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Staatsanleihen Die Rückkehr der Investmentbanker

07.06.2009 ·  Die Investmentbanker haben wieder neue Geschäftsideen. Weil die Staaten überall auf der Welt Banken retten und Konjunkturprogramme auflegen, haben sie einen gewaltigen Bedarf an Geld. Und das beschaffen sich die Staaten mit Hilfe von Anleihen. Für Investmentbanken ist das ein lukratives Geschäft.

Von Christian Siedenbiedel
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Fast schien es, als werde das Bankgeschäft wieder sein wie früher: Sparbücher für die kleinen Leute, Kredite für die Unternehmen und wenig sonst. Selbst Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, früher berühmt für seine Verehrung des Investmentbankings, kündigte an, nun "stabile Geschäftsbereiche" wie das Privatkundengeschäft ausbauen zu wollen. Um die Investmentbanker hingegegen - lange die schillernden Stars am Bankenhimmel - war es auffällig ruhig geworden.

Doch jetzt melden sie sich zurück. Vereinzelt noch, aber doch unüberhörbar, ergreifen sie das Wort. In Interviews treten sie schon wieder ganz selbstbewusst auf. "Investmentbanken haben nahezu über alle Zyklen hinweg ein hochprofitables Geschäft", tönte etwa vergangene Woche Paul Taubman, Chef des Investmentbankings der amerikanischen Bank Morgan Stanley.

Und die Vergütungsberatung Johnson Associates meldet unter Verweis auf eine Studie, die Bonuszahlungen an die Investmentbanker würden dieses Jahr schon wieder um satte 25 Prozent steigen. Wo der Staat die Boni ausgesetzt hat, da wollen die Banken dann eben das Festgehalt der Investmentbanker erhöhen. So einfach geht das.

Neues Selbstbewusstsein

Das neue Selbstbewusstsein der Boni-Banker kann sich auf Zahlen stützen. Zwar kämpfen immer noch viele Banken rund um den Globus ums Überleben. Gerade aber das Investmentbanking hat in einigen Instituten schon wieder zu saftigen Gewinnen geführt. Nicht das hochgelobte Privatkundengeschäft war es, das der Deutschen Bank in den ersten Monaten dieses Jahres wieder einen Überschuss von 1,8 Milliarden Euro bescherte. Es war das Investmentbanking (siehe Grafik). Auch die amerikanischen Konkurrenten Goldman Sachs und JP Morgan verdienten nach einem Katastrophenjahr 2008 wieder Milliarden. Dank Investmentbanking.

Das Comeback dieses vielgeschmähten angelsächsisch geprägten Teils des Bankgeschäfts hat vor allem eine Ursache: die guten Ergebnisse der Anleihenabteilungen. "Das Geschäft mit Unternehmens- und Staatsanleihen hat sich zuletzt gut entwickelt", bestätigt Johannes Reich, Leiter des Investmentbankings beim Frankfurter Bankhaus Metzler. Während das Geschäft mit Unternehmenskäufen, Aktienhandel und Börsengängen in vielen Banken noch vor sich hin dümpele, brumme es bei den "Bonds" wieder.

Ausgerechnet das Investmentbanking, das vielen als Mitschuld an der Krise gilt, wird dadurch zum Profiteur der Krise. Weil die Staaten überall auf der Welt Banken retten und Konjunkturprogramme auflegen, haben sie einen gewaltigen Bedarf an Geld. Das beschaffen sie sich mit Hilfe von Anleihen. Es sind die Investmentbanken, die diese Anleihen bei den Anlegern plazieren - und damit gutes Geld verdienen.

„Auch komplexe Wertpapiere bieten sehr gute Chancen“

Ähnlich sieht es bei den Unternehmen aus. Weil viele Firmen wegen der Finanzkrise nicht so leicht an Kredite kommen, finanzieren sich zumindest die großen Unternehmen derzeit in großem Stil über Anleihen. Und auch sie plazieren diese über Investmentbanken bei den Anlegern. Auch daran verdienen die Investmentbanker kräftig.

