04.09.2009 · Im Schienengüterverkehr der Bahn werden im kommenden Jahr rund 6000 Arbeitsplätze wegfallen. Schuld ist die schlechte Auftragslage im Güterverkehr. Wegen eines Beschäftigungspakts darf es aber bis Ende 2010 keine betriebsbedingten Kündigungen geben.
Auf die Wirtschaftskrise wird die Deutsche Bahn AG mit Personalabbau reagieren: Im Schienengüterverkehr werden im kommenden Jahr voraussichtlich rund 6000 Arbeitsplätze wegfallen. Derzeit sind bei der Güterbahn DB Schenker Rail rund 8000 der rund 24 000 Mitarbeiter in Kurzarbeit; ihre Zahl könnte sich bis zum Jahresende auf 10 000 erhöhen. Die Mehrzahl von ihnen wird nach dem Ende der Kurzarbeit nicht auf den angestammten Arbeitsplatz zurückkehren - auch wenn die Bahn derzeit noch betont, es gebe „keine Streichliste von Tausenden Arbeitsplätzen“. Die Bahngewerkschaft Transnet sprach hingegen am Freitag schon von 7000 gefährdeten Arbeitsplätzen.
Bahnchef Rüdiger Grube und Logistik-Vorstand Karl-Friedrich Rausch rechnen nicht mehr damit, dass sich die Auftragslage der Güterbahn, die in diesem Jahr vor allem wegen der schrumpfenden Transportaufträge aus der Auto-, Stahl- und Chemieindustrie einen Umsatz- und Ergebnisrückgang um rund 25 Prozent hinnehmen muss, in absehbarer Zeit bessern wird. Die Rekordzahlen von 2008 werden nach ihren Vorhersagen erst in einigen Jahren wieder erreicht. Die leichten Erholungszeichen in der Wirtschaft schlügen nicht erkennbar auf die Bahn durch, ist zu hören. Weiterhin stehen rund 35 000 Güterwaggons, ein Drittel der Flotte, auf Abstellgleisen. Finanzvorstand Diethelm Sack will den Konzern gegen harte Zeiten wappnen. Er betonte kürzlich, es gebe keine klaren Signale, die als Hoffnungsschimmer interpretiert werden könnten. So kann die Bahn offenbar keine Zunahme der Trassenbestellungen im Güterverkehr feststellen. Die Führungskräfte der Logistiksparte sind Anfang der Woche vom Vorstand in einem Brief aufgefordert worden, ihre Mitarbeiter auf den Ernst der Lage einzustellen, damit diese sich auf freie Stellen im Konzern bewerben.
Personalabbau heißt indes nicht „Entlassungen“. Wegen des Beschäftigungspakts mit den Gewerkschaften kann es bei der Bahn bis Ende 2010 keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Die Verhandlungen über eine Neuauflage des Bündnisses wollen die Tarifpartner demnächst aufnehmen. Zu einem Verzicht auf schon vereinbarte Lohnerhöhungen waren die Gewerkschafter bislang nicht bereit. Die überzähligen Mitarbeiter sollen deshalb nun durchweg in den konzerninternen Arbeitsmarkt aufgenommen werden und von dort aus - möglichst ohne Unterbrechung - in andere Konzernbereiche vermittelt werden. Im Personenverkehr, der von der Krise weit weniger spürt, gebe es da Chancen, heißt es.
Die Güterbahn soll zum Zwei-Milliarden-Euro-Sparprogramm angeblich rund 800 Millionen Euro beitragen. Darin sind auch aufgeschobene Investitionen in Fahrzeuge eingerechnet. Am Mittwoch wird sich der Aufsichtsrat über Grubes Sparvorhaben beugen, am Montag trifft sich Grube schon mit den Arbeitnehmervertretern. Seine Pläne betreffen derweil nicht nur das Personal in der „Produktion“, also in den Güterzügen und in der Instandhaltung. „Lean Management“ ist eines der Stichworte, die Verwaltungsorganisation soll weiter gestrafft werden. Außerdem soll die Logistik-Sparte die in den vergangenen Jahren akquirierten ausländischen Güterbahnen stärker unter die Lupe nehmen und die Effizienz steigern. Das gilt zum Beispiel für die britische Güterbahn EWS; dort ist allerdings der Personalabbau schon im Gange. Geplant ist überdies eine „Vertriebsoffensive“.
Transnet warnte den Bahnvorstand davor, weitere Güterverkehrsstellen zu schließen. Dadurch würden ganze Regionen von der Schiene abgekoppelt. „Langfristige Verluste von Verkehren auf der Schiene wären die unumkehrbare Folge“, sagte der stellvertretende Transnet-Vorsitzende Wolfgang Zell. So würde sich die Bahn durch eigenes Handeln Wettbewerbsnachteile gegenüber der Straße verschaffen und Marktanteile verlieren.
Für die richtige Strategie und den nötigen Schwung soll ein neuer Mann an der Spitze von DB Schenker Rail sorgen. Zu Wochenbeginn hat der 44 Jahre alte Alexander Hedderich, bisher oberster Stratege im Konzern, das Ruder von Klaus Kremper übernommen, der sich mit Grube überworfen hatte. Kremper war es zwar gelungen, im Konjunkturaufschwung das lange verlustreiche Gütergeschäft mit einem dreistelligen Millionengewinn zu präsentieren. Doch mit der tiefen Krise in einigen Branchen ist die Güterbahn längst wieder im Minus, mit 121 Millionen Euro im ersten Halbjahr. Rezepte dagegen konnte Kremper offenbar nicht zu Grubes Zufriedenheit vorlegen.
Stellenabbau Bahn Güterverkehr
Rickart Scholz (birkebo)
- 04.09.2009, 17:24 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.372,76 | −1,53% |
| Dow Jones | 12.444,90 | −1,08% |
| EUR/USD | 1,2424 | −0,51% |
| Rohöl Brent Crude | 103,86 $ | −2,80% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
Anonym bewerben? Ist das gut?