23.01.2009 · Wochenlang kämpfte der Speicherchiphersteller Qimonda ums Überleben - jetzt hat das krisengeschüttelte Unternehmen mit weltweit 13.000 Mitarbeitern erst einmal Insolvenz beantragt. Der Vorstand zeigt sich dennoch optimistisch. Aus dem Bundeswirtschaftsministeriums heißt es: „Gespräche laufen“.
Der krisengeschüttelte Speicherchiphersteller Qimonda mit weltweit rund 12.000 Beschäftigten ist pleite. Nach wochenlangem Überlebenskampf stellte die Infineon-Tochter am Freitag Insolvenzantrag beim Amtsgericht München. Der Antrag müsse jetzt eingetragen werden, über das weitere Vorgehen entscheide dann der zuständige Richter.
Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums sind die Bemühungen zur Rettung allerdings noch nicht am Ende. „Die Gespräche laufen“, sagte eine Sprecherin am Freitag in Berlin. Das Ministerium unterstütze wie alle betroffenen Landesregierungen den Prozess aktiv. Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich
(CDU) hat nach der Pleite des Chipherstellers einem möglichen Investor Landeshilfen in Aussicht gestellt.
Das Unternehmen will seinen Betrieb trotz der Insolvenz aufrechterhalten. Der Vorstand sehe „gute Chancen“, die zur Neuausrichtung notwendigen finanziellen Mittel in Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern und Investoren zu bekommen, teilte Qimonda mit. Der Vorstand sei bestrebt, wesentliche Unternehmensteile im Rahmen der Insolvenz zu sanieren. „Wir gehen davon aus, dass wir unseren Geschäftsbetrieb mit Unterstützung des vorläufigen Insolvenzverwalters sowie unserer Mitarbeiter im Sinne unseres Restrukturierungsprogramms fortführen können“, sagte Vorstandschef Kin Wah Loh. Der vorläufige Insolvenzverwalter werde sich in den nächsten Tagen einen Überblick über die Situation des Unternehmens verschaffen.
Gewerkschaft wirft dem Management Versagen vor
Scharfe Kritik am Management äußerte die IG Metall: „Eine schier endlose Serie von Managementfehlern hat den Speicherchiphersteller Qimonda in die Insolvenz geführt“, sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. Die Fehler hätten bereits mit der Ausgliederung aus Infineon begonnen. Bereits damals habe die IG Metall darauf hingewiesen, dass Qimonda zu klein und nicht überlebensfähig sei. Auch in den folgenden Jahren sei es den Managern nicht gelungen, einen Partner oder Investor zu finden, hinzu sei ein „eklatanter Mangel“ an marktgerechter Produktentwicklung gekommen, kritisierte Neugebauer. „Grob fahrlässig haben die Manager eine ganze Technologie am Standort Deutschland gegen die Wand gefahren“
Zugleich forderte der Gewerkschafter die Freistaaten Bayern und Sachsen sowie die Bundesregierung auf, alles zu unternehmen, um aus der Insolvenz heraus möglichst viele Arbeitsplätze zu retten und die Technologie am Standort Deutschland zu erhalten. Dabei werde man auch ernsthaft über die Qualifikation des bislang handelnden Managements reden müssen, erklärte Neugebauer.
Rund 300 Millionen Euro zusätzlicher Finanzbedarf
Qimonda-Aktien verloren im Frankfurter Parketthandel deutlich und lagen am Morgen rund 60 Prozent im Minus. Derzeit notiert die Aktie bei etwa 8 Cent. Im Dezember 2006 zahlten Anleger noch knapp 14 Euro für die Aktie. Auch die Titel der Qimonda-Mutter Infineon gaben am Morgen nach.
