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Spielwarenmesse Merkel, Märklin und die anderen

05.02.2009 ·  Die Insolvenz von Märklin ist das beherrschende Thema der Spielwarenmesse in Nürnberg, die Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwochabend eröffnet hat. Und trotzdem: Das Weihnachtsgeschäft und die leicht steigende Geburtenrate haben der Branche ein Umsatzplus beschert.

Von Georg Giersberg, Nürnberg
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Mit einem Aufruf zu mehr Optimismus hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwochabend die 60. Internationale Spielwarenmesse in Nürnberg offiziell eröffnet. Sie hoffe, dass von der Messe ein positives Signal ausgehe, um die Wirtschaftskrise zu bewältigen, sagte Merkel. „Wir haben den Wiederaufbau geschafft, wir haben die deutsche Einheit geschafft, und wir werden auch diese Krise überstehen.“ Die Spielwarenbranche stehe für Innovationen und weltweiten Austausch. Das Lob der Kanzlerin harmoniert damit, dass die Spielwarenmesse - auch wenn Märklin am Tag der Eröffnung seine Insolvenz verkündete - Anlass hat zu feiern. Sie feiert ihren 60. Geburtstag. Was vor sechs Jahrzehnten mit 351 Ausstellern als „Deutsche Spielwarenfachmesse“ begann, ist heute als International Toy Fair mit knapp 2700 Ausstellern aus 60 Ländern das wichtigste Ereignis der Spielwarenbranche auf der Welt.

Wirtschaftliche Lage der Branche noch relativ gut

Anlass zum Feiern könnte auch die noch relativ gute wirtschaftliche Lage der Branche sein. Die deutschen Verbraucher haben ihr nach einem schlechten Jahresverlauf in den letzten Tagen vor Weihnachten einen so großen Zusatzumsatz beschert, dass die Branche mit einem Umsatzzuwachs von knapp einem Prozent auf 2,3 Milliarden Euro aus dem Jahr 2008 gegangen ist. „Und die Branche wird ein gutes Jahr 2009 sehen“, ist Werner Lenzner von der Marktforschung npdgroup Deutschland / Euro Toys überzeugt. Seinen Optimismus zieht er vor allem aus den Geburtenzahlen, die wieder leicht steigen. Vor allem aber seien die Eltern bei der Geburt ihrer Kinder älter als früher und damit auch zahlungskräftiger.

Die Hersteller zeigen sich auf der vom 5. bis 10. Februar dauernden Messe weniger optimistisch. Für sie wäre es ein Erfolg, wenn sie den Umsatz des Vorjahres wiederholen könnten. Sorge bereitet ihnen der Handel und dessen schwindende Zahlungsfähigkeit. Der Zusammenbruch von Woolworth in Großbritannien sei nur der spektakulärste, aber kein Einzelfall gewesen, sagen sie. Der Einzelhandel müsse mit immer niedrigeren Margen auskommen, verlagere das Lagerrisiko zunehmend auf die Hersteller und bekomme immer schwerer Bankkredite. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass der Markt für traditionelle Spielwaren international noch immer wächst. Der Zuwachs von 72 Milliarden auf 75,7 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr kommt nämlich überwiegend aus Asien. Europas Marktanteil am Weltmarkt ist sogar binnen eines Jahres von 30 auf 27 Prozent geschrumpft.

Hinwendung der Verbraucher zur Qualität ein „Megatrend“

Das beherrschende Gesprächsthema unter Ausstellern und Händlern ist die Insolvenz von Märklin, einem der traditionsreichsten deutschen Spielwarenhersteller. Der Anbieter von Modellbahnen ist mit 126 Millionen Euro Umsatz kein Riese. Gemessen daran, dass aber vom gesamten deutschen Markt etwa 75 Prozent aus Fernost kommen, ist Märklin dann doch ein wichtiger deutscher Hersteller. Aber gerade das gehört offenbar zu seinen Problemen. Das Unternehmen produziert zu teuer. Vor allem aber gelingt es Märklin nicht, die Jugend anzusprechen. Es ist weitgehend ein Produkt für (ältere) Sammler. Wie berichtet, konnte das Unternehmen seinen 700 Mitarbeitern bislang die Löhne für Januar nicht auszahlen, weil die Banken Ende Januar ausgelaufene Kreditlinien nicht verlängert haben. Der Betrieb soll zunächst fortgesetzt werden, aber das Unternehmen, das seit Jahren Verluste macht, wird in der jetzigen Form wohl nicht fortgeführt werden können.

Um ihre Form fürchten viele kleine Hersteller beim Anblick der neuesten Spielwarenrichtlinie der Europäischen Union. Die EU hat nach den Qualitätsmängeln chinesischer Produkte vor einem Jahr die Sicherheitsvorschriften erheblich verschärft. Die Hersteller müssen künftig für wesentlich mehr chemische Produkte einen Negativnachweis erbringen, also bestätigen, dass diese Stoffe im Endprodukt nicht enthalten sind. Das erhöht den Prüfaufwand. Große Hersteller wie Playmobil oder Bruder haben damit keine Probleme. Sie haben nach eigenen Aussagen schon bisher diese Prüfungen durchführen lassen. Das könnte ihnen jetzt in der Wirtschaftskrise zugute kommen. „Ein Megatrend ist die Hinwendung der Verbraucher zu Qualität“, sagt Otto Umbach, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Idee und Spiel in Hildesheim.

Spielen wird nicht billiger

Wenn zur Qualität eine neue Spielidee hinzukomme, könne das Produkt ein Renner werden. Auf der Nürnberger Messe tragen mehr als 60.000 der insgesamt eine Million ausgestellten Produkte das Etikett Neuheit. Auffallend ist die Fortsetzung des Hubschraubertrends aus dem Vorjahr. Die Helikopter werden in diesem Jahr aber größer und sind eher für den Außeneinsatz gedacht (Hersteller Simba-Dickie). Bei Spielfiguren kommen nach den Elfen des Vorjahres in diesem Jahr eher die Drachen (Playmobil). Noch düsterer geht es in neuen Kinderbüchern zu, wo es um Monster und die Verfolgung bis aufs Blut geht. Lego ergänzt sein erfolgreiches Angebot bei Konstruktionsspielzeug erstmals um Spiele, die man selbst bauen muss. Mitbewerber hängen sich mit entsprechenden Lizenzen an anlaufende Kinofilme. „Der Topseller des Jahres wird aber Nintendos DSi“, glaubt Umbach. Diese neue Videospielkonsole ist internetfähig zum Herunterladen von Spielen und verfügt über eine Kamera, mit der der Spieler eigene Bilder in die Spiele integrieren kann. Diese Konsole allerdings wird nicht in Nürnberg ausgestellt, denn die Internationale Spielwarenmesse präsentiert nur traditionelles Spielzeug.

Das Wachstum findet aber bei der Elektronik statt, für die deutsche Eltern immerhin etwa 1,3 Milliarden Euro ausgeben. Damit würden in Deutschland im Jahr etwa 3,6 Milliarden Euro für Spielwaren insgesamt ausgegeben. Ob angesichts der steigenden Umsätze für elektronische Spielwaren der Markt für traditionelles Spielzeug wächst, ist eher fraglich. Zumal das Spielen nicht billiger wird. Zwar sind die vor einem Jahr angekündigten Preiserhöhungen weitgehend ausgeblieben, weil Währungsrelationen und niedrige Frachtraten aus Fernost die höheren Lohn- und Materialkosten ausgeglichen haben. In diesem Jahr sehen sich aber viele Hersteller zu Preiserhöhungen um bis zu 5 Prozent gezwungen.

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Jahrgang 1955, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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