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Standort-Puzzle Die Achillesferse von Airbus

20.02.2007 ·  Noch vor Kurzem galt die dezentrale Fertigung beim europäischen Flugzeugbauer Airbus als heilige Kuh, die nicht angetastet werden durfte. Das war von der Politik gewollt. Doch jetzt gilt eine Neuordnung als bitter nötig.

Von Hans-Christoph Noack
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Das Standort-Puzzle der Airbus-Fertigung ist ein politisch gewolltes. Für die staatlichen Finanzhilfen haben alle Regierungen von Anfang der Airbus-Gründung an darauf gedrungen, dass Fertigungen in ihren Staaten stattfinden. Noch vor zwei Jahren, als Noël Forgeard, einer der beiden gleichberechtigten Vorstandsvorsitzenden der EADS, den Ton in Toulouse angab, galt die Frage nach der Sinnhaftigkeit der dezentralen Fertigung als eine Majestätsbeleidigung. Seit der abermaligen Verschiebung des Prestigeobjekts A380 im vergangenen Jahr gilt die Neuordnung und die Straffung der Produktionsstandorte als der Kern der Wiedergesundung von Airbus, für die das Programm „Power 8“ als Chiffre steht. Seit der Gründung von Airbus 1970 bauen Franzosen, Deutsche, Briten und Spanier die verschiedenen Modelle. Kein einziges Flugzeug wird gänzlich in einem der beteiligten Länder gefertigt.

Am besten lässt sich die komplizierte Arbeitsteilung am Großraumflugzeug A380 beschreiben. Airbus hat mehr als 200 umfassende Verträge mit rund 120 verschiedenen Zulieferern und Industriepartnern für Arbeiten an dem A380 abgeschlossen. Diese Zulieferer und Partner haben an der Entwicklung und Einführung innovativer Technologien, Arbeitsverfahren und Konstruktionslösungen mitgearbeitet, um das A380-Programm sicherzustellen.

Endmontage in Toulouse

Unter den Zulieferern sind viele Hersteller aus Europa, den Vereinigten Staaten, Japan und China. Neben den 120 Partnern greift Airbus auf die Fähigkeiten von 16 Standorten in Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien zurück. Jeder Standort fertigt vollständige Flugzeugsektionen, die anschließend zur Endmontage nach Toulouse oder Hamburg transportiert werden.

Aus Broughton (Großbritannien) kommen die Flügel. Rumpfsektionen sowie die Bugsektion kommen aus Hamburg-Finkenwerder, die Cockpitsektion und die Rumpfmittelsektion aus Saint-Nazaire (Frankreich), das Seitenleitwerk aus Stade, das Höhenleitwerk aus Getafe (Spanien) und die Flugsteuerung aus Toulouse (Frankreich). In Bremen und Nordenham werden unter anderem Bauteile der Außenhaut gefertigt. Diese Komponenten werden per Schiff und Lastwagen oder Transportflugzeug aus den Standorten nach Toulouse gebracht. Eine Schlüsselrolle der Airbus-Produktion spielt Saint-Nazaire an der Mündung der Loire. Dorthin werden die Bauteile für das Rumpfmittelteil transportiert, die aus Frankreich, Italien, Belgien und Deutschland geliefert wurden.

Zum Mittelteil gehören auch der Flügelkasten und die Schächte für das Fahrwerk. Aber erst in Toulouse wird dann die etwa siebzig Meter lange Röhre vollendet. Hinzu kommen die Triebwerke, die nicht von Airbus selbst produziert werden. Die Endfertigung dieser Komponenten erfolgt in Toulouse. Von den etwa 51.000 Mitarbeitern sind 3920 Beschäftigte am Hauptsitz, 15.950 für Airbus Frankreich, 18.800 für Airbus Deutschland, 9290 für Airbus Großbritannien und 2850 für Airbus Spanien tätig.

Deutsche Standorte auf dem Prüfstand

Neben den beiden deutschen Standorten Varel und Nordenham sollen Nantes, Méaulte und Saint-Nazaire auf dem Prüfstand stehen. Aber selbst wenn die 1300 Mitarbeiter in Varel und die 2200 Kollegen in Nordenham im Konzern verbleiben, ist ihre Zukunft nicht sicher. Schon das nächste Modell will Airbus vor allem aus Kohlenstofffaser-Verbundstoffen (CFK) herstellen. Während nach internen Berechnungen in jedem A380 rund 60 Prozent Aluminium und 22 Prozent CFK stecken, soll der CFK-Anteil beim neuen Langstreckenflugzeug A350 auf 52 Prozent wachsen.

An den auf Metall spezialisierten Standorten Nordenham und Varel könnte die Produktion, die 2012 beginnen soll, vorbeigehen. Die Bewerbung aus Varel, sich an der CFK-Produktion zu beteiligen, habe Toulouse im vergangenen Jahr abgelehnt, ist zu hören. Konzentriert würde dann vielleicht die CFK-Fertigung in Stade. Dort arbeiten bereits 50 Unternehmen daran, die mit Kohlenstofffasern verstärkten Kunststoffe in Serie zu produzieren.

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