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Start-up-Hauptstadt : Warum Gründer Berlin lieben

Hier lässt es sich gut gründen: Berlin - bei Sonnenaufgang Bild: dpa

Deutsche Start-ups bekommen 2015 so viel Risikokapital wie nie. Im Städtevergleich läuft Berlin sogar London erstmals klar den Rang ab. Dennoch bleibt die Finanzierung die Hauptsorge von Gründern in Deutschland.

          Berlin wird seinem Ruf als Start-up-Hauptstadt wieder einmal gerecht: Im ersten Halbjahr 2015 wurde hier so viel Risikokapital in junge Unternehmen investiert wie in keiner anderen Stadt – insgesamt 1,4 Milliarden Euro. Damit läuft Berlin auch London erstmals klar den Rang ab; in der britischen Hauptstadt wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres knapp 1,1 Milliarden Euro investiert, wie die Ergebnisse des Start-up-Barometers der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) zeigen. EY hat dafür die Gründer von 181 deutschen Start-ups befragt und die Risikokapitalinvestitionen in Europa analysiert.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Auch 2014 hatte Berlin schon leicht vor London gelegen, nun hat sich der Abstand jedoch deutlich vergrößert. Und auch bei der Anzahl der Finanzierungsrunden sind beide Städte inzwischen gleichauf: 81 Investitionsrunden in Berlin stehen im ersten Halbjahr 82 in London gegenüber. Hier lag London 2014 noch klar vorne.

          Nur jede dritte mit deutschen Rahmenbedingungenzufrieden

          Auch dank der wachsenden Investitionen in Berlin wird die Risikokapitalfinanzierung in Deutschland 2015 insgesamt ein Rekordniveau erreichen. Denn schon jetzt haben die Investitionen in junge Unternehmen die Summe des Gesamtjahres 2014 überschritten; im Vergleich zu 2013 ist bereits dreimal soviel Geld geflossen. „Die Risikobereitschaft der nationalen und insbesondere der internationalen Investoren ist so groß wie lange nicht mehr“, sagt Peter Lennartz, Partner bei EY. „Sie sind auf der Suche nach renditeträchtigen Anlagemöglichkeiten.“ Neben Berlin sind auch Hamburg und München unter den besten Standorten für Start-ups vertreten, sie schaffen es im europäischen Vergleich auf Platz fünf und sechs.

          Doch auch wenn die Investitionen insgesamt steigen, bleibt die Finanzierung die größte Sorge der Gründer – insbesondere wenn sie sich noch in einer frühen Phase befinden und Mittel für weiteres Wachstum benötigen. Drei von vier Jungunternehmern fordern dementsprechend einen vereinfachten Zugang zu Krediten. Auch aus der Politik gibt es immer wieder Forderungen nach besseren Finanzierungsbedingungen für Start-ups.

          So haben etwa kürzlich auf einer Digitalkonferenz in Berlin Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und EU-Digitalkommissar Günther Oettinger die Dax-Unternehmen aufgefordert, sich stärker an der Wachstumsfinanzierung von Jungunternehmen zu beteiligen, damit diese schnell ins Ausland expandieren können. Ohnehin hat sich die große Koalition auf die Agenda geschrieben, das Umfeld für Start-ups zu verbessern; der Branchenverband Bitkom bemängelt jedoch, dass davon bislang wenig umgesetzt wurde.

          Mehr Sorgen als noch im Vorjahr machen den Start-ups zudem die rechtlichen (33 Prozent) und politischen (22 Prozent) Rahmenbedingungen. Nur ein Drittel der Gründer hält die Rahmenbedingungen für junge Unternehmen in Deutschland insgesamt für gut. Der Anteil der Bewertungen mit „gut“ oder „befriedigend“ ging von 74 auf 67 Prozent zurück. Die besten Noten unter allen Bundesländern erhält dabei – klar – Berlin.

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