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Stellenreport Mitarbeitersuche im Fernsehen

 ·  Trotz konjunktureller Schwäche übersteigt der Stellenaufbau in Deutschland den Stellenabbau. Die Unternehmen überlegen immer stärker, wie sie Mitarbeiter langfristig an sich binden können.

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© obs Gefragt: Technisches Personal für die Bahn

Viele Fernsehzuschauer waren überrascht. Zwischen Werbung für Autos, Parfüm, Waschmitteln und Baumärkten gab es einen Werbespot für - Arbeitsplätze bei der Deutschen Bahn. Das war Anfang Dezember kurz vor der Tagesschau zur besten und teuersten Sendezeit im deutschen Fernsehen. Die Deutsche Bahn ist damit das zweite Unternehmen, das sich als guter Arbeitgeber einem großen Publikum andient. Die Deutsche Telekom hatte es vorgemacht, allerdings im Kino. Der Werbespot im Deutschen Fernsehen, der wahrscheinlich im kommenden Jahr an verschiedenen Sendeplätzen wiederholt wird, ist Teil einer im November 2012 gestarteten neuen Personalkampagne der Deutschen Bahn.

„Wir müssen als Arbeitgeber attraktiver werden“, ist die Erkenntnis der Bahn. Das Logistikunternehmen beschäftigt allein in Deutschland fast 200.000 Mitarbeiter und auf der ganzen Welt sogar 300.000 Menschen. In diesem Jahr hat die Bahn allein in den ersten neun Monaten 8.500 Mitarbeiter eingestellt. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs der Arbeitgeber um gut ausgebildete junge Menschen werde der Bedarf in den kommenden Jahren steigen, ist man sich bei der Bahn sicher. Daher müsse man alles tun, um zum einen die Menschen zu halten, die bei der Bahn und ihren Tochtergesellschaften (Spedition Schenker) beschäftigt sind, und zum anderen noch attraktiver für neue Mitarbeiter werden.

Vielfältiges Stellenangebot

Dieser Einsicht folgte im Oktober diesen Jahres ein sogenannter Medien-Workshop. Daraus ging hervor, dass viele Menschen gar nicht wissen, wie vielfältig das Stellenangebot der Bahn ist, das weit über den Zugführer und den Schaffner hinausgeht. Die Bahn beschäftigt IT-Experten, Kaufleute, Immobilienexperten, Ingenieure für Brücken- und Tunnelbau ebenso wie solche für Elektrotechnik. Es geht auch nicht nur um akademisch ausgebildete Ingenieure. Es geht nach den Worten von Unternehmenssprecherin Dagmar Kaiser um die gesamte Bandbreite des Nachwuchses vom Auszubildenden bis hin zum Ingenieur. Um die Botschaft als guter Arbeitgeber unter die Menschheit zu bringen, wirbt die Bahn im Fernsehen, aber auch in Zeitungen, im Kino und im Internet.

Der Attraktivität dient auch der Demographie-Tarifvertrag, den die Bahn am 6. Dezember mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) geschlossen hat. Dort geht es vor allem darum, die Beschäftigungsbedingungen individueller und flexibler zu gestalten. Im Rahmen des sogenannten Lebensphasenmodells soll die berufliche Entwicklung eines Beschäftigten mit seinem Privatleben besser in Einklang gebracht werden. Dazu gehört, dass man Schichtdienste an die persönlichen Bedürfnisse anpasst, also einen Mitarbeiter mit kleinen Kindern möglichst wenig Nachtschichten arbeiten lässt. „Mit rund 100 Arbeitszeit-Projekten, in denen Mitarbeiter mit ihren Führungskräften und Betriebsräten Einsatzpläne entwickeln, hat die Bahn erste gute Erfahrungen gemacht“, sagt Personalvorstand Ulrich Weber.

Zu der neuen Personalpolitik gehört auch, dass allen Auszubildenden, die ihre Berufsausbildung mit einer Prüfung erfolgreich abschließen, ein Übernahmeangebot in ein Dauerarbeitsverhältnis gemacht wird. Teil der Personalkampagne ist nicht nur die Gewinnung neuer Mitarbeiter, sondern auch die Bindung der Beschäftigten an ihr Unternehmen. Ein zentraler Punkt ist eine derzeit laufende Befragung der global 300000 Beschäftigten zur Zufriedenheit mit ihrer Arbeit und ihrem Arbeitgeber. Die Ergebnisse werden im Januar vorliegen, heißt es in der Bahnzentrale.

