ („Westdeutsche Allgemeine“) und DuMont („Frankfurter Rundschau“) für den SV.
SWMH ist bereit, mehr zu zahlen
Die SWMH, ein Regionalzeitungsverlag aus Stuttgart, ist allerdings schon mit 18,75 Prozent an dem Münchner Unternehmen beteiligt und hat zudem ein Vorkaufsrecht. Zu Wochenbeginn hat die SWMH bekräftigt, dieses ausüben zu wollen. Verkaufswillig sind vier SV-Altgesellschafter, denen zusammen 62,5 Prozent gehören.
Allerdings sind sie mit der SWMH zerstritten.
Die SWMH hat sich offenbar entschieden, deutlich mehr Geld als bisher angekündigt zu bezahlen, um sich die Mehrheit am Süddeutschen Verlag in München zu sichern, hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ in ihrer Ausgabe vom Dienstag berichtet. „Die SWMH ist voll bereit, ihr Vorkaufsrecht auszuüben“, hieß es von Seiten des Stuttgarter Zeitungshauses. Eine Aufstockung der bisher genannten Offerte sei dafür kein Hindernis.
Vorkaufsrecht für die SWMH
Das Vorkaufsrecht sichert der SWMH den Zuschlag, wenn sie gleich viel bietet wie ein anderer Interessent. Für die Ausübung dieser Kaufoption hat sie laut Unternehmenssatzung, nachdem ein unterschriftsreifer Kaufvertrag mit einem anderen Interessenten vorliegt, drei Monate Zeit. Die SWMH kann innerhalb dieser Frist auch entscheiden, ihre Minderheitsbeteiligung am SV zum selben Preis an den externen Käufer abzugeben. Davon wolle man aber keinen Gebrauch machen, hieß es von Seiten der SWMH: „Das ist eine rein theoretische Möglichkeit.“
Um sich die Mehrheit am SV zu sichern, mussten die Stuttgarter voraussichtlich deutlich mehr bezahlen als im Frühjahr bei einer ersten Verhandlungsrunde mit den verkaufswilligen Altgesellschaftern in Aussicht gestellt. Damals hatte die SWMH den SV insgesamt mit rund 750 Millionen Euro bewertet. Unter den externen Interessenten soll es nach Informationen aus Branchenkreisen nun aber Gebote geben, die den SV mit mehr als einer Milliarde Euro bewerten. Ein hohes Gebot soll demnach DuMont abgegeben haben, wobei sich in der Branche Zweifel an dessen Finanzierung halten. Als vermutlich zu niedrig wird das Gebot der WAZ eingeschätzt.