Qimonda entwickelt und fertigt Speicherchips auf der Basis der 300-Millimeter-Silizium-Technologie. Sie werden in den unterschiedlichsten Bereichen angewandt - von Computern und Spielekonsolen bis hin zu Handys. Das Unternehmen mit Standorten in Dresden, München und Porto leidet seit langem unter dem dramatischen Preisverfall bei DRAM-Speicherchips und der Konkurrenz aus Fernost. Die Zahl der Beschäftigten hatte sich durch ein Sparprogramm von ursprünglich 13.000 auf mittlerweile 12.000 verringert. Im Dresdner Hauptwerk von Qimonda arbeiteten zuletzt etwa 3200 Mitarbeiter, am Sitz in München rund 1400. Durch die Pleite werden gravierende Folgen für die Standorte des Unternehmens erwartet.
Seit Wochen kämpft das Unternehmen ums Überleben. Zuletzt war bekanntgeworden, dass es weitere 300 Millionen Euro an frischem Kapital benötigt. Erst kurz vor Weihnachten hatten Sachsen, Portugal und Infineon ein Rettungspaket über 325 Millionen Euro zugesagt. Zudem war eine Bund-Länder-Bürgschaft über 280 Millionen Euro vorgesehen.
„In 48 Stunden ist die Sache vorbei“
Die Lage hatte sich zuletzt zugespitzt: „Wenn Qimonda nicht in 48 Stunden frisches Geld auftreibt, dann ist die Sache vorbei“, hieß es am Donnerstag in Verhandlungskreisen (siehe Dem Chiphersteller Qimonda geht die Luft aus). Bund sowie die Länder Sachsen und Bayern hatten nach Angaben aus Finanzkreisen eine Absicherung des kurzfristig benötigten Finanzbedarfs über Bürgschaften abgelehnt. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, die Voraussetzungen für eine Bürgschaftsgewährung des Bundes seien nicht gegeben.Auch die Banken hätten sich von Qimonda abgewendet, hieß es am Vortag. Die Eigenkapitalsituation sei dramatisch. Vorangegangen war am Mittwochabend ein Spitzentreffen aller Beteiligten, das aber keine Fortschritte gebracht habe.
Erst kurz vor Weihnachten hatten Sachsen, Portugal und der Mutterkonzern Infineon ein Rettungspaket über 325 Millionen Euro zugesagt. Sachsen wollte sich mit 150 Millionen Euro beteiligen, Infineon mit 75 Millionen Euro und Portugal als einer der Qimonda- Standorte mit 100 Millionen Euro. Daneben war eine Bürgschaft von Bund und Land Sachsen über 280 Millionen Euro vorgesehen.
Preise für Speicherchips zu hoch veranschlagt
Zugleich war hinter den Kulissen nicht ausgeschlossen worden, dass der Bund oder die Länder in letzter Minute doch noch in die Bresche springen, zum Beispiel mit Bürgschaften. Schließlich stünden im Bund und in Sachsen noch in diesem Jahr Wahlen an, hieß es. Der finanziell schwachbrüstige Infineon-Konzern sah sich seinerseits außerstande, zusätzlich weiteres Geld in Qimonda zu stecken. Andererseits war auf die Gefahr hingewiesen worden, dass eine Insolvenz von Qimonda Infineon mit in den Ruin reißen könnte.
Dem Vernehmen nach hatte Qimonda in seinem ursprünglichen Rettungsplan die Preise für Speicherchips, die seit langem unter Druck stehen, zu hoch veranschlagt. Nach einer vorübergehenden Erholung seien die Preise und Preisaussichten derart eingebrochen, dass der ursprüngliche Finanzplan nicht habe eingehalten werden können. Angesichts eines „desolaten vierten Quartals 2008“ habe Infineon den Qimonda-Vorstand mehrfach aufgefordert, die Zahlen anzupassen. Die Höhe des Finanzbedarfs habe dann alle Befürchtungen übertroffen.
Qimonda war 2006 von der Mutter Infineon abgespalten und an die Börse gebracht worden. Infineon hält noch rund 77,5 Prozent der Aktien.
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