18.04.2007 · Unterschiedliche technische Standards behindern den Welthandel. Deshalb werden nationale Regeln zunehmend durch internationale Normen ersetzt. Amerika sperrt sich am stärksten gegen gemeinsame Regeln.
Deutsche Unternehmen haben es auf dem amerikanischen Markt noch immer schwer, weil dort häufig nach anderen Normen gearbeitet wird als im Rest der Welt. Am augenfälligsten sind die nichtmetrischen Maße wie Inches oder Meilen. "Die unterschiedlichen technischen Standards erzeugen unnötige Transaktionskosten", nennt Torsten Bahke, Direktor des DIN Deutsches Institut für Normung, auf der Hannover Messe die Folgen. Und damit erschweren sie den transatlantischen Handel. Daher begrüßt es das DIN, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel im transatlantischen Dialog auch die Streichung solcher nichttarifären Handelshemmnisse einfordern will.
"Das Beispiel Vereinigte Staaten zeigt, dass es ohne gemeinsame Normen keinen Markt gibt", sagte Bahke. Das habe auch Japan verstanden, das bis vor zehn Jahren auf nationalen Normen bestanden habe. Als man aber gemerkt habe, dass diese Normen international nicht kompatibel seien, habe man zunehmend internationale Normen eingeführt und die nationalen Normen gestrichen.
Normen können Handelshemmnisse abbauen
Ein großes Aufgabenfeld komme auf die Normung im Bereich des Klimaschutzes und der Energietechnik zu. Dabei geht es nach Bahkes Worten einerseits darum, dass man gemeinsame Mess- und Leistungsnormen definiert, um überhaupt über Energieeffizienz sprechen zu können. Erst Normen stellten sicher, dass alle Partner das Gleiche messen. Das fange bei der Messung der Energieaufnahme von Kühlschränken oder Kaffeemaschinen an und reiche bis zur Messung von Treibhausgasemissionen durch industrielle Prozesse. Zum zweiten spielen Normen eine große Rolle bei der Etablierung energieeffizienter Anlagen und neuer Umwelttechniken. Bei den Windanlagen sei mit der zunehmenden Globalisiserung dieses Geschäfts auch die Normung in Schwung gekommen. Ähnliches gelte für die Solaranlagen.
Diese für den Welthandel wichtige Funktion der Normen hat auch die Politik erkannt. "Normen tragen nicht nur dazu bei, weltweite Handelshemmnisse abzubauen. Sie sind auch ein wichtiges Instrument, um innovative Ideen in marktfähige Produkte umzusetzen. Normen werden zum Transmissionsriemen zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und industrieller Verwertung. Wir unterstützen deshalb das Deutsche Institut für Normung darin, neue Schlüsseltechnologien systematisch zu untersuchen", hatte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos erst kürzlich auf der Internationalen Normungskonferenz in Berlin gesagt. Diese Erkenntnis des Ministers hat sich für das DIN auch ausgezahlt: Zum ersten Mal seit Jahren ist im Jahr 2006 die Summe der Projektmittel, die die öffentliche Hand zur Verfügung stellt, gestiegen. Das von Glos geführte Wirtschaftsministerium stellte für das Sonderprojekt "Innovation mit Normen und Standards" im vergangenen Jahr 1,3 Millionen Euro und im laufenden Jahr 2,1 Millionen Euro zur Verfügung. Dafür bearbeitet das Institut 28 Projekte aus der Nanotechnologie, der Luft- und Raumfahrt, der Verkehrstechnologie und der Medizintechnik, aber auch einen neuen Standard für Patente. Gerade der Standard von Patenten sei von Wirtschaftsprüfern und Beratern gefordert worden, um für die Bewertung in der Bilanz exaktere Vorgaben zu haben.
Amerika ist aktivster Normensetzer
Die Erarbeitung neuer Normen gehe immer von interessierten Wirtschaftskreisen aus, betont Bahke. Und auf das DIN - das Institut hat allein 2006 dem Bestand von zuvor 29 583 Normen weitere 500 hinzugefügt - kämen immer häufiger Wünsche von Anbietern oder Nutzern von Dienstleistungen zu, auch diese zu normieren. Dabei geht es um Normen für die Bonitätsprüfung, Markenwertmessung, psychologische Eignungstests, Reinigungsdienstleistungen sowie Bildungsdienstleistungen für Weiterbildung und Training.
Das DIN hat 1693 Mitglieder und verfügte im vergangenen Jahr über ein Budget von 60 (Vorjahr 57) Millionen Euro. Das Institut hat 397 Beschäftigte und arbeitet mit 26 000 Mitarbeitern aus der Wirtschaft zusammen. "Die deutsche Wirtschaft investiert rund 650 Millionen Euro im Jahr in die Entwicklung und Implementierung von Normen", sagte Bahke in Hannover. International sei Deutschland heute nach den Vereinigten Staaten einer der aktivsten Normensetzer. "Der Unterschied ist, dass wir mit Einführung einer internationalen Norm die nationale Norm zurückziehen, die Amerikaner aber immer noch ihre nationalen Normen parallel zu den internationalen Regeln bestehen lassen", begründet Bahke die Diskrepanz zwischen den internationalen Aktivitäten amerikanischer Normengeber und den Schwierigkeiten, die ausländische Anbieter noch immer in Amerika haben, weil dort weitgehend die nationalen Normen angewandt werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.372,91 | −1,52% |
| Dow Jones | 12.448,50 | −1,05% |
| EUR/USD | 1,2417 | −0,57% |
| Rohöl Brent Crude | 104,03 $ | −2,64% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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