Home
http://www.faz.net/-gqi-zzz3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Spekulation wird konkreter Allianz erwägt Verkauf der Dresdner an China

26.08.2008 ·  Nach Informationen der F.A.Z. erwägt die Allianz, die Mehrheit an ihrer angeschlagenen Tochtergesellschaft an die China Development Bank zu verkaufen. Das könnte gut sein für die Mitarbeiter, aber es droht politischer Widerstand.

Von Marcus Theurer und Carsten Knop
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (2)

Die chinesische Staatsbank China Development Bank (CDB) streckt ihren Arm nach der Dresdner Bank aus. Nach Informationen der F.A.Z. aus Finanzkreisen erwägt die Allianz, der die Dresdner Bank bislang gehört, die Mehrheit an ihrer angeschlagenen Frankfurter Tochtergesellschaft an die CDB zu verkaufen. Damit werden die Spekulationen um das Interesse der CDB an der Dresdner Bank deutlich konkreter ().

Wie zu hören ist, bieten die Chinesen einen wesentlich höheren Preis als die Commerzbank, die seit Monaten mit der Allianz über eine Mehrheitsübernahme der Dresdner Bank verhandelt. Analysten schätzten deren Wert auf 8 bis 9 Milliarden Euro. Zudem sei die CDB bereit, den Kaufpreis komplett in bar zu bezahlen, heißt es. Die Allianz würde aber Minderheitsaktionär bleiben. Im Falle eines Verkaufs an die Commerzbank hingegen würde diese voraussichtlich zumindest teilweise in eigenen Aktien bezahlen. Verlockend ist ein Verkauf an die Chinesen für die Allianz auch, weil sich damit attraktive Vertriebsmöglichkeiten in dem wichtigen Wachstumsmarkt knüpfen könnten und die Dresdner zum Brückenkopf für alle Bankgeschäfte mit China würde.

Diekmann befürchtet Widerstand aus der Politik

Der Allianz-Vorstandsvorsitzende Michael Diekmann befürchtet dem Vernehmen nach allerdings erheblichen Widerstand aus der Politik gegen den Verkauf einer der größten deutschen Geschäftsbanken an ein chinesisches Staatsunternehmen. Die CDB ist die größte der drei staatlichen Entwicklungsbanken der Volksrepublik China. Umgekehrt könnte die Belegschaft bei einem Zuschlag an die CDB aber sehr viel glimpflicher davonkommen. Wenn die Dresdner Bank an die Commerzbank gehe, drohe möglicherweise der Abbau von mehr als 10.000 Stellen, heißt es. Denn beide Kreditinstitute haben große Überschneidungen. Schmerzhafte Arbeitsplatzverluste seien vor allem in den Frankfurter Zentralen beider Geldhäuser zu erwarten. Die hochdefizitäre Kapitalmarktsparte Dresdner Kleinwort würde von der Commerzbank zudem stark zurückgestutzt oder ganz abgewickelt. Gewerkschaftsvertreter werben deshalb schon seit Monaten dafür, die Dresdner Bank ins Ausland zu verkaufen. Die Chancen der Chinesen seien in den vergangenen Tagen stark gestiegen, heißt es. Am Wochenende könnte der Allianz-Aufsichtsrat zu einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung zusammenkommen, ist weiter zu hören.

Ganz oder gar nicht?

Neben einem Verkauf an CDB oder Commerzbank war am Dienstag auch die Option auf dem Tisch, den Verkauf vorerst ganz abzublasen. In diesem Fall muss Diekmann allerdings befürchten, persönlich unter Druck zu geraten. Denn der Allianz-Chef hat im Frühjahr öffentlich klar signalisiert, dass er eine Lösung für den Verlustbringer Dresdner Bank finden werde. Die besseren Aussichten der Chinesen sind auch darauf zurückzuführen, dass der Allianz ein möglicher Verkauf an die vergleichsweise kleine und kapitalschwache Commerzbank zunehmend unsicher erscheine. Eine Transaktion mit der Commerzbank würde nach bisherigen Planungen in zwei Stufen erfolgen. Demnach würde diese zunächst nur einen niedrigen Mehrheitsanteil an der Dresdner Bank erwerben. Anschließend müsste eine außerordentliche Hauptversammlung der Commerzbank über eine weitere Aufstockung entscheiden. Letztlich würde der Anteil der Allianz an der neuen Gesamtbank knapp 30 Prozent betragen. Die Allianz hat jedoch Zweifel, ob der Hauptversammlungsbeschluss wie geplant zustande kommt. Es bestehe das Risiko eines Scheiterns.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

Jüngste Beiträge

Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

Jüngste Beiträge

Böses Spiel

Von Holger Steltzner

Mit größter Selbstverständlichkeit und in unerträglichem Ausmaß zahlt die Elite Griechenlands keine Steuern und flüchtet mit Milliarden ins Ausland - und jede griechische Regierung lässt sie gewähren. In den Geberländern wächst die Wut der Steuerzahler. Mehr 6 77

28.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.323,19 −0,26%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.376,76 −0,07%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2527 −0,11%
Rohöl Brent Crude 107,03 $ −0,21%
Gold 1.574,60 $ +0,32%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.