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Start in die Weihnachtssaison : Schlange stehen am „Black Friday“

Andrang beim Kaufhaus Macy’s in New York Bild: REUTERS

Obwohl die Amerikaner einen immer höheren Anteil ihrer Weihnachtseinkäufe online ordern, markiert der Tag nach „Thanksgiving“ den Startschuss für das Weihnachtsgeschäft. Viele Händler öffneten ihre Läden mitten in der Nacht, vor dem Kaufhaus Macy’s bildeten sich Schlangen.

          Die Amerikaner haben sich auch in diesem Jahr das Einkaufsritual zum Start des Weihnachtsgeschäfts nicht nehmen lassen und am sogenannten „Black Friday“ die Läden gestürmt. Obwohl Amerikaner einen immer höheren Anteil ihrer Weihnachtseinkäufe online erledigen, berichteten viele Geschäfte von einem noch größeren Andrang von Kunden als in den vergangenen  Jahren.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Für den amerikanischen Einzelhandel markiert der vierte Freitag im November, der Tag nach dem „Thanksgiving“-Fest, den inoffiziellen Startschuss für das Weihnachtsgeschäft. Händler locken am „Black Friday“ mit besonders aggressiven Kampfpreisen, der Tag ist berüchtigt für lange Schlangen vor den Geschäften und  chaotische Szenen mit Kunden, die sich um die Sonderangebote reißen. Viele Händler haben die Öffnungszeiten an diesem Tag in den vergangenen Jahren immer weiter nach vorne gezogen und ihre Läden zum Teil mitten in der Nacht aufgemacht. In diesem Jahr ließen einige der großen Handelsketten den „Black  Friday“ sogar schon am Donnerstag beginnen: Wal-Mart ,Target und der Spielehändler Toys R Us machten ihre Läden am Thanksgiving-Abend auf. Damit  wollen sie unter anderem die Konkurrenz von Online-Händlern wie Amazon kontern, die verstärkt ebenfalls schon vor dem Freitag mit radikalen Preisnachlässen  werben.

          Vor dem Toys R Us-Geschäft am New Yorker Times Square stellten sich die Menschen schon Stunden vor der Eröffnung um acht Uhr abends in die Schlange. Das Riesenkaufhaus Macy’s meldete, dass 11.000 Menschen warteten, als um Mitternacht die Türen aufgemacht wurden. Wal-Mart zog am Freitag morgen eine zufriedene Zwischenbilanz: Die Menschenmengen in den amerikanischen Geschäften seien größer gewesen als im vergangenen Jahr. Seit der Eröffnung der Läden am Donnerstag abend um acht Uhr seien unter anderem 1,3 Millionen Fernseher, 1,3  Millionen Puppen und 250.000 Fahrräder verkauft worden. Das Marktforschungsinstitut Shoppertrak schätzte am Wochenende, dass die  Kundenzahlen in den amerikanischen Geschäften am Freitag um 3,5 Prozent höher  waren als im Vorjahr. Der Umsatz sei allerdings um 1,8 Prozent auf 11,2  Milliarden Dollar gefallen. Die Marktforscher mutmaßten, die vorgezogenen Öffnungszeiten am Donnerstag hätten Umsätze vom „Black Friday“ abgezogen.

          Der „Black Friday“ hat seinen Namen von der Branchenregel, wonach an diesem Tag  Einzelhändler die Gewinnschwelle für das Jahr überschreiten und schwarze Zahlen  schreiben. Ein großer Kundenandrang an diesem Tag ist zwar ein ermutigendes Signal für den amerikanischen Einzelhandel, aber noch kein zuverlässiger Gradmesser, wie das gesamte Weihnachtsgeschäft am Ende ausfallen wird. In vergangenen Jahren gelang zwar oft ein glänzender Start, dafür hielten sich die Verbraucher in den Wochen danach umso stärker zurück. Die Vorzeichen für das diesjährige Weihnachtsgeschäft sind nicht eindeutig:  Zwar sind Konsumindikatoren wie der Index für Verbrauchervertrauen trotz  fortdauernd hoher Arbeitslosigkeit recht robust, und manche Bereiche wie die Autoindustrie können sich über mangelnde Nachfrage der Amerikaner nicht beklagen. Andererseits haben einige Einzelhändler zuletzt enttäuschende Quartalsergebnisse vorgelegt, darunter auch Wal-Mart. „Die derzeitigen  makroökonomischen Bedingungen setzen unsere Kunden weiter unser Druck“, sagte  Wal-Mart-Finanzvorstand Charles Holley bei der Vorlage der Zahlen. Der Einzelhandelsverband National Retail Federation rechnet damit, dass die Amerikaner im diesjährigen Weihnachtsgeschäft 586 Milliarden Dollar ausgeben  und damit 4,1 Prozent mehr als 2011. Im vergangenen Jahr hatte die Branche eine Steigerung von 5,6 Prozent geschafft.

          Deutlich überproportional dürfte sich weiterhin der Online-Handel entwickeln. Das Marktforschungsinstitut Forrester Research erwartet, dass der Online-Umsatz im November und Dezember im Vergleich zu 2011 um 15 Prozent auf 68,4 Milliarden Dollar zulegen wird. Die Branche hat in den vergangenen Jahren den Montag nach dem „Black Friday“ als Tag für den Online-Einkauf positioniert und dafür den Begriff „Cyber  Monday“ geprägt. Dieser Montag war nach Angaben des Marktforschungsinstituts  Comscore 2010 und 2011 der umsatzstärkste Tag des Jahres im amerikanischen Online-Handel. Das rege Geschäft am „Cyber Monday“ wird oft damit begründet, dass Amerikaner nach einem langen Feiertagswochenende am Montag wieder ins Büro zurückkehren und von ihren dortigen Computern aus einkaufen. Allerdings werben Online-Händler zunehmend schon in den Tagen vorher mit Sonderaktionen, und dabei haben auch stationäre Händler wie Wal-Mart zum Teil im Internet die gleichen Angebote wie in ihren Läden. Der Technologiekonzern IBM, der Einzelhandelsdaten erhebt, meldete, dass die Online-Umsätze am Donnerstag um fast 18 Prozent und am Freitag um mehr als 20 Prozent über dem Vorjahreswert  lagen.

          Quelle: FAZ.NET

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