21.05.2011 · Erst 1 Milliarde Euro für Elektroautos, nun will die Bundesregierung nach F.A.Z.-Informationen auch optische Technologien subventionieren - zehn Jahre lang mit 100 Millionen Euro im Jahr.
Von Rüdiger Köhn, MünchenNach der Nanotechnologie und der Elektromobilität soll nun eine andere, bislang weniger bekannte Wirtschaftsbranche beachtliche staatliche Fördermittel für die Forschung erhalten. Die Bundesregierung will die Photonik, in der es um den Einsatz optischer Technologien geht, nach Informationen dieser Zeitung zehn Jahre lang mit insgesamt 1 Milliarde Euro unterstützen.
„Die Bundesregierung verpflichtet sich, jährlich 100 Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren für die Förderung von Forschung und Entwicklung im Bereich der Photonik bereit zu stellen“, sagte Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Das ist im Zuge einer verantwortlichen Haushaltsplanung machbar.“ Schütte wird dies am Montag offiziell in München auf der Messe Laser World of Photonics bekannt geben. „Dieser Betrag ist schon für die Legislaturperiode bis 2013 festgeschrieben und in der mittelfristigen Finanzplanung bis 2015 vorgesehen“, sagte er.
Der Begriff Photonik ist weitgehend unbekannt, weil er sich als Kunstwort aus „Photon“ (griechisch: Licht) und Elektronik zusammensetzt und die Branche bislang nach Außen nicht einheitlich aufgetreten ist. Mit dieser Technik befasst sich aber eine breit aufgestellte Industrie etwa aus der Produktions-, Energie-, Medizin-, Beleuchtungs-, Kommunikations- und Informationstechnik. Dahinter stehen Unternehmen wie Osram, der Maschinenbauer Trumpf oder das Medizintechnikunternehmen Carl Zeiss. Mit Glasfaserkabeln und Leuchtdioden begann der Einsatz von Photonik in der Informationstechnologie. In der Produktion ermöglicht der Laserstrahl heute schon eine präzise, berührungsfreie und energiesparende Bearbeitung von Materialien.
Nanotechnologie erhält jährlich 400 Millionen Euro
Mit ihrem Förderversprechen misst die Bundesregierung der Photonik zwar eine große Bedeutung in der Forschungsförderung bei, um so die internationale Wettbewerbsfähigkeit dieser mittelständisch geprägten Branche langfristig zu unterstützen. Das Fördervolumen fällt aber wesentlich geringer aus als dasjenige für die Nanotechnologie mit jährlich 400 Millionen Euro bis 2015 oder als die 1 Milliarde Euro, welche die Elektromobilität bis einschließlich 2013 erhalten soll.
Die Photonikbranche hatte eigentlich auf eine höhere Unterstützung aus den Subventionstöpfen von 1,5 Milliarden Euro oder durchschnittlich 150 Millionen Euro im Jahr gehofft. Die nun gewährte Förderung dürfte in der deutschen Photonikindustrie daher zu Enttäuschung führen, nachdem diese vor zwei Jahren mit ihrer Agenda „Photonik 2020“ einen Anstoß gemacht hatte, um auf die Bedeutung dieser Technologien hinzuweisen. Die Branche selbst kündigt an, in den nächsten zehn Jahren 30 Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung investieren zu wollen; 10 Prozent des erwarteten Umsatzes von 300 Milliarden Euro in diesem Zeitraum.
„Wir sind nun als Schlüsselbranche anerkannt“
„Das Programm der Bundesregierung ist die Bestätigung dafür, dass wir nun als Schlüsselbranche anerkannt sind“, sagte Peter Leibinger, Geschäftsführender Gesellschafter des Werkzeugmaschinenbauers Trumpf. „Uns war die Botschaft an die Bundesregierung wichtig, dass viele Industrien und Verbände zusammengefunden haben und an einem Strang ziehen“, ergänzte Martin Goetzeler, Geschäftsführer von Osram, gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Photonik gehört in Europa zu den fünf Schlüsseltechnologien der Zukunft - neben Nanotechnologie, Biotechnologie, Mikroelektronik und Zukunftsmaterialien. Das Forschungsministerium schreibt ihr das größte Wachstumspotential unter diesen fünf zu. Nach den Worten von Goetzeler wird in Deutschland das jährliche Wachstum auf 8 Prozent geschätzt. Das Umsatzvolumen soll sich in zehn Jahren auf 44 Milliarden Euro mindestens verdoppeln. Die Zahl der Beschäftigten würde bis 2015 von heute 124.000 auf mehr als 140.000 Mitarbeiter steigen. Für Goetzeler gibt die Photonik viele Antworten auf die Herausforderungen der nächsten Jahre in den Bereichen Gesundheit, Energie, Sicherheit, Mobilität und Kommunikation. Leuchtdioden, eine der sparsamsten Lichtquellen der Zukunft, werden später eine Verbindung von Beleuchtung mit Energieversorgung ermöglichen, in dem transparente Lichtfolien in Glasscheiben über die Photovoltaik Solarstrom erzeugen können.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.365,82 | −0,22% |
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| EUR/USD | 1,2405 | +0,28% |
| Rohöl Brent Crude | 102,99 $ | −0,25% |
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