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Stada-Hauptversammlung : Aufsichtsrat teilt gegen ehemalige Konzernchefs aus

  • Aktualisiert am

Die Finanzinvestoren Bain und Cinven haben gerade erst die Mehrheit am Pharmakonzern Stada übernommen. Bild: dpa

Der Pharmakonzern Stada kommt nicht zur Ruhe. Fünf Aufsichtsräte werfen bald das Handtuch – nicht ohne bei der Hauptversammlung noch einmal für Trubel zu sorgen.

          Die Querelen beim Arzneimittelhersteller Stada nehmen auch nach der Übernahme durch Finanzinvestoren kein Ende. Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker erklärte am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Frankfurt überraschend, das Kontrollgremium wolle die früheren Stada-Chefs Hartmut Retzlaff und Matthias Wiedenfels sowie Ex-Finanzchef Helmut Kraft für das vergangene Jahr nicht entlasten. Oetker selbst sowie weitere Aufsichtsräte werden ihre Posten in wenigen Wochen niederlegen. Mit dem Schritt nun geht Oetker auf Konfrontation zu Übergangschef Engelbert Willink, der mehr Zeit für eine Untersuchung forderte.

          Ursprünglich hatten Vorstand und Aufsichtsrat laut Tagesordnung eine Entlastung gefordert. Oetker erklärte, es gebe aber nun Ermittlungen des Aufsichtsrats wegen „belastbarer Erkenntnisse zu schwerwiegenden Pflichtverletzungen des Vorstands“. Es gehe um Unklarheiten im Asiengeschäft, Verstöße gegen Rechtsgrundsätze und Beraterverträge ohne erkennbare Gegenleistungen für Stada. Mit diesen Hinweisen sei die Integrität von Wiedenfels und Kraft „nicht mehr gewährleistet gewesen“. Deshalb seien sie im Juli abgetreten.

          Mit den Ermittlungen sende der Aufsichtsrat einstimmig das Signal, „dass wir solche Geschäftspraktiken nicht tolerieren können.“ Der langjährige Unternehmenschef Retzlaff, der 2016 von aktivistischen Investoren aus dem Amt gedrängt worden war, habe ebenso wie Kraft und Wiedenfels Gelegenheit zu Stellungnahmen erhalten.

          Stada-Chef Willink plädierte dafür, den Tagesordnungspunkt über die Entlastung der Ex-Führungsspitze zu vertagen. Den Untersuchungsbericht des
          Aufsichtsrats habe man kurzfristig erhalten.
          Mit einer Entlastung sprechen Aktionäre dem Management ihr Vertrauen aus. Juristisch hat eine verweigerte Entlastung keine Folgen.

          „Eine Daily Soap“

          Mit den Vorwürfen gegen die früheren Firmenchefs handelt Oetker kurz vor Ende seiner Amtszeit. Er tritt gemeinsam mit vier weiteren Kontrolleuren
          zum 25. September ab. Bain und Cinven wollen eigene Vertreter in den Aufsichtsrat senden. Oetker gilt als Gegner eines Verkaufs und soll mit
          Wiedenfels über Kreuz gelegen haben.

          Aktionärsvertreter kritisierten die Querelen bei dem hessischen Pharmakonzern, der für Medikamente wie Grippostad und die Sonnenmilch Ladival bekannt ist. Stada sei ein Lehrstück für schlechte Unternehmensführung, sagte Winfried Mathes von der Dekabank. „Wir bekommen von allen Protagonisten eine Daily Soap geliefert, die man mit dem Titel „Alle zusammen - jeder für sich“ beschreiben könnte“. Auch die am Ende nur hauchdünn geglückte Übernahme sei eine Leistung, für die „alle Beteiligten die „goldene Himbeere“ verdient hätten“. Deka werde Vorstand und Aufsichtsrat nicht entlasten.

          Peter Barth vom Anlegerschutzverein DSW kritisierte, Wiedenfels und Kraft seien nach dem ersten gescheiterten Übernahmeversuch von Bain und Cinven „aus dem Amt gedrängt worden“. Er bemängelte, dass Willink nur bis Jahresende einen Vertrag hat und somit der dritte Stada-Chef binnen rund eines Jahres ist. Alle Ungereimtheiten müssten „schonungslos aufgeklärt“ werden, sagte Barth. „Geld gemacht haben die Hedgefonds, verloren hat die Gesellschaft.“ Die traditionsreiche Stada habe „ihre über Jahrzehnte aufgebaute Identität verloren“.

          Quelle: hade./dpa

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