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Squeeze-out VW will MAN von der Börse nehmen

Auf den Beherrschungsvertrag könnte ein neues Angebot an die Aktionäre folgen. Erwogen wird die Verschmelzung des Lastwagenherstellers mit einer Beteiligungsgesellschaft von Volkswagen.

© dpa Vergrößern Nur noch eine Marke von VW

Die Volkswagen AG hat offenbar das Ende der Börsennotierung der MAN SE fest im Blick. Aus dem Umfeld der Unternehmen ist zu hören, dass der Wolfsburger Autokonzern Vorbereitungen trifft, den restlichen Streubesitz des Münchner Nutzfahrzeughersteller mit einem sogenannten Squeeze-out abzufinden. Die Voraussetzungen dafür könnten in den kommenden Wochen geschaffen werden, da VW - mit 75 Prozent Haupteigentümer von MAN - derzeit einen Beherrschungsvertrag vorbereitet, für den gerade Bewertungsgutachten erstellt werden. Im Zuge eines damit erforderlichen Abfindungsangebots hofft VW, die Hürde von 90 Prozent zu nehmen, was Beobachter für sehr wahrscheinlich halten. Dann könnte ein Squeeze-out mit einer weiteren Offerte eingeleitet werden.

Ein Bestandteil dieses Szenarios scheint zudem die Überlegung zu sein, dass entgegen der bisherigen Annahme der Unternehmensvertrag mit MAN nicht direkt mit der VW AG abgeschlossen werden könnte, sondern mit einer nicht börsennotierten Tochtergesellschaft. Ein solcher Vertrag, der Zugriff und Weisungsrechte ermöglicht, müsse nicht zwangsläufig mit dem Konzern abgeschlossen werden, ist zu vernehmen.

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Eine Beteiligungsgesellschaft unterhalb der Konzernebene hat einerseits den Vorteil, dass sie ein Vehikel für den Aufbau einer neuen Nutzfahrzeuggruppe sein könnte, in die sich auch der schwedische Lastwagenhersteller Scania einbinden ließen; an ihm hält VW 72 Prozent der Stimmrechte. Zudem wäre eine Verschmelzung des 255 Jahre alten Traditionskonzerns MAN auf diesem Weg einfacher umzusetzen. Denn eine erst 2011 verabschiedete Novelle des Umwandlungsgesetzes erlaubt ein Squeeze-out schon mit einer Beteiligung von mehr als 90 Prozent und nicht - wie zuvor üblich - mit 95 Prozent. Die Voraussetzung dafür ist, dass damit eine Verschmelzung mit dem Eigentümer verbunden ist. Die Verschmelzung mit einer Beteiligungs-AG von VW müsste nicht von den Volkswagen-Aktionären beschlossen werden.

Eine Stellungnahme zu diesem Regieplan war aus Wolfsburg am Mittwoch nicht zu erhalten. Die Konzernspitze hat stets davon gesprochen, MAN nicht unbedingt von der Börse nehmen zu wollen, zugleich aber betont, sich alle Optionen offenhalten zu wollen. Auch von MAN gab es am Mittwoch keine Aussagen zu den im Umfeld der Unternehmen diskutierten Plänen.

Abfindung von 79,20 Euro

Werden sie umgesetzt, wird das Schicksal von MAN einen anderen Verlauf nehmen als das der VW-Premiummarke Audi, die mit weniger als einem Prozent Streubesitz immer noch börsennotiert ist. Am 9. Januar hatte VW bekanntgegeben, zur Schaffung eines „integrierten Nutzfahrzeugkonzerns“ einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit MAN abschließen zu wollen. Gegenwärtig erstellen VW und MAN Bewertungsgutachten, die dann von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer analysiert werden sollen. Am Ende errechnet sich daraus der Ertragswert der Aktie und damit die Höhe des Abfindungsangebotes an den MAN-Streubesitz. Zudem wird eine Garantiedividende für die verbleibenden Aktionäre fällig.

Die Abfindung wird mindestens 79,20 Euro betragen; das ist der Durchschnittskurs der letzten drei Monate vor der Bekanntgabe der Absichten. Fällt der Ertragswert je Aktie höher aus, muss dieser ausgezahlt werden. VW könnte das Angebot auch erhöhen, um viele Aktionäre zur Annahme des Angebotes zu bewegen. Davon scheint die Börse auszugehen: Der MAN-Aktienkurs schwankt seit Mitte Januar zwischen 87 und 89 Euro, liegt damit aber immer noch unter den 95 Euro des VW-Pflichtangebots aus dem Jahr 2011.

Die Zeit ist zu kurz

Die Gutachten, damit rechnen Beobachter, sollen bis Ende April und damit rechtzeitig für die Einladung zur MAN-Hauptversammlung am 6. Juni vorliegen. Für die VW-Hauptversammlung am 25. April reicht es hingegen voraussichtlich nicht mehr. Bis Mitte März, wenn die Tagesordnung für das VW-Aktionärstreffen vorgelegt werden soll, sei die Zeit zu kurz, heißt es. Das wäre nicht so tragisch: Wird der Beherrschungsvertrag zwischen einer VW-Tochtergesellschaft und MAN abgeschlossen, ist keine außerordentliche Hauptversammlung der VW-Aktionäre nötig. So könnte Volkswagen jene Aktionäre ausboten, die gerne mit Anfechtungsklagen Unternehmen unter Druck setzen. Diese bekäme dann erst einmal MAN ab.

Quelle: F.A.Z.

 
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