08.06.2008 · Telekom-Chef Obermann erwartet mehr Courage von der Belegschaft, Fehlverhalten von Vorgesetzten zu melden. Im Sommer 2007 hatte die Konzernführung durch Mitarbeiter-Hinweise die Ausspitzelung eines Journalisten bemerkt. Nach Informationen der F.A.Z. kamen die Hinweise von T-Mobile.
Von Helmut Bünder und Johannes WinkelhageAls Reaktion auf die Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom erwartet der Vorstandsvorsitzende René Obermann mehr Courage von der Belegschaft, sich gegen ein mögliches Fehlverhalten von Vorgesetzten und Kollegen zu stellen. Obermann ermunterte die Mitarbeiter, in kritischen Fällen nicht zu schweigen, sondern Hinweise weiterzugeben. Notwendig sei ein „Kulturwandel im Denken“, sagte er dieser Zeitung. „Blinde Befehlsgläubigkeit darf es nicht geben. Wenn es notwendig ist, müssen Mitarbeiter die Courage zeigen, auf Ungereimtheiten hinzuweisen und diese zu melden. Das muss in die Köpfe der Leute“, so Obermann. Wie wichtig die Mitwirkung aus der Belegschaft sei, habe man im vorigen Jahr gesehen. „Es waren Hinweise von Mitarbeitern, welche die internen Ermittlungen angestoßen haben“, betonte Obermann.
Im Sommer 2007 war die Konzernführung dadurch auf die Ausspitzelung eines Magazinjournalisten aufmerksam gemacht worden. Nach Informationen der F.A.Z. kamen die entscheidenden Hinweise seinerzeit aus der Sicherheitsabteilung von T-Mobile. Ein Mitarbeiter, der Obermann in dessen Zeit als Vorstand der Mobilfunksparte kennen gelernt hatte, soll sich damit an die Konzernspitze gewandt haben. Ein Telekom-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern; auch die Staatsanwaltschaft hüllt sich über die Identität des Informanten in Schweigen.
Nach der Aufdeckung der Ausspähung reagierte Obermann mit der Einleitung interner Ermittlungen und einem Umbau der Konzernsicherheit. Er verzichtete aber darauf, die Staatsanwaltschaft und den ausgespähten Journalisten zu informieren. Der Konzern rechtfertigte dieses Vorgehen damit, dass man zunächst geglaubt habe, es habe sich um einen Einzelfall gehandelt. Zudem habe man die Aufklärungsarbeit nicht durch den Gang an die Öffentlichkeit gefährden wollen. Das tatsächliche Ausmaß der Affäre sei erst im April durch ein Schreiben der mit der Auswertung interner Telefonverbindungsdaten beauftragten Berliner Unternehmens bekannt geworden. Wie diese Daten nach außen gelangt sind, ist immer noch unklar.
Die Spitzelaffäre beim größten deutschen Telefonanbieter ist für die Bundesregierung und die führenden Branchenverbände vorerst kein Grund zu Gesetzesänderungen. Beide Seiten warnten am Montag in Berlin vor Schnellschüssen und wollen nun erst einmal prüfen.
Obermann will Zugriff auf Kundendaten beschränken
Inzwischen hat Obermann angekündigt, den Zugriff auf sensible Kundendaten stärker zu beschränken und die Schutzmechanismen weiter auszubauen. Dazu hat er den früheren Richter am Bundesgerichtshof, Gerhard Schäfer, als externen Sachverständigen in den Konzern geholt. Schäfer arbeitet mit einem kleinen Team von Konzernangehörigen aus der Revision und der Sicherheitsabteilung seit voriger Woche an einem neuen Datensicherheitskonzept. Zusammen mit dem früheren Vizepräsidenten des Bundeskriminalamtes, Reinhard Rupprecht, den die Telekom 2007 als Sicherheitsbevollmächtigten eingesetzt hatte, soll Schäfer auch die internen Ermittlungen weiter vorantreiben.
„Datensicherheit ist das höchste Gut für die Deutsche Telekom. Deshalb muss jedem klar sein, dass die Verletzung des Datenschutzes kein Kavaliersdelikt ist. Das gilt für die Weitergabe von Betriebsgeheimnissen und das gilt noch viel, viel mehr für den Schutz des Fernmeldegeheimnisses“, sagte Obermann. Der Vorstandschef steht wegen der Affäre nicht nur in der öffentlichen Kritik. Auch innerhalb der Belegschaft, die zum Teil den Arbeitskampf des vorigen Jahres und Obermanns Sparkurs noch nicht verwunden hat, gibt es Unsicherheit und Misstrauen. „Der Kampf um Glaubwürdigkeit richtet sich nach außen, aber vor allem auch nach innen. Wir müssen gegenüber der eigenen Belegschaft neues Vertrauen in die Konzernführung aufbauen“, versprach Obermann.
Aus der Politik kommen unterdessen Forderungen nach härteren Strafen für Verstöße gegen den Datenschutz und das Fernmeldegeheimnis. Datenschützer verlangen zudem, die Vorratsdatenspeicherung wieder zurückzunehmen. Statt der zuvor üblichen 80 Tage müssen Verbindungsdaten seit Jahresbeginn sechs Monate aufbewahrt werden. Obermann wollte sich zu möglichen gesetzgeberischen Konsequenzen der Affäre nicht im einzelnen äußern. Auf der Hand liege es allerdings, sagte er, dass es bei der Vorratsdatenspeicherung nicht auf die Dauer ankomme, sondern eine möglichst wirksame Absicherung darüber entscheide, ob Daten missbraucht werden könnten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.788,80 | +0,59% |
| FAZ-INDEX | 1.515,08 | +0,60% |
| TecDAX | 773,23 | −0,05% |
| MDAX | 10.356,30 | +0,39% |
| SDAX | 5.020,58 | +1,11% |
| REX | 421,13 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.522,34 | +0,37% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,31 | +0,42% |
| Dow Jones | 12.891,40 | +0,06% |
| Nasdaq 100 | 2.563,93 | +0,72% |
| S&P500 | 1.349,96 | +0,22% |
| Nikkei225 | 9.002,24 | −0,15% |
| EUR/USD | 1,3281 | +0,24% |
| Rohöl Brent Crude | 118,69 $ | +0,71% |
| Gold | 1.746,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 137,25 € | −0,36% |