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Streit mit Fraport : Lufthansa beordert A380-Flugzeuge nach München

Künftig sollen 5 der 14 Lufthansa-Flugzeuge vom Typ A 380 in München stehen. Bild: dpa

Lufthansa zieht Konsequenzen aus dem Streit mit Flughafenbetreiber Fraport: Die Fluggesellschaft verlagert einen großen Teil ihrer A380-Flotte.

          Zwischen der Deutschen Lufthansa und dem Flughafenbetreiber Fraport gewinnt der Streit über die Gebühren am größten Flughafen-Drehkreuz des Landes an Schärfe. Die führende Fluggesellschaft in Europa teilte am Dienstag mit, dass sie einen großen Teil ihrer A380-Flotte von Frankfurt nach München verlagert. Damit entscheidet der deutsche Platzhirsch zum zweiten Mal binnen weniger Wochen, mit dem Langstreckengeschäft außerhalb der wichtigsten Heimatbasis zu wachsen. Im März wurde bekannt, dass 15 der insgesamt 25 Langstreckenflugzeuge vom Typ A 350 von München aus starten.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Verlagerung des wachstumsträchtigen Interkontinental-Geschäfts dürfte Fraport empfindlich treffen, auch wenn der Betreiber aus Frankfurt dieses Segment mit einem Marktanteil von 38 Prozent noch deutlich dominiert. Der Konkurrent in München weist dagegen nur einen aktuellen Wert von 16 Prozent vor.

          Nur noch ein Drittel der Lufthansa-Flotte in Frankfurt zu finden

          Der Streit zwischen Lufthansa und Fraport hatte sich an der Frage entzündet, ob Irlands Preisbrecher Ryanair mit hohen Rabatten auf die Flughafengebühren nach Frankfurt gelockt werden soll, um von dort aus angestammte Strecken der Lufthansa mit Kampfpreisen zu bedienen und so das Billigflugsegment in Frankfurt mit einem Marktanteil von 2 Prozent zügig auszubauen. Lufthansa kritisierte das Vorgehen von Fraport-Chef Stefan Schulte und drohte damit, mit Fernrouten außerhalb Frankfurts zu wachsen.

          Gegenwärtig wickelt die Lufthansa zwar zwei Drittel ihrer Flugbewegungen über Frankfurt ab. Doch im Gegensatz zu früher, als noch zwei Drittel aller Lufthansa-Flugzeuge an der größten Heimatbasis stationiert waren, ist heute nur noch ein Drittel der Flotte in Frankfurt zu finden. Von den 700 Flugzeugen im Lufthansa-Konzern entfallen etwa 200 auf die größte Heimatbasis. Davon bedienen wiederum etwa 70 Passagierjets die lukrativen Fernrouten nach Asien oder Nordamerika. Künftig sollen 5 der 14 Flugzeuge vom Typ A380 in München stehen, um neue Langstreckenziele wie Los Angeles, Hongkong oder Peking zu bedienen. Ein Abbau bei den 30.000 Mitarbeitern, die für die Lufthansa in Frankfurt oder in der Rhein-Main-Region tätig sind, ist nicht zu erwarten, stellte der Konzern am Dienstag klar.

          Streit ums Geld

          Dass nach dem Auftakt für München weitere Flottenteile anderen Standorten wie Zürich oder Wien zuwachsen, ist für Kenner des Konzerns ausgemacht. „Für uns wird die Umsteigegebühr der Flughäfen zum entscheidenden Faktor bei der Passagiersteuerung“, kündigte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister an. Seine Streckenplaner würden daher die Passagiere verstärkt über jene Flughafen-Hubs lenken, in denen die jeweils höchsten Deckungsbeiträge zu erzielen sind.

          Im Klartext gab Hohmeister damit zu verstehen, dass der Flughafen Frankfurt für die Lufthansa gegenwärtig zu teuer sei und sein Unternehmen von Fraport reichlich Kostenentlastung durch niedrigere Entgelte für verschiedene Serviceleistungen erwarte. Falls der Betreiber hier nicht einlenke, werden die Lufthanseaten verstärkt kostengünstigere Standorte wie München, Wien oder Zürich ansteuern.

          Fraport-Chef Schulte verteidigte zuletzt mehrfach die Öffnung für Billigfluganbieter mit den auf drei Jahre befristeten Gebührenrabatten. Ein Standort wie Frankfurt könne nicht ignorieren, wenn das Billigsegment inzwischen mehr als 40 Prozent des europäischen Flugverkehrs ausmache. Mit der Lufthansa wolle man aber weiter im Geschäft bleiben und gemeinsame Wachstumspotentiale und neue Erlösquellen erschließen. Schulte zeigt sich zuversichtlich, den Streit mit seinem Stammkunden beizulegen. Eine solche Einigung sei aber nicht mit einem großen Federstrich zu erreichen, sondern vielmehr das Ergebnis von Erfolgen bei mehreren Projekten, die separat und wohl über Monate ausgehandelt werden.

          Mehr Platz für Fluggäste der Billigfluganbieter geplant

          Unterdessen treibt Fraport den Ausbau des dritten Passagier-Terminals in Frankfurt mit Blick auf den Gewinn neuer Kunden voran. Mit dem Bau eines dritten Abfertigungsterminals will Fraport von 2023 an ein zusätzliches Volumen von 14 Millionen Fluggästen im Jahr bewältigen, weil die Kapazitäten der bestehenden Terminals mit mehr als 60 Millionen Passagieren im Jahr begrenzt sind.

          Im Zuge des Neubaus soll in Frankfurt auch mehr Platz für Fluggäste der Billigfluganbieter entstehen. Beispielsweise ist der neue Flugsteig G in Leichtbauweise, der vor der für 2023 geplanten Inbetriebnahme des neuen Abfertigungsgebäudes zur Verfügung stehen soll, für bis zu 6 Millionen Passagiere im Jahr ausgelegt und auch für Umsteiger geeignet, die in Frankfurt zur Zeit rund 60 Prozent aller Fluggäste ausmachen.

          Auch Lufthansa-Manager sind zuversichtlich, dass man mit Fraport ein integriertes Geschäftsmodell entwickeln kann. Allerdings wird befürchtet, dass sich mit dem wachsenden Andrang neuer Kunden die Pünktlichkeit für die übrigen Fluggesellschaften in Frankfurt verschlechtert. In den nächsten Monaten werden neben Ryanair auch Wizz Air ihre Präsenz in Frankfurt verstärken.

          Quelle: F.A.Z.

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