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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Spitzel-Vorwürfe Lidl entschuldigt sich bei Mitarbeitern

26.03.2008 ·  Offiziell sollten die Minikameras dem Schutz vor Ladendieben dienen, inoffiziell überwachten die Filialleiter ihre Mitarbeiter. Lidl räumte die Vorwürfe teilweise ein und entschuldigte sich bei den Betroffenen.

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Der Lebensmitteldiscounter Lidl ist wegen des Vorwurfs der Mitarbeiterbespitzelung ins Visier von Datenschützern gerückt. Es werde datenschutzrechtlich geprüft, ob die Beschäftigten in zahlreichen Filialen systematisch überwacht wurden, sagte eine Sprecherin des baden-württembergischen Innenministeriums am Mittwoch in Stuttgart. Lidl räumte die Vorwürfe teilweise ein und entschuldigte sich bei den Betroffenen.

Das Mitglied der Geschäftsführung Jürgen Kisseberth sagte der Nachrichtenagentur AP, die Kameras und Detektive seien eingesetzt worden, um durch Diebstahl verursachte Inventurverluste zu vermeiden. Dass dabei aber auch persönliche und private Details notiert wurden, sei nicht geplant gewesen und entspreche „in keinster Weise“ dem Unternehmensstil. „Wir sind bestürzt über die Berichte und es tut uns Leid. Wir können uns bei den betroffenen Mitarbeitern nur entschuldigen“, sagte Kisseberth.

Wer geht wann mit wem zur Toilette?

Nach Informationen des Magazins „Stern“ wurde bei dem Lebensmitteldiscounter über zahlreiche Überwachungskameras registriert, wann und wie häufig Lidl-Mitarbeiter auf die Toilette gehen, wer mit wem möglicherweise ein Liebesverhältnis hat und wer nach Ansicht der Überwacher unfähig ist oder einfach nur „introvertiert und naiv wirkt“. Aufgeführt wurde laut „Stern“ unter anderem auch, ob Mitarbeiter des Neckarsulmer Unternehmens tätowiert waren. Das Magazin beruft sich auf interne Lidl-Protokolle.

Kisseberth räumte ein, er könne nicht ausschließen, dass die im „Stern“-Bericht geschilderten Bespitzelungen stattgefunden haben. Er selbst habe einen Bericht über Tätowierungen einer Mitarbeiterin erhalten. Die Zusammenarbeit mit der betreffenden Detektei sei daraufhin beendet worden. Als Konsequenz aus dem nun bekannt gewordenen Bericht sei beschlossen worden, generell mit keiner Detektei mehr zusammenzuarbeiten. Komme es künftig zu Diebstählen, werde gemeinsamen mit den Mitarbeitern über Gegenmaßnahmen entschieden.

Schwerer Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz

Im Jahr 2006 seien Detektive in etwa 150 Filialen tätig gewesen, im vergangenen Jahr in rund 210. Laut „Stern“ sollen die meisten Überwachungsberichte aus Lidl-Filialen in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Berlin und Schleswig-Holstein kommen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sprach von einem Skandal und dem Verstoß gegen das Grundgesetz. Wenn die Vorwürfe stimmten, „dann passt das in das System der permanenten Kontrolle und Unterdrückung in dem Unternehmen“, erklärte der Handelsexperte der Gewerkschaft in Baden-Württemberg, Bernhard Franke der dpa. Die Gewerkschafter forderte die Mitarbeiter auf, gegen die Zustände vorzugehen und Betriebsräte zu wählen. „Die Mitarbeiter werden eingeschüchtert und verängstigt. Es gibt so gut wie keine Betriebsräte bei Lidl“, sagte Franke.

Achim Neumann von der Gewerkschaft ver.di erklärte gegenüber AP, er sei zwar einiges gewohnt von Lidl, von solch einer systematischen Mitarbeiterüberwachung aber habe er noch nie gehört. „Diese Dimension ist mir völlig neu.“ Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, erklärte dem „Stern“ zufolge, dass das Protokollieren eines Toilettenbesuchs und ähnliches einen schweren Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz darstelle: „Ich gehe davon aus, dass, wenn solche Vorgänge bekannt werden, die zuständige Datenschutzbehörde tätig wird und Ermittlungen einleitet.“

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Von Susanne Preuß

Die Schlecker-Filialen werden geschlossen, die Mitarbeiter stehen auf der Straße. Eine bittere Nachricht für die Beschäftigten. Aber es gibt auch ein gutes Fazit aus dem Ende der Drogeriekette. Mehr 10 32

01.06.2012 17:45 Uhr
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