11.02.2005 · Es bleibt die kurzzeitige Überinterpretation freundlicher Äußerungen des Chefvolkswirts der Deutschen Bank. Man könne andere Methoden als den Stellenabbau suchen, um Arbeitskosten zu senken. Könne. Doch jetzt wird die Bank dazu noch einmal offiziell - und eindeutig.
Allzu groß sollte die Überraschung nicht sein: Die Deutsche Bank hält unverändert an ihren Plänen zum Abbau von weltweit 6400 Stellen fest. In den geplanten Gesprächen mit dem Gesamtbetriebsrat über die Kürzungspläne steht nach Angaben eines Bank-Sprechers auch die Zahl von 1920 zu streichenden Stellen im Inland nicht zur Disposition.
Über den Zeitpunkt und die Teilnehmer an den Gesprächen wurden keine Angaben gemacht. Der Gesamtbetriebsrat hatte am Donnerstag die Rücknahme des Stellenabbaus gefordert. Konkrete Verhandlungen sollen erst dann aufgenommen werden, wenn zuvor ein Spitzengespräch mit Vorstandssprecher Josef Ackermann und Personalvorstand Tessen von Heydebreck zu Stande kommt. „Wir gehen davon aus, daß der Termin stattfindet“, sagte eine Sprecherin des Gesamtbetriebsrats. „Die Arbeitnehmerseite wäre sehr enttäuscht, wenn Ackermann nicht dabei wäre.“
„Die Position der Deutschen Bank bleibt unverändert. Wie im Dezember angekündigt, plant die Bank, die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland um 1920 zu verringern", sagte der Sprecher am Freitag in Frankfurt. Mit den Betriebsräten sollten allerdings einvernehmliche Lösungen gefunden werden, um den Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich zu gestalten. Der Sprecher trat damit Erwartungen entgegen, wonach die Deutsche Bank bereit sei, noch einmal über die Höhe des Stellenabbaus zu beraten.
Könne und wäre
Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, hatte am Donnerstag - bei wohlwollender Interpretation - Gesprächsbereitschaft signalisiert. Er könne sich vorstellen, „daß es sich lohnt, darüber nochmal nachzudenken“, sagte Walter im ZDF. Könne.
Das vollständige Zitat entlarvt aber, daß Walter nicht vom Renditeziel der Bank abgewichen war. „Wenn wir eine andere Methode gemeinsam mit dem Betriebsrat und den Gewerkschaften finden können, die Arbeitskosten zu senken und so wettbewerbsfähig zu werden, wie wir werden wollen, und die Menschen behalten können und ihre Motivation, dann wäre uns das sicherlich lieber“, sagte der Chefvolkswirt der größten deutschen Privatbank weiter. Wäre. Aus dem Umfeld der Bank hieß es am Freitag, Walter habe sich sehr vorsichtig geäußert und sei daher möglicherweise nicht richtig verstanden worden.
„Ein wirklich unglücklicher Zeitrahmen“
So ist es. Denn Grundsätzlich verteidigte Walter auch in der zitierten Fernsehsendung „Berlin Mitte“ die Entscheidung: Es sei Pflicht eines Unternehmens, „sein Haus auch für rauhes Wetter in Ordnung zu halten“. Ziel sei die langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen am Markt. Der Chef-Volkswirt räumte lediglich ein, daß die Bank Fehler bei der Kommunikation gemacht habe. Es sei „ein wirklich unglücklicher Zeitrahmen“ gewesen, einen Tag nach Bekanntgabe der Januar-Arbeitslosenzahlen am 3. Februar eine Pressekonferenz zu machen. Er hätte „dem Vorstand im Wege stehen sollen“, denn „ich hätte wissen müssen, daß die Arbeitslosigkeit dann rauskommt. Ich entschuldige mich“, sagte er.
Betriebsrat will nicht verhandeln
Der Betriebsrat der Deutschen Bank hat den sofortigen Beginn von Verhandlungen zum geplanten Personalabbau abgelehnt. Statt dessen habe man Ackermann abermals aufgefordert, von den Personalplänen Abstand zu nehmen. Die Arbeitnehmervertretung schlägt einen Qualifizierungs- und Beschäftigungspakt zur Stärkung des Standortes Deutschand vor. Ferner verwiest das Gremium auf ein Schreiben vom November vergangenen Jahres, in dem die Kürzungspläne bereits kritisiert worden waren.
Zugleich wandte sich der Betriebsrat auch gegen die von politischer Seite geäußerten Boykottaufrufe. Diese seien nicht hilfreich und gefährdeten Arbeitsplätze. Nicht nur die Deutsche Bank, sondern auch der Wirtschaftsstandort Deutschland werde dadurch geschwächt, beklagte die Arbeitnehmervertretung.
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hat die Renditeorientierung im Finanzsektor kritisiert. „Der Wettlauf um die Eigenkapitalrendite muß ein Ende haben, weil der Finanzmarkt sonst sich selber genügt“, sagte Eichel im ZDF. Natürlich sollten auch die Eigentümer mit einem Unternehmen zufrieden sein. In den Finanzmärkten gebe es aber eine Tendenz, die Renditeorientierung zu übertreiben.
Ackermann: E-Mail an die Mitarbeiter
Ackermann hatte am Donnerstag in einem Brief an die Mitarbeiter die massive öffentliche Kritik am Arbeitsplatzabbau zurückgewiesen und die Notwendigkeit des Stellenabbaus in der angekündigten Höhe bekräftigt. Im Gegenzug forderte der Betriebsrat die Verantwortlichen des größten deutschen Kreditinstituts auf, das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent nicht zum Dogma zu machen. Ackermann hält die 25 Prozent-Marke für notwendig, damit die Deutsche Bank international wettbewerbsfähig bleiben kann und will deshalb mit dem Stellenabbau nochmals 1,1 Milliarden Euro sparen. Die Deutsche Bank hatte 2004 mit gut 2,5 Milliarden Euro Konzerngewinn das beste Ergebnis seit dem Jahr 2000 erzielt. Seit Amtsantritt Ackermanns vor knapp drei Jahren hat der Bankkonzern bereits rund 20.000 von damals noch 85.000 Vollzeit-Arbeitsplätzen gestrichen.
| Name | Kurs | Prozent |
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