Die Bemühungen zur Mitarbeiterwerbung gehen weit über Deutschlands Grenzen hinaus. „Die Beschäftigung von Mitarbeitern aus dem Ausland ist für die Deutsche Bahn als international agierender Konzern selbstverständlich“, sagt Kaiser. Bei der aktiven Rekrutierung aus europäischen Ländern gehe es allerdings im Konzern der Deutschen Bahn derzeit um erste Schritte. Beispielsweise darum, auf den Bewerbermärkten in Ländern wie Spanien und Griechenland präsent zu sein. Dafür arbeiten die Bahn mit der Bundesagentur für Arbeit, dem Eures (European Employment-Services) und den Career-Centern der Hochschulen vor Ort zusammen und führen erste Gespräche. Zielgruppe seien hier Bauingenieure, Ingenieure mit Schwerpunkt Maschinenbau und Elektrotechniker. Erste Bewerbergespräche mit spanischen Ingenieuren haben stattgefunden.

Die Zahl der offenen Stellen nimmt zu

Es gibt bei der Deutschen Bahn darüber hinaus erste Überlegungen, die Einführung der Dualen Ausbildung im europäischen Ausland zu unterstützen. Hier prüft die Bahn insbesondere mit der Tochtergesellschaft Schenker Rail die Möglichkeit, im Ausland den Aufbau von Ausbildungswerkstätten nach deutschem Standard zu unterstützen. Im Fokus steht auch hier zurzeit Spanien.

Fast alle Unternehmen machen sich derzeit Gedanken, wie sie sich angesichts des zunehmenden Wettbewerbs um weniger Bewerber am Arbeitsmarkt positionieren. Für Stellensuchende eine ideale Zeit. Zwar gibt es auch heute noch Situationen, wo sich 200 Bewerber auf 10 Stellen als Trainee bewerben - so geschehen bei der Deutschen Leasing AG, Eschborn bei Frankfurt. Aber mittel- und langfristig nimmt die Zahl der Bewerber ab und die der offenen Stellen zu.

Auch im laufenden Jahr ist trotz Verlangsamung des Wachstums der Aufbau neuer Stellen immer noch größer gewesen als der teilweise spektakuläre (Schlecker, Neckermann) Stellenabbau, wie die Auswertung aller öffentlich bekanntgegebenen Stellenveränderungen von mehr als 100 Personen durch die Frankfurter Allgemeine Zeitung zeigt. Auch ein Wachstum von weniger als einem Prozent führt derzeit zu neuen Stellen. Mit 96000 angekündigten Einstellungen gegenüber knapp 83000 Stellenstreichungen nimmt die Zahl sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze noch immer zu, wenn auch der Abstand zwischen den geschaffenen und den gestrichenen Stellen kleiner geworden ist.

Großen Fachkräftemangel spürt die Pflegebranche. „Schon jetzt fehlen in Deutschland mehr als 30.000 Pflegefachkräfte“, beklagt der gemeinnützige Betreiber von Altenwohnstiften KWA Kuratorium Wohnen im Alter, München. Als Lösung schlägt das KWA mehrere parallele Schritte vor, weil es die eine Lösung nicht gebe. Man müsse junge Menschen für die Altenpflege begeistern und die Arbeitsbedingungen so ändern, dass die Menschen länger im Berufsleben bleiben können. Das reiche aber nicht. „Wir wissen, dass wir ohne Mitarbeiter aus anderen Ländern nicht auskommen werden“, ist der KWA-Vorstand überzeugt.

Dass viele Arbeitgeber mehr tun, um ihre Mitarbeiter zu halten, zeigt auch der Arbeitsklimaindex. „Die Arbeitszufriedenheit zeigt sich nicht nur als stabil, sie steigt sogar“, stellt die Job AG überrascht fest, die regelmäßig den Arbeitsklimaindex veröffentlicht. Auf einer Skala von 1 (Arbeitsklima sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) ist der Index im letzten Quartal dieses Jahres von 7,4 auf 7,7 Punkte gestiegen.

Die Faktoren, die den Beschäftigten wichtig sind und für Zufriedenheit am Arbeitsplatz sorgen, seien dabei die gleichen geblieben, heißt es: An der Spitze liegt nach wie vor das Arbeitsklima, gefolgt von den Aufgaben und dem Gehalt sowie auf Position vier die Sicherheit des Arbeitsplatzes. Während das Arbeitsklima einen Prozentpunkt (nun 53 Prozent der Nennungen) verloren hat, ist die Sicherheit des Arbeitsplatzes von 27 auf 30 Prozent der Nennungen gestiegen.

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Jahrgang 1955, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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