Das wird nicht alles bleiben, womit die Investmentbanker zurück ins Geschäft kommen. Ihre Pläne gehen noch viel weiter. Sie wollen mit den Papieren Geld verdienen, die der Krise erst ihre Dramatik verschafft haben: mit den Schrottpapieren. Während die Staaten überall in der Welt noch überlegen, wie sie ihre Banken von den giftigen Papieren mit den typischen Kürzeln von ABS bis CDO befreien können, entdecken findige Investmentbanker gerade dort eine geniale Geschäftsidee.

"Auch komplexe Wertpapiere, die zum Teil die Krise mitverursacht haben, bieten für die Investmentbanken sehr gute Chancen", sagt Dietrich Becker, Partner bei der Londoner Bank Perella Weinberg. Sein Gedanke: Nicht alles, was an Schrottpapieren im Zuge der Krise wertlos geworden ist, hat diese Abwertung wirklich verdient. Wer gute und schlechte Papiere unterscheiden kann, der kann jetzt die richtigen kaufen - und in ein bis zwei Jahren Kasse machen.

Wer aber könnte gute und schlechte Papiere besser unterscheiden als die Investmentbanker? Sie waren es schließlich, die vor der Krise die heiklen Kreditpakete gepackt und die komplizierten Wertpapiere konstruiert hatten. "Die Investmentbanken können ihr Talent, Wissen und Kapital in unterbewertete Anlageklassen investieren und weiterhin auf gute Gewinne hoffen", meint Becker.

„London ist kein ungeliebtes Kind“

Sicher ist: Der Risikoappetit der Investmentbanker hat wieder kräftig zugenommen. Nicht nur die Deutsche Bank spricht schon wieder von Renditezielen um 25 Prozent. Selbst die Commerzbank, eigentlich angetreten, die herausragende deutsche Privatkundenbank zu werden, hebt jetzt den "hohen Stellenwert" ihres Londoner Investmentbankings hervor. "London ist kein ungeliebtes Kind", sagte Commerzbank-Vorstand Michael Reuther vergangene Woche der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Auch wenn die Commerzbank in London rund 1000 Stellen abbaut - gänzlich verscherzen will sie es sich mit ihren verbliebenen Investmentbankern offenkundig nicht.

Vielen Vorstandschefs bleibt sogar gar nicht viel anderes übrig, als ausgerechnet in diesen riskanten Geschäftsbereich zu investieren. "Die Rechnung, dass sich jetzt alle Banken auf das Privatkundengeschäft konzentrieren, wird nicht aufgehen", meint Dirk Schiereck, Bankenprofessor in Darmstadt. Je mehr Banken sich nämlich auf die Privatkunden stürzen, desto geringer werden die Margen für die Banken. Um neue Kunden zu gewinnen, müssen Banken schon jetzt mit Gratiskonten plus Anfangsguthaben werben - oder mit Lockzinsen. Das alles sorgt nicht gerade für hohe Erträge der Banken in dem soliden Geschäft.

Hinzu kommen die gewaltigen Ausfallrisiken aus dem Kreditgeschäft in der Rezession. Je länger die Krise dauert, desto mehr Unternehmen werden insolvent oder geraten in eine Schieflage. Das zeichnet sich jetzt schon ab. Je mehr Kreditnehmer aber in Bedrängnis geraten, desto mehr Kredite dürften an die Banken nicht mehr oder nur zu einem Teil zurückgezahlt werden und desto mehr müssen die Banken verdienen, um die Verluste auszugleichen.

Das trifft vor allem diejenigen Banken, die sich auf das klassische Kreditgeschäft konzentriert haben. Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, sagt deshalb auch schon eine neue Runde der Bankenkrise voraus, die anders als die frühere nicht in erster Linie die Investmentbanken treffen wird. Vielmehr würden gerade diejenigen Banken Schwierigkeiten bekommen, die sich - bezeichnenderweise oft ausgerechnet wegen der Krise - allzu sehr auf das klassische Kreditgeschäft konzentriert haben. "Mit der Risikovorsorge für Kreditausfälle kommt auf sie die nächste Welle zu", meint Walter. Je mehr aber das klassische Geschäft Schwierigkeit bekommt, desto mehr dürften die Investmentbanker wieder von Buhmännern zu Stars werden. So schnell kann das gehen.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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