Home
http://www.faz.net/-gqe-75f1a
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Stellenreport Mitarbeitersuche im Fernsehen

Trotz konjunktureller Schwäche übersteigt der Stellenaufbau in Deutschland den Stellenabbau. Die Unternehmen überlegen immer stärker, wie sie Mitarbeiter langfristig an sich binden können.

© obs Vergrößern Gefragt: Technisches Personal für die Bahn

Viele Fernsehzuschauer waren überrascht. Zwischen Werbung für Autos, Parfüm, Waschmitteln und Baumärkten gab es einen Werbespot für - Arbeitsplätze bei der Deutschen Bahn. Das war Anfang Dezember kurz vor der Tagesschau zur besten und teuersten Sendezeit im deutschen Fernsehen. Die Deutsche Bahn ist damit das zweite Unternehmen, das sich als guter Arbeitgeber einem großen Publikum andient. Die Deutsche Telekom hatte es vorgemacht, allerdings im Kino. Der Werbespot im Deutschen Fernsehen, der wahrscheinlich im kommenden Jahr an verschiedenen Sendeplätzen wiederholt wird, ist Teil einer im November 2012 gestarteten neuen Personalkampagne der Deutschen Bahn.

Georg Giersberg Folgen:  

„Wir müssen als Arbeitgeber attraktiver werden“, ist die Erkenntnis der Bahn. Das Logistikunternehmen beschäftigt allein in Deutschland fast 200.000 Mitarbeiter und auf der ganzen Welt sogar 300.000 Menschen. In diesem Jahr hat die Bahn allein in den ersten neun Monaten 8.500 Mitarbeiter eingestellt. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs der Arbeitgeber um gut ausgebildete junge Menschen werde der Bedarf in den kommenden Jahren steigen, ist man sich bei der Bahn sicher. Daher müsse man alles tun, um zum einen die Menschen zu halten, die bei der Bahn und ihren Tochtergesellschaften (Spedition Schenker) beschäftigt sind, und zum anderen noch attraktiver für neue Mitarbeiter werden.

Vielfältiges Stellenangebot

Dieser Einsicht folgte im Oktober diesen Jahres ein sogenannter Medien-Workshop. Daraus ging hervor, dass viele Menschen gar nicht wissen, wie vielfältig das Stellenangebot der Bahn ist, das weit über den Zugführer und den Schaffner hinausgeht. Die Bahn beschäftigt IT-Experten, Kaufleute, Immobilienexperten, Ingenieure für Brücken- und Tunnelbau ebenso wie solche für Elektrotechnik. Es geht auch nicht nur um akademisch ausgebildete Ingenieure. Es geht nach den Worten von Unternehmenssprecherin Dagmar Kaiser um die gesamte Bandbreite des Nachwuchses vom Auszubildenden bis hin zum Ingenieur. Um die Botschaft als guter Arbeitgeber unter die Menschheit zu bringen, wirbt die Bahn im Fernsehen, aber auch in Zeitungen, im Kino und im Internet.

Der Attraktivität dient auch der Demographie-Tarifvertrag, den die Bahn am 6. Dezember mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) geschlossen hat. Dort geht es vor allem darum, die Beschäftigungsbedingungen individueller und flexibler zu gestalten. Im Rahmen des sogenannten Lebensphasenmodells soll die berufliche Entwicklung eines Beschäftigten mit seinem Privatleben besser in Einklang gebracht werden. Dazu gehört, dass man Schichtdienste an die persönlichen Bedürfnisse anpasst, also einen Mitarbeiter mit kleinen Kindern möglichst wenig Nachtschichten arbeiten lässt. „Mit rund 100 Arbeitszeit-Projekten, in denen Mitarbeiter mit ihren Führungskräften und Betriebsräten Einsatzpläne entwickeln, hat die Bahn erste gute Erfahrungen gemacht“, sagt Personalvorstand Ulrich Weber.

Tabelle / Stellenabbau Deutschland Die Schlecker-Insolvenz kostete 25000 – meist weibliche – Mitarbeiter ihren Job © F.A.Z. Bilderstrecke 

Zu der neuen Personalpolitik gehört auch, dass allen Auszubildenden, die ihre Berufsausbildung mit einer Prüfung erfolgreich abschließen, ein Übernahmeangebot in ein Dauerarbeitsverhältnis gemacht wird. Teil der Personalkampagne ist nicht nur die Gewinnung neuer Mitarbeiter, sondern auch die Bindung der Beschäftigten an ihr Unternehmen. Ein zentraler Punkt ist eine derzeit laufende Befragung der global 300000 Beschäftigten zur Zufriedenheit mit ihrer Arbeit und ihrem Arbeitgeber. Die Ergebnisse werden im Januar vorliegen, heißt es in der Bahnzentrale.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Beliebteste Arbeitgeber Absolventen wollen Autos bauen

Deutschland einig Autoland: Nicht nur die Manager wollen bevorzugt bei einem Automobilhersteller arbeiten, auch die Absolventen. Eine Branche büßt hingegen an Beliebtheit ein. Mehr

03.05.2015, 08:00 Uhr | Beruf-Chance
Fachkräftemangel Firmen buhlen um Auszubildende

Deutschland gehen die Lehrlinge aus. Zehntausende Stellen bleiben Jahr für Jahr unbesetzt. Unternehmen müssen Azubis regelrecht umwerben, bezahlen höhere Gehälter oder bieten Prämien, zum Beispiel die kostenlose Autonutzung. Mehr

08.12.2014, 13:02 Uhr | Wirtschaft
Bedford-Strohm im Interview Die Lohnunterschiede sind zu groß

Der Theologe Heinrich Bedford-Strohm ist seit November Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. Im Interview spricht er über protestantischen Arbeitsethos, Mindestlohn und Managergehälter. Mehr

26.04.2015, 16:35 Uhr | Wirtschaft
Zukunft gehört dem Nachwuchs Wie die Jungen die Energiewende voranbringen

Der Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie stellt Energie-Konzerne wie RWE vor riesige Herausforderungen – gerade deshalb braucht das Essener Unternehmen den besten Nachwuchs. Junge Ingenieure kommen immer häufiger direkt nebenan von der Uni Duisburg-Essen. Der neue Studiengang Energy Science an der Uni existiert erst seit vier Jahren, hat aber inzwischen schon mehr Bewerber als Plätze. Dabei wollten noch vor wenigen Jahren nicht viele in Duisburg oder Essen studieren. Mehr

12.04.2015, 12:47 Uhr | Wirtschaft
Berlin Mangelnde Deutschkenntnisse bei Polizeibewerbern

Jeder dritte Bewerber für den Polizeidienst in Berlin schafft aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse das Auswahlverfahren nicht. Das könne aber nicht an veränderten Anforderungen liegen, denn die hätten sich nicht erhöht, heißt es. Mehr

20.04.2015, 10:13 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 30.12.2012, 16:43 Uhr

BASF und die Boni

Von Bernd Freytag

Niedriger Ölpreis, Krieg in der Ukraine und schwache Konjunktur in Europa: BASF-Chef Kurt Bock hat den Chemiekoloss bislang gut durch eine schwierige Zeit geführt. Er braucht aber auf einige Fragen neue Antworten. Mehr 1 9

Umfrage

Was halten Sie von einem ständigen TTIP-Gericht?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --