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Springer-Chef Döpfner im Interview „Bild.mobile auf dem iPhone muss bezahlt werden“

 ·  Mathias Döpfner, Chef des „Bild“-Konzerns Springer, sagt der Kostenlos-Kultur im Internet den Kampf an. Der Anfang: Alle Inhalte für Smartphones gibt es von Springer künftig nur gegen Gebühr. Gerade bei Mobilfunkkunden sei die Zahlungsbereitschaft hoch, konstatiert Döpfner im Gespräch mit der F.A.Z.

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Mathias Döpfner, Chef des „Bild“-Konzerns Springer, sagt der Kostenlos-Kultur im Internet den Kampf an. Der Anfang: Alle Inhalte für Smartphones gibt es von Springer künftig nur gegen Gebühr.

Herr Döpfner, Ihr „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann hat das kostenlose Internet einen verfluchten Geburtsfehler genannt. Sie wollen ihn korrigieren. Nur wie?

Wir alle haben das immer wieder gesagt, aber die Entwicklung des Internets ist nicht statisch. Anfangs ging es den Verlagen um Reichweite, um die Weckung des Konsumenteninteresses, heute befinden wir uns in einer reiferen Phase. Geburtsfehler lassen sich nicht schnell kurieren. Aber es ist im Interesse der Leser und der Verlage, in der digitalen Welt eine wirtschaftliche Basis für Qualitätsjournalismus zu schaffen, weil es sich sonst bald keiner mehr leisten kann, wertvolle Inhalte im Internet anzubieten. Eine Säule der Finanzierung ist die Online-Werbung, eine zweite Paid Content, also die Bezahlung für exklusive journalistische Angebote oder spezielle Dienstleistungen.

Sie haben gerade erst wieder eine Chance für Paid Content verpasst, indem Sie die exklusiven Fußballbundesligaberichte auf bild.de wieder gratis anbieten.

Stimmt, aber 99 Prozent unserer Angebote bewegen sich leider noch in der alten Kostenlos-Welt. Aber es gibt ermutigende andere Beispiele: Unser „Super-Bundesliga-Manager“ auf bild.de ist innerhalb von zwei Wochen von 80.000 Teilnehmern für 7,99 Euro abonniert worden, obwohl es solche Spiele kostenlos von „Kicker“ und auch von unserer „Sport-Bild“ gibt.

Dabei handelt es sich aber um Online-Gewinnspiele, nicht um Online-Nachrichtenportale . . .

. . . künftig wird das aber auch für einige journalistische Angebote im Internet gelten. Die Leser haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie bereit sind, für wirklich attraktive Inhalte Geld zu bezahlen. Qualität, geistige Wertschöpfung haben ihren Preis. Warum soll das in der digitalen Welt plötzlich anders sein? Entscheidend ist nur, dass wir unsere Angebote wirklich aus Sicht des Lesers gestalten. Bevor man über Bezahlmodelle nachdenkt, muss man beantworten, warum der angebotene Journalismus attraktiv, unverwechselbar und unverzichtbar ist. Das haben wir in den letzten Wochen vor allem mit einer Überarbeitung unserer mobilen Angebote getan. Sämtliche Inhalte auf Smartphones werden wir auf Dauer gegen Gebühr anbieten. Das mobile Endgerät, das Handy, kann am ehesten die Zeitung der Zukunft sein. Für das iPhone von Apple entwickeln wir sogenannte Apps, also kostenpflichtige Angebote, über die man dann welt.mobil, bild.mobil oder computerbild.mobil bezahlt und quasi abonniert. Im Herbst gehen wir damit auf den Markt.

Glauben Sie wirklich, dass der Kunde da mitspielt?

Das werden wir sehen. Wir werden den Markt nicht über Nacht verändern, aber die Zahlungsbereitschaft ist gerade bei Mobilfunkkunden, insbesondere bei Besitzern des iPhones, groß. Weit über die Hälfte der Zugriffe auf unsere Mobilangebote kommt übrigens über das iPhone. Jeder ist daran gewöhnt, für die SMS „Ich komme drei Minuten später“ oder für ein gutes Applet auch zu zahlen. Warum sollte das bei guten, einfach zu bedienenden Redaktionsangeboten, bei Spezialinhalten oder Exklusivmeldungen anders sein? Der Erfolg des Apple AppStores zeigt doch schon heute, wie groß der Markt ist und sein kann.

