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Risikoabsicherung

Spielwarenbranche Plüsch schlägt Computer

Obwohl wegen rückläufiger Geburtenzahlen von Jahr zu Jahr weniger Kinder zu beschenken sind, steigen die Einnahmen der Spielwarenhersteller. In diesem Jahr steht die Branche vor einem Rekordabschluss.

© dpa Vergrößern Bewährtes in modernerem Gewand: Kabellose Carrera-Bahn

Elektronik ist nicht alles. Eltern und Großeltern, die für den Nachwuchs das passende Spielzeug als Geschenk zum Weihnachtsfest suchen, können sich noch den Technik-Lehrgang sparen. Zwar sind die in Anlehnung an Apples iPad kurz iToys genannten Zusatzartikel, die einen Tablecomputer mit berührungsempfindlichen Bildschirm zum Spielbrett machen, mittlerweile in den Regalen der Fachhändler einsortiert. Doch den Geschenkereigen werden in diesem und in den nächsten Jahren andere Artikel dominieren, als die auf der Spielwarenmesse zu Jahresbeginn als Trendprodukte gefeierten iToys. Heranwachsende haben Smartphone und Tabletcomputer der Eltern zwar schätzen gelernt, seit sich Kinderspielanwendungen verbreiten, doch der Fachhandel verdient sein Geld mit anderen Produkten. „Den größten Teil des Marktes wird weiter das traditionelle Spielzeug einnehmen, aber in einem moderneren Gewand“, sagt Werner Lenzner vom Marktforschungsinstitut Npdgroup, der Daten aus der Spielwarenbranche bündelt.

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Auch aus Sicht von Willy Fischel vom Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) bleibt das eher konventionelle Sortiment „vom Plüschtier bis zur Carrera-Bahn“ das Fundament für das Geschäft. Und das wächst zum vierten Mal in Folge. Für 2012 rechnen der Händlerverband BVS und die Herstellerorganisation DVSI übereinstimmend damit, dass die Umsätze an den deutschen Ladenkassen erstmals auf mehr als 2,7 Milliarden Euro steigen - ein Zuwachs von 3 Prozent gegenüber 2011. Geschenkekäufer tragen schon jetzt dazu bei.

Von Preiserhöhungen bleiben die Geschenkekäufer vorerst verschont

Obwohl wegen rückläufiger Geburtenzahlen von Jahr zu Jahr weniger Kinder zu beschenken sind, steigen die Einnahmen der Branche. Mittlerweile bekommt ein Kind in Deutschland jedes Jahr Spielwaren für im Durchschnitt 250 Euro geschenkt. Vor allem mit Produkten für Mädchen und Jungen im Grundschulalter sieht die Branche dennoch gute Chancen, den Umsatz weiter nach oben zu treiben. „Da besteht noch viel Potential“, sagt Marktforscher Lenzner. Im internationalen Vergleich seien die Deutschen bei weitem nicht Geschenkemeister. Die Spielwarenausgaben je Kind lägen in Frankreich um 10 Prozent höher, in Großbritannien sogar um 20 Prozent. Deutschland schließt langsam auf - indem nicht mehr, sondern teurere Artikel erworben werden.

Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels Elektronik ist nicht alles: Den Geschenkereigen werden vorerst noch andere Artikel dominieren, als die auf der Spielwarenmesse zu Jahresbeginn als … © dpa Bilderstrecke 

„Wir merken, dass zunehmend hochwertige Produktpackungen gekauft werden“, sagt Fischel. Hoch im Kurs bei Kindern in diesem Jahr steht die Ferienhotelanlage von Playmobil, in der mit den Kunststoffmännchen des fränkischen Herstellers der Sommerurlaub nachgespielt werden kann - allerdings erst, wenn Eltern oder Großeltern knapp 125 Euro ausgegeben haben. Auch Marktführer Lego setzt auf große Gebäude und auffällig klassische Themen wie ein Polizeirevier oder ein Traumhaus der neuen Lego-Friends-Reihe. Jahrelang hatte der Bausteinekonzern aus Dänemark vergeblich versucht, Mädchen als treue Anhänger zu gewinnen. Mit der Friends-Themenwelt scheint nun der Durchbruch gelungen. Die Nachfrage soll die Erwartungen des Konzerns so stark übersteigen, dass Lieferengpässe kurz vor Weihnachten nicht ausgeschlossen werden. Auch Fischel rät - nicht nur mit Blick auf Lego - zum frühzeitigen Einkauf. „Es ist davon auszugehen, dass im Endspurt nicht mehr alles zu bekommen ist“, sagte er.

Von Preiserhöhungen bleiben die Geschenkekäufer in der Adventszeit verschont. Fischel rechnet aber damit, dass Spielzeug 2013 teurer wird. Hersteller wollen dann höhere Rohstoff- und Lohnkosten weiterreichen, und der margenschwache Handel hofft, wieder mehr mit dem Verkauf von Plüschtieren und Bausätzen zu verdienen. Allerdings hatte Fischel auch 2011 für das laufende Jahr einen Aufschlag angekündigt. Der ist ausgeblieben. Wegen der wachsenden Konkurrenz der Verkäufer im Internet, die mittlerweile ein Viertel zum Branchenumsatz beitragen, hatten Fachgeschäfte weitgehend auf Erhöhungen verzichtet.

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Quelle: F.A.Z.

 
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