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Freitag, 10. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Streik bei der Telekom Die Wucht des Wettbewerbs

10.05.2007 ·  Zwölf Jahre nach der Privatisierung kriegt die Telekom die Wucht des Wettbewerbs voll zu spüren: Die Kunden laufen davon, weil die Konkurrenz preiswerter ist. Um die Gewinne von morgen ist es schlecht bestellt, meint Helmut Bünder.

Von Helmut Bünder
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Vom großen Streik bei der Deutschen Telekom dürften die meisten Privatkunden wenig mitbekommen. Ein oft mäßiger Service und lange Wartezeiten gehören bei dem ehemaligen Staatskonzern zum ganz normalen Alltag. Ob man in den kommenden Wochen etwas länger in der Schleife eines Call-Center hängt oder nicht, fällt da kaum mehr ins Gewicht.

Die Dienstleistungsgesellschaft Verdi wird ohnehin die Leute nicht noch mehr gegen sich aufbringen wollen. Damit es dem Unternehmen trotzdem weh tut, wird der Ausstand deshalb wohl vor allem Banken, Versicherungen und andere Großkunden treffen, vielleicht auch die öffentliche Verwaltung.

Die Kunden laufen davon

Groß ist der Zorn der Telekom-Beschäftigten. Noch ist ihr Unternehmen keineswegs der Sanierungsfall, als den es nun auch Politiker hinstellen. Immerhin hat die Hauptversammlung gerade eine Rekorddividende von drei Milliarden Euro bewilligt - rund ein Drittel davon bekommt der Großaktionär Bund!

Aber es stimmt schon: Die Gewinne von heute sind die Ergebnisse von gestern. Und um die Ergebnisse von heute und die Gewinne von morgen ist es schlecht bestellt. Zwölf Jahre nach der Privatisierung bekommt die Telekom die Wucht des Wettbewerbs voll zu spüren. Die Kunden laufen ihr in Scharen davon, weil die Konkurrenz preiswerter ist und häufiger auch das innovativere Angebot hat.

Die Politik ließ nicht genug Spielraum

Diese Entwicklung ist weder ein Unglücksfall noch eine Überraschung. Seit vielen Jahren zielt die europäische und die deutsche Liberalisierungspolitik darauf ab, früheren Staatsmonopolisten Marktanteile zu nehmen, damit neue private Unternehmen ins Geschäft kommen. Die Telekom hat darauf viel zu langsam reagiert - auch deshalb, weil die Politik ihr nicht den Spielraum ließ, die Altlasten aus Behördenzeiten abzuwerfen.

Vielleicht fehlte es der Konzernführung einfach auch an der notwendigen Courage. Noch im vergangenen Sommer beugte sie sich dem Schlichterspruch Heiner Geißlers und akzeptierte eine Tariferhöhung von drei Prozent. Jetzt wird es für die Beschäftigten umso schmerzhafter, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren.

Mit Arbeitszeiten von 34 Stunden in der Woche und Löhnen, die zum Teil um die Hälfte über denen der Wettbewerber liegen, hat die Telekom keine rosige Zukunft. An dieser Einsicht wird auch die Gewerkschaft nicht vorbeikommen.

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