Wenn er bei bild.de oder welt.de zahlen muss, geht er zur kostenlosen Konkurrenz.

Nein, nicht unbedingt. Nicht, wenn unser Angebot besser ist und wenn der Zahlvorgang sehr leicht fällt. Paid Content setzt allerdings voraus, dass die Nachrichten und vor allem ihre Aufbereitung im Internet künftig kreativer, exklusiver oder individueller sind als heute. Die Erfahrung zeigt schon heute, dass viele Nutzer dann bereit sind zu zahlen. Es wäre fahrlässig, das heute nicht zumindest zu probieren. Es kann auch scheitern, aber wir müssen jetzt rausfinden, was die Kunden wollen. Wir hätten sonst die Chance verpasst, zumindest im zweiten Anlauf eine wirtschaftliche Grundlage für den Journalismus in der digitalen Welt zu schaffen. Für unsere Regionalzeitungen arbeiten wir derzeit an einem Freemium-Modell: Allgemeine Nachrichten sind für den Leser gratis, Premiuminhalte kosten Geld. Wer etwa die Exklusivgeschichte aus der Stadtverordnetensitzung lesen möchte, das Archiv oder den Staumelder nutzen will, muss zahlen.

Mit einem ähnlichen Modell ist der Marktführer „Spiegel online“ schon vor Jahren gescheitert.

Das heißt doch nicht, dass es beim zweiten oder dritten Versuch wieder nicht klappt! Wir können heute vieles besser machen, die Technik ist vorangeschritten. Andere haben damit Erfolg. Das „Wall Street Journal“ lässt sich Spezialinhalte mit 1,99 Dollar in der Woche oder 79 Dollar im Abonnement bezahlen und macht damit einen zusätzlichen Umsatz von mehr als 100 Millionen Dollar im Jahr. Wir haben als Verleger geradezu eine heilige Verantwortung, alles zu versuchen, um eine Wirtschaftsgrundlage für die digitale Welt zu schaffen. Viele Verlage denken über diese Zukunftsfragen so wie wir und gehen in diese Richtung. Da wird es international viel Bewegung geben. Denn eins ist klar: Qualitätsjournalismus hat seinen Preis, und Leser haben das historisch immer akzeptiert. Man muss es nur so einfach und attraktiv machen, dass die Leser es auch wirklich nutzen können und wollen.

Und wenn das in der digitalen Welt nicht klappt? Wollen Sie dann an den Anzeigenerlösen von Google beteiligt werden, oder fordern Sie gleich Subventionen vom Staat?

Um Gottes willen, nein. Da gibt es bessere Wege. Wie etwa in der Musikbranche bietet es sich an, eine Verwertungsgesellschaft für Inhalte-Nutzung durch Firmenkunden und die Zweitverwertung von Inhalten zu betreiben. Es kann nicht sein, dass die einen für viel Geld wertvolle Inhalte erstellen und die anderen sie kostenlos kopieren und vermarkten. Deswegen treten wir für das gesetzliche Leistungsschutzrecht ein, damit die Verwertung professionell gemachter Inhalte erleichtert wird, wie bei der Verwertungsgesellschaft Gema in der Musikindustrie. Ich würde eine Verwertungsgesellschaft Print/Online für sinnvoll halten. Staatshilfen im Sinne punktueller Subventionen oder Staatsbeteiligungen wären der absolute Sündenfall des freien, unabhängigen Journalismus. Das lehne ich entschieden ab. Aber die Politik könnte uns helfen, indem sie Wettbewerbsverzerrung durch die Öffentlich-Rechtlichen einschränkt. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss sich das Internet erschließen dürfen. Er muss aber auf allen Vertriebskanälen, im Fernsehen, im Radio und im Internet, auf jede Form der Monetarisierung außerhalb der Gebühren verzichten. Ein staatlich verordnetes Gebührensystem und zusätzlich Werbeerlöse im freien Markt generieren, das geht nicht!

Das Gespräch führte Henning Peitsmeier.

Quelle: F.A.Z.
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