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Standard Chartered Finanzaufsicht keilt gegen „verbrecherische Bank“

 ·  Das britische Kreditinstitut Standard Chartered galt bislang als eine der solidesten britischen Großbanken. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel schlägt nun der Vorwurf der New Yorker Finanzaufsicht ein, die Bank habe illegale Milliardengeschäfte mit Kunden in Iran gemacht.

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Zum zweiten Mal binnen weniger Wochen gerät eine britische Großbank in den Vereinigten Staaten in den Verdacht, im großen Stil kriminelle Geldwäsche betrieben zu haben. Der Aktienkurs der Bank Standard Chartered brach am Dienstag im Handelsverlauf in London um 24 Prozent auf 1118 Pence ein. Zuvor hatte die New Yorker Finanzaufsicht Standard Chartered vorgeworfen, zwischen 2001 und 2010 über ihre amerikanische Tochtergesellschaft rund 60.000 illegale Finanzgeschäfte mit Iran im Volumen von 250 Milliarden Dollar verschleiert zu haben. Die Bank habe daraus Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe erzielt.

Ein „verbrecherisches Institut“

Der Finanzkonzern soll mit den Geschäften amerikanische Wirtschaftssanktionen gegen den Iran unterlaufen haben. Standard Chartered sei eine „verbrecherische Bank“, heißt es in einer Mitteilung der Finanzbehörde. Dem Konzern droht nun der Entzug der Banklizenz in New York, dem führenden Finanzzentrum der Welt.

Erst im Juli war die Londoner Großbank HSBC ins Visier der amerikanischen Behörden geraten, weil sie über ihre New Yorker Sparte unter anderem mexikanische Drogengelder gewaschen haben soll. Angeblich geht es dabei um Milliardensummen.

Standard Chartered weist die Anschuldigungen in einer Stellungnahme als völlig überzogen zurück: „Mehr als 99,9 Prozent“ der Iran-Transaktionen seien gesetzeskonform abgewickelt worden. Das Volumen der unkorrekten Iran-Geschäfte belaufe sich auf weniger als 14 Millionen Dollar. Seit fünf Jahren würden keinerlei Geschäfte mehr mit iranischen Kunden abgewickelt. Nach Angaben von Standard Chartered begann die Untersuchung auf eigene Initiative: Die Bank habe im Januar 2010 die amerikanischen Behörden „aus freien Stücken“ informiert. Es werde überprüft, ob man gegen amerikanische Sanktionen verstoßen habe.

„Ihr verdammten Amerikaner“

Nach Darstellung der New Yorker Finanzbehörde soll dagegen die Londoner Zentrale jahrelang Warnhinweise der eigenen Mitarbeiter in Amerika ignoriert haben. „Ihr verdammten Amerikaner, wer seid ihr, dass ihr uns und dem Rest der Welt sagen wollt, wir sollen keine Geschäfte mit Iran machen“, wird ein Londoner Manager von Standard Chartered von den Finanzaufsehern zitiert. Die Bank habe Angaben zu Finanztransaktionen gefälscht, um zu verschleiern, dass es sich um Geschäfte mit iranischen Kunden handelte, so die Behörde weiter. Die kriminellen Aktivitäten hätten das Finanzsystem der Vereinigten Staaten „für Terroristen, Waffenhändler, Drogenbarone und korrupte Regime“ geöffnet. Ins Zwielicht gerät auch die Unternehmensberatung Deloitte & Touche, die Standard Chartered bei den illegalen Geschäften unterstützt und Belastungsmaterial gegenüber den Behörden verschwiegen haben soll.

Die Vorwürfe bringen den langjährigen Vorstandschef von Standard Chartered, Peter Sands, und andere Spitzenmanager der Bank unter Druck. Sands führt den Finanzkonzern seit Herbst 2006 und war zuvor vier Jahre lang Finanzvorstand. Standard Chartered galt bislang als eine der solidesten britischen Großbanken und kam weitgehend ohne Negativschlagzeilen durch die Finanzkrise der vergangenen Jahre. Noch bei der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen in der vergangenen Woche hatte Sands hervorgehoben, „Kultur und Werte“ seiner Bank seien ein Wettbewerbsvorteil von Standard Chartered. „Wir machen Geschäfte, die gesellschaftlichen und gesamtwirtschaftlichen Nutzen stiften“, sagte Sands. Der Konzern beschäftigt rund 87.000 Mitarbeiter in 70 Ländern. Rund 90 Prozent seiner Umsätze und Gewinne erwirtschaftet Standard Chartered in Asien, Afrika und dem Nahen Osten.

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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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