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Zukunft von Pharmakonzern : Stada-Vorstandschef rechnet mit Streithähnen ab

Was plant der Pharmakonzern Stada für die Zukunft? Bild: dpa

Claudio Albrecht will die turbulenten Zeiten hinter sich lassen und dem Pharmakonzern Stada zu mehr Wachstum verhelfen. Der finanzielle Spielraum dafür ist aber begrenzt.

          Es sei sehr viel passiert, was peinlich gewesen sei und nicht in der Öffentlichkeit hätte ausgetragen werden dürfen, sagt Claudio Albrecht, der Vorstandsvorsitzende des Pharmaunternehmens Stada. Seit Ende September vergangenen Jahres sitzt er nun auf dem Chefsessel des Pharma- und Generikaherstellers aus Bad Vilbel. Monatelang hatte er zuvor das Geschehen aus Beratersicht verfolgt, war er doch derjenige, der für die heutigen Mehrheitseigentümer Bain Capital und Cinven die Stada-Bücher geprüft hat, bevor die milliardenschwere Übernahme im zweiten Versuch glückte. Innerhalb weniger Monate hatten sich zudem bei Stada mit Hartmut Retzlaff, Matthias Wiedenfels und schließlich Engelbert Tjeenk Willink gleich drei Vorstandschefs die Klinke in die Hand gegeben.

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Es gab einen massiven Konflikt zwischen Aufsichtsrat und Management, der in der Form auch für mich neu war. Das widerspricht eigentlich allen Führungsprinzipien“, sagt Albrecht rückblickend im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung.  Es stünden aber noch viele Vorwürfe im Raum – sowohl gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden Carl Ferdinand Oetker als auch gegen das alte Management. Die gelte es jetzt aufzuarbeiten. Als er ins Unternehmen gekommen sei, habe er „einen unzähligen Datenwust verschiedener Kanzleien vorgefunden“. Vorstand und Aufsichtsrat hätten jeweils Kanzleien mandatiert.

          Keine Änderungen für das zweite Joint Venture Pymepharco

          Derzeit sei man mit Hilfe der dafür engagierten Kanzlei Latham Watkins mitten in der Aufarbeitung, um herauszufinden, „an welcher Stelle eine Partei einseitig gelenkt hat und was wirklich neutral richtig ist“. In den nächsten drei bis sechs Monaten – „eher drei als sechs“ – könne man dann alles „transparent auf den Tisch legen“. Jetzt sei es dafür noch zu früh. Sicher sei jedoch, es habe „keine schwerwiegenden Wirtschaftsdelikte wie Betrug oder Korruption“ gegeben.

          Für eines der drängendsten Probleme im Hause Stada, einen tiefgreifenden Streit mit dem Partner eines der beiden vietnamesischen Gemeinschaftsunternehmen, der Stada Vietnam, hat Albrecht derweil eine Lösung gefunden: Stada habe den eigenen Anteil veräußert. In den nächsten zwei Jahren werde man jedoch weiter zusammenarbeiten, sagte der 58 Jahre alte Manager aus Österreich. Der Ansatz des vorherigen Managements sei es gewesen, dass sich die Partnerschaft direkt aufgelöst hätte. „Es wäre ein Riesenfehler gewesen, das aufzubrechen und einfach zu vergessen. Also haben wir neu begonnen zu verhandeln und nun die Möglichkeit, in den nächsten zwei Jahren völlig unverändert in dem Joint Venture weiterzuarbeiten“, sagt er.

          Damit bestätigen sich Informationen der Frankfurter Allgemeine Zeitung, die schon vor Monaten über die Verkaufsverhandlungen berichtet hatte. Die Verträge mit dem Partner seien unterschrieben, Stada Vietnam werde bilanziell fortan nicht mehr als verbundenes Unternehmen behandelt. Für das zweite Joint Venture Pymepharco ergäben sich keine Änderungen.

          Claudio Albrecht
          Claudio Albrecht : Bild: Wolfgang Eilmes

          Ob der Stada-Aufsichtsrat in der Causa Vietnam nicht früher hätte einschreiten müssen, lässt Albrecht offen. Zwischen Vorstand und Kontrollgremium habe es schon einen funktionierenden Kommunikationsweg gegeben. „Nur – es waren gerade nicht die großen Experten am Werk“, gibt er zu bedenken. Der langjährige Aufsichtsratschef Martin Abend sei Anwalt gewesen, dessen Nachfolger Oetker „ist der Erbe eines Puddingunternehmens“, wie Albrecht lapidar formuliert. Er hingegen, als ehemaliger Chef der Pharmakonzerne Ratiopharm und Actavis, bringe immerhin „30 Jahre Generikaerfahrung mit“, er kenne das Geschäft, sowohl was Produkte als auch was Märkte angehe. Missmanagement und falsche Kommunikation werde es mit ihm und den neuen Eigentümern, die auch Erfahrung in der Pharmabranche hätten, nicht geben.

          Vietnam sei ein sehr wichtiger Markt – für Stada immerhin der achtgrößte, wie er sagt. 2016 erzielte man dort mit Generika und Markenprodukten einen Umsatz von rund 106 Millionen Euro. „Ziel ist es, in Vietnam in den nächsten zwei Jahren den Marktanteil zu halten, um dann im dritten Jahr kräftig zu wachsen“, kündigt Albrecht an. Vietnam habe viel Gesundheitstourismus aus Burma und Thailand, werde künftig noch eine größere Rolle spielen.

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