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Spionagekameras und Abhörmanöver HSH Nordbank der Bespitzelung bezichtigt

21.08.2010 ·  Die skandalumwitterte HSH Nordbank kommt nicht zur Ruhe: In Bespitzelungsvorwürfen ist von Spionagekameras und Abhörmanövern die Rede. Ihren Verlust hat die Bank im ersten Halbjahr deutlich verringert.

Von Johannes Ritter, Hamburg
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Die skandalumwitterte HSH Nordbank kommt nicht zur Ruhe. Der Landesbank liegt die vierseitige Mitschrift eines Gesprächs vor, das der Subunternehmer eines Sicherheitsdienstleisters mit Arbeitnehmervertretern der Bank geführt hat. Darin werden Bespitzelungsvorwürfe geäußert; es ist von Spionagekameras und Abhörmanövern die Rede. Ein Sprecher der Bank sagte, der Vorstand habe von dieser Mitschrift vor etwa 14 Tagen erfahren.

Er bestritt jedoch, dass amtierende Vorstandsmitglieder der Bank involviert seien: „Kein Vorstandsmitglied hatte bis zu diesem Zeitpunkt Kenntnis von den darin geschilderten Vorgängen. Demzufolge hat auch kein Vorstandsmitglied jemals entsprechende Aufträge erteilt oder hätte ein derartiges Vorgehen gebilligt. Dies wird in dem Schreiben auch nicht behauptet, nicht einmal angedeutet“, sagte der Sprecher. Damit wies er indirekt die Spekulationen zurück, wonach der für das Immobiliengeschäft zuständige Vorstand Bernhard Visker hinter den Bespitzelungsaktionen stecken könnte. Möglicherweise hängen die Vorwürfe auch mit der Entlassung von Frank Roth zusammen. Roth musste den Vorstand im vergangenen Jahr verlassen. Ihm wurde Geheimnisverrat vorgeworfen.

Zu den Einzelheiten der Mitschrift werde man sich erst nach eingehender Prüfung äußern, sagte der Sprecher. Man habe das Schreiben sowohl der Staatsanwaltschaft als auch der Bankenaufsicht zur Kenntnis gegeben. Am nächsten Donnerstag wird sich der Aufsichtsrat der HSH mit dem Fall befassen; für Freitag ist anlässlich der Vorlage der Halbjahreszahlen ohnehin eine Pressekonferenz geplant. Da die Arbeitnehmerbank in diesen Fall involviert ist, dürfte sich die Auseinandersetzung im Kontrollgremium nicht nur um die Bespitzelungsvorwürfe drehen. Das Verhältnis zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper und seinem Stellvertreter von der Arbeitnehmerseite, Olaf Behm, gilt als angespannt.

Die Bank machte einen Verlust von 380 Millionen Euro im ersten Halbjahr

Die HSH Nordbank hat den Verlust im ersten Halbjahr 2010 deutlich verringert und dürfte daher im Gesamtjahr besser abschneiden als ursprünglich geplant. Die mit Milliardenbeihilfen ihrer Hauptanteilseigner Hamburg und Schleswig-Holstein vor dem Aus gerettete Landesbank meldet für die ersten sechs Monate einen Fehlbetrag von 380 Millionen Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte der Verlust noch 619 Millionen Euro betragen. Die Länder hatten der Bank 3 Milliarden Euro frisches Eigenkapital sowie 10 Milliarden Euro Garantien zur Verfügung gestellt. Für letztere fielen im ersten Halbjahr Kosten von 303 (Vorjahr: 150) Millionen Euro an, die in dem genannten Fehlbetrag enthalten sind. Das Ergebnis vor Restrukturierungsaufwand betrug minus 110 (minus 378) Millionen Euro.

Angesichts dieser Eckzahlen, welche die Bank Ende kommender Woche in einer Pressekonferenz noch ausführlich erläutern will, ist davon auszugehen, dass die HSH auch das Gesamtjahr besser abschließt als avisiert. Laut dem internen Restrukturierungsplan sollte der Konzern 2010 vor Restrukturierungs- und Garantiekosten einen Verlust von 720 Millionen Euro einfahren.

Die HSH will sich auf 100 Millionen Euro halbieren

Im Gespräch mit dieser Zeitung hatte der Vorstandsvorsitzende Dirk Jens Nonnenmacher jüngst darauf hingewiesen, dass die Bank im zweiten Quartal 2010 zum ersten Mal seit sieben Quartalen operativ - also vor Garantiekosten - ein positives Ergebnis erzielt habe (siehe Nonnenmacher: „Eine falsche Bilanz ist keine gefälschte Bilanz“). Konkret betrug der Gewinn auf dieser Ebene 60 Millionen Euro, nach einem Minus von 267 Millionen Euro im Vorjahr. Nonnenmacher begründete die Ergebnisverbesserung unter anderem mit der Risikopolitik der Vergangenheit. Im Rückenwind der konjunkturellen Erholung hat sich auch die Lage auf den Schifffahrtsmärkten deutlich entspannt. Als größtem Schiffsfinanzierer der Welt ist dies für die HSH von großer Bedeutung. So konnten offenbar in nennenswertem Umfang Rückstellungen für faule Kredite aufgelöst werden. Trotzdem wird es nach Einschätzung von Schifffahrtsvorstand Torsten Temp noch mindestens ein Jahr dauern, bis die Schifffahrtssparte auch nach Risikovorsorge wieder Gewinne abwirft.

Die HSH will ihre Bilanzsumme bis 2012 auf etwa 100 Millionen Euro halbieren und hat dafür eine Abbaubank geschaffen. In der sogenannten Kernbank hat das Institut nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr auch nach anteiligen Restrukturierungs- und Garantiekosten einen Gewinn vor Steuern von 128 Millionen Euro erzielt, nach einem Verlust von 148 Millionen Euro im Vorjahr.

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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