01.12.2008 · Der deutsche Speicherchip-Hersteller Qimonda sucht nach Wegen aus der Krise. Erst strich er Tausende Arbeitsplätze, dann verkaufte er wichtige Teile des Konzerns, und nun setzt er alle Hoffnung auf Gespräche mit neuen Investoren. Andernfalls droht das Aus.
Von Stephan FinsterbuschQimonda drohen schwerwiegenden Liquiditätsengpässe. Nachdem der deutsche Speicherchiphersteller am Montag die Bekanntgabe der Geschäftsergebnisse von Anfang auf Mitte Dezember verschoben und auf laufende Verhandlungen mit mehreren neuen Investoren verwiesen hatte, erklärte der Vorstand, dass eine weitere Verschlechterung des Branchenumfeldes, ein Scheitern der Gespräche mit den potentiellen Geldgebern und ein ungebremster Abfluss von Barmitteln Anfang des kommenden Jahres den Konzern schwer treffen könnten. Wichtigen Teilen des Unternehmens würden dann die liquiden Mittel ausgehen. Das dürfte schließlich die Aufrechterhaltung des Betriebes der gesamten Gruppe in Frage stellen.
Der finanziell angeschlagene Hersteller von Speicherbausteinen für die Computerindustrie stemmt sich seit Monaten gegen die Krise in der Branche. bedroht sind Tausende Arbeitsplätze im sächsischen Dresden und im amerikanischen Richmond. Ein Ende dieser Entwicklung ist vor dem Hintergrund der sich rasch eintrübenden Konjunktur nicht in Sicht. Derzeit arbeitet keiner der großen Hersteller von D-Ram-Speicherbausteinen mit Gewinn. Denn einerseits sinken die Preise für Computerchips. Andererseits waren Marktbereinigungen von einstmals bankrotten Wettbewerbern wie der koreanischen Hynix-Gruppe Anfang des Jahrzehnts mit milliardenschweren Finanzzuschüssen staatlicher und halbstaatlicher Banken verhindert worden.
Allein der Preiswettbewerb hinterließ schon Spuren
Das hat nun Folgen. Mit Umstrukturierungen, der Suche nach neuen finanzkräftigen Partnern, Streichungen Tausender Arbeitsplätze in Europa und Amerika sowie dem Verkauf bislang wichtiger Teile des Unternehmens versucht das Management um den Vorstandsvorsitzenden Kin Wah Loh, der Lage wieder Herr zu werden. Allein der Preiswettbewerb auf den Märkten für Speicherchips hinterließ in der Ergebnisrechnung der einstmals aus der Siemens-Gruppe hervorgegangenen Qimonda AG Spuren. Die Umsätze sinken, die Verluste steigen. Der Vorstand geht davon aus, dass in den letzten drei Monaten des Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahres der Nettoumsatz gegenüber dem Vorquartal zwar um fast ein Viertel auf 476 Millionen Euro stieg. Doch sowohl der Betriebsverlust als auch der Konzernfehlbetrag könnten im vierten Quartal noch einmal gestiegen sein.
Qimonda hatte in den ersten neun Monaten des mittlerweile abgelaufenen Geschäftsjahres 1,3 Milliarden Euro erlöst und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von minus 1,4 und einen Nettofehlbetrag von fast 1,5 Milliarden Euro verbucht. Die Aktien des Unternehmens sind noch immer mehrheitlich in Besitz der Infineon Technologies AG aus München. Infineon hatte Qimonda vor zwei Jahren ausgegründet und einen Teil der Aktien an der Börse von New York notieren lassen. Damit wollte man sich vom volatilen Speicherchip-Geschäft verabschieden und ganz auf die Produktion von Logikchips für Automobil-, Industrie- sowie Telekommunikationsunternehmen konzentrieren. An der Börse ging der Kurs der Qimonda-Aktie allerdings auf Talfahrt. Er notiert derzeit allenfalls noch im Cent-Bereich.
Infineon auf Käufersuche
Infineon versucht seit Monaten, einen Käufer für den verbliebenen Anteil von 77,5 Prozent an Qimonda zu finden. Doch Verhandlungen mit europäischen, asiatischen und amerikanischen Wettbewerbern liefen ins Leere. Daher war Qimnonda gezwungen, bislang als wichtig angesehene Teile des Unternehmens zu verkaufen, um liquide zu bleiben. So erwarb die amerikanische Micron Technologies im Oktober den 35,6 Prozent großen Anteil Qimondas an der taiwanischen Inotera-Gruppe, einem Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen mit Nanya. „Der Abschluss des Verkaufs unserer Beteiligung an Inotera hat zu einem Barmittelzufluss von 400 Millionen Dollar im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2009 geführt“, sagte Kin Wah Loh.
„Wir konzentrieren uns darauf, mit unserem globalen Umstrukturierungs- und Kostensenkungsprogramm den Barmittelabfluss zu reduzieren und arbeiten auch weiterhin an der Realisierung der angestrebten Partnerschaften und an weiteren Finanzierungsmöglichkeiten“, erklärte der Vorstandschef weiter. „Unser Plan zur Neupositionierung kommt gut voran, und wir haben eine grundsätzliche Einigung mit den Arbeitnehmervertretern hier in Deutschland erzielt. Die Ausbeute der ersten Monate mit Produkten, die wir mit unserer 65-Nanometer-Buried-Wordline-D-Ram-Technololgie gefertigt haben, sind sehr ermutigend, und wir konnten früher als geplant die ersten Chips mit dieser neuen Technologie produzieren.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.369,17 | −1,79% |
| Dow Jones | 12.442,00 | −1,10% |
| EUR/USD | 1,2424 | −0,51% |
| Rohöl Brent Crude | 103,86 $ | −2,80% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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