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Rechtsstreit : Porsche und die Detektive

Ferdinand Piech und sein Cousin Wolfgang Porsche Bild: dpa

Ein brisanter Vorwurf, der sogar ein Gerichtsurteil provoziert hat: Porsche soll ehemalige österreichische Geheimdienstler in der Rechtsschlacht gegen die „Verbraucherzentrale für Kapitalanleger“ eingesetzt haben. Was ist da dran?

          Geht es in einer Schlacht um Milliarden, hängt die Wahl der gebrauchten Waffen stark an den landestypischen Riten zur Konfliktlösung: Je weniger Rechtsstaat, so die Faustregel, desto mehr Fäuste. Im hier zu behandelnden Fall, dem Streit diverser Hedgefonds mit Porsche, geht es um etliche Milliarden, welche die risikofreudigen Investoren für ihre erlittenen Verluste mit VW-Aktien von der Porsche-Holding zurückholen wollen. Gleichwohl ist der Rechtsstaat hierzulande gefestigt. Gestritten wird mit Paragraphen.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So möchte der brave Staatsbürger meinen. Was aber, wenn ein mächtiger Konzern so brav nicht ist? Erscheint es denkbar, dass Manager Detektive, Agenten und Geheimdienstler losschicken?

          Babyfon im Zimmer

          Dass die Welt der Wirtschaft nicht ausschließlich von redlichen Kaufleuten bevölkert ist, das hat sich herumgesprochen, man erinnere sich nur an einen Vorfall im Hotel „Ritz Carlton“ in Wolfsburg. Dem damaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking war, auf dem Höhepunkt der Übernahmeschlacht mit VW, heimlich ein Babyfon ins Zimmer gelegt worden. Welcher James Bond ihn abhören wollte, wurde nie geklärt.

          Auf der Porsche-Hauptversammlung in der vergangenen Woche haben nun offenkundig juristisch versierte Kleinaktionäre insinuiert, dass der Konzern heute zu ähnlichen Tricks greift: Hat Porsche aktive oder ehemalige österreichische Geheimdienstler eingesetzt?, wollten Anteilseigner wissen. Hat Porsche Detektive in Marsch gegen missliebige Personen gesetzt?

          Die in Fragen gepackten Unterstellungen richteten sich zunächst gegen Porsche-Rechtsvorstand Manfred Döss, gleichzeitig VW-Chefsyndikus und ein Jurist mit Ruf. Als „Mann fürs Grobe“ hat ihn der „Spiegel“ einst tituliert, bezogen auf sein Wirken für den vorherigen Arbeitgeber RWE, wo die Detektei „Control Risks“ beauftragt wurde, Führungskräfte zu „überprüfen“, also mittels Verbindungsdaten der Telefone herauszufinden, an wen sie Interna verraten haben.

          „Die Porsche SE hat keine illegalen Maßnahmen angewendet.“

          Entsprechend zieht Döss nun die Pfeile auf sich, wobei die professionell formulierten Fragen der Kleinaktionäre sehr nach den Vorhaltungen der mit den Porsches im Clinch liegenden Hedgefonds klingen. Dass diese Investoren alles versuchen, den Konzern unter Druck zu setzen, versteht sich von selbst, vor Gericht war mit ihren Schadenersatzklagen bisher wenig für sie zu holen.

          Man habe niemanden mit „unerlaubten“ Aktionen beauftragt, antwortete Vorstand Döss in der Hauptversammlung – was das Geraune erst recht anschwellen ließ, Porsche könnte sehr wohl Gestalten aus dem Halbdunkel engagiert haben, nur halt mit der Vorgabe, dass die sich – bitte, bitte – an die Gesetze halten.

          Offen formuliert hat den Verdacht ein geübter Widersacher des Konzerns, der Berliner Anwalt Martin Weimann, der einen obskuren, auf lukrative Klagen gegen Konzerne spezialisierten Verein namens „Verbraucherzentrale für Kapitalanleger“ gegründet hat. In einem Brief an den Porsche-Aufsichtsrat, namentlich an die Herren Hans Dieter Pötsch und Berthold Huber (vom 21. Oktober 2015), hat er behauptet, sein Verein sei im Auftrag der Porsche SE ausgespäht worden. Kopien gingen an den Bundesbeauftragten für Datenschutz sowie an die 16 Landesdatenschutzbeauftragten.

          Das Landgericht Berlin hat dazu am 13. Juni 2016 entschieden, dass dem Verein bei Androhung von Strafen (Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro oder Ordnungshaft) untersagt wird, zu behaupten oder zu verbreiten, er sei im Auftrag der Porsche SE ausgespäht worden oder die Firma habe Aufträge zum Ausspähen von Aktionären, Prozessgegnern, Gerichten gegeben.

          Wie Weimann darauf reagiert, war nicht zu eruieren. Eine Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung blieb unbeantwortet. Die Porsche-Holding jedoch geht jetzt in die Offensive. „Wir haben zu keinem Zeitpunkt durch Detekteien oder Sicherheitsunternehmen Informationen über Prozessgegner, Gerichte oder Aktionäre gesammelt“, stellt ein Konzernsprecher klar. „Die Porsche SE hat keine illegalen Maßnahmen angewendet.“ Eindeutiger lässt sich das nicht formulieren. Der Kampf ist deswegen noch lange nicht ausgestanden.

          Quelle: F.A.S.

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