Home
http://www.faz.net/-gqi-xuxh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Start am Samstag Jeder Geldautomat zeigt nun die Gebühr an

13.01.2011 ·  Wer bisher bei einer fremden Bank Geld abhebt, muss mit hohen Gebühren rechnen. Künftig muss das Automatendisplay anzeigen, welche Kosten entstehen. Und die Gebühren sinken: Im besten Fall zahlt man nun nur noch 1,95 Euro pro Transaktion.

Von Dyrk Scherff
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Jedem ist es sicher schon einmal passiert: Man brauchte schnell Geld, und kein Automat der eigenen Bank war verfügbar. Also ging man zum nächstbesten Gerät. Die böse Überraschung kam dann später auf dem Kontoauszug. Gebühren von bis zu 10 Euro für einmal Abheben waren keine Seltenheit.

Damit ist nun Schluss. Vom diesem Samstag an gilt beim Abheben mit der landläufig „EC-Karte“ genannten Maestro-Karte im Inland ein neues Verfahren, das die Gebühren stark reduziert. Das Kartellamt hatte die hohen Gebühren als Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung angesehen. Gerade die Sparkassen sind mit ihrem weitverzweigten Automatennetz außerhalb der Städte manchmal der einzige Anbieter. Bei Abhebungen mit der Kreditkarte ändert sich nichts.

Künftig muss der Geldautomat auf dem Display anzeigen, was das Abheben kostet. Damit weiß der Betroffene vorher, was ihn die Transaktion kostet. Falls sie ihm zu teuer ist, kann er notfalls abbrechen. Unangenehme Überraschungen auf dem Kontoauszug kann es dann nicht mehr geben. Bis Ende Juni reicht auch ein Aufkleber am Automat. Das will unter den großen Instituten aber nur die Commerzbank in Anspruch nehmen. Bisher waren Gebührenauskünfte freiwillig und nicht immer am Automaten zu finden.

Sparkassen profitierten am meisten von hohen Gebühren

Die neuen Gebühren sind deutlich niedriger als die alten und unabhängig vom abgehobenen Betrag. Aber sie sind sehr unterschiedlich, weil das Kartellamt keine einheitliche Höchstgebühr genehmigt hat. Zwischenzeitlich waren fünf Euro geplant, aber auf diese Schwelle konnten sich die Banken nicht einigen.

Jetzt sind die privaten Banken die billigsten. Das ergab eine Umfrage der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und des Portals biallo.de unter führenden Banken und Sparkassen. Die Privaten haben sich intern auf eine Maximalgebühr von 1,95 Euro je Abhebung geeinigt. Darunter geht aber auch kein Institut. Gegenüber den durchschnittlich 5,64 Euro, die derzeit in der gesamten Finanzbranche von den Kunden verlangt werden, ist das ein kräftiger Preisrutsch. Die 1,95 Euro entsprechen in etwa den 4 D-Mark, auf die sich die Finanzbranche bis Ende der neunziger Jahre als Maximalgebühr geeinigt hatte.

Dann kündigten die Sparkassen die Vereinbarung. Sie profitieren am meisten von hohen Gebühren, weil sie das größte Automatennetz haben. Kunden von Deutscher Bank, Commerzbank und den Direktbanken müssen daher vor allem bei ihnen abheben. Die Sparkassen-Kunden selbst finden hingegen fast immer einen Automaten der Sparkassen-Gruppe in ihrer Nähe. Für sie sind die Geräte kostenlos. Daher sind die Sparkassen auch künftig besonders teuer, wenn dort fremde Kunden Geld abheben.

Die Kosten werden direkt vom Konto abgebucht

Kostenlos sind auch weiter Abhebungen innerhalb des genossenschaftlichen Bankensektors, also bei Kunden der Volks- und Raiffeisen- oder Spardabanken. Auch Kunden der großen Privatbanken wie Deutsche und Commerzbank dürfen kostenlos die Automaten der anderen nutzen (Cash Group), das gilt ebenfalls unter den kleinen Privatinstituten wie SEB, Santander oder Targobank (Cash Pool).

Gebühren werden also nur fällig, wenn der Kunde eines Finanzverbundes am Automaten eines anderen Verbundes abhebt. Die Kosten werden ihm direkt von seinem Konto abgebucht. Bisher berechneten die Banken untereinander manchmal mehr als 20 Euro. Diese Gebühr wurde von der Bank aber nicht immer voll an den Kunden weitergegeben.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Jüngste Beiträge

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 25 39

30.05.2012 16:06 Uhr
  Vortag
Dax 6.301,04 −1,50%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.372,91 −1,52%
Dow Jones 12.448,50 −1,05%
EUR/USD 1,2417 −0,57%
Rohöl Brent Crude 104,03 $ −2,64%
Gold 1.579,50 $ 0,00%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.