25.08.2010 · Die Post will sparen: Der Konzern prüft nach F.A.Z.-Informationen, die Paketzustellung an preiswertere Unternehmen auszulagern. Damit könnten bis zu 140 Millionen Euro im Jahr gespart werden - und bis zu 8000 Arbeitsplätze wegfallen.
Von Helmut Bünder, BonnDie Deutsche Post prüft eine vollständige Auslagerung ihrer Paketzustellung an preiswertere Partnerunternehmen. Das geht aus einem Vorstandspapier für ein Führungskräftetreffen hervor, das der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt. Der Konzern verspricht sich von der Fremdvergabe hohe Einsparungen. In den als „streng vertraulich“ gekennzeichneten Unterlagen werden verschiedene Varianten durchgerechnet. Bei einer vollständigen Auslagerung ihrer Paketzustellung könnte die Post ihre Kosten demnach um bis zu 140 Millionen Euro im Jahr drücken.
Die Sparpläne betreffen die Postkunden in größeren Städten, in denen Briefe und Pakete getrennt zugestellt werden. In den meisten ihrer 6800 Zustellbezirke setzt die Post dafür noch eigene Mitarbeiter ein. Allerdings hat sie bereits in der vergangenen Tarifrunde gegen erbitterten Widerstand der Gewerkschaften eine Ausweitung der Fremdvergabe durchgesetzt. Bis Ende 2011 kann sie in knapp tausend Bezirken „Servicepartner“ mit der Paketzustellung beauftragen. Wie aus den Unterlagen für das Managertreffen hervorgeht, soll sich diese Zahl schon im Jahr darauf etwa verdoppeln. In welchem Rhythmus es danach weitergeht, lässt das Papier offen. Angesichts rückläufiger Gewinne in der Brief- und Paketsparte hat Briefvorstand Jürgen Gerdes das Management angewiesen, „wirklich jeden Stein umzudrehen“, um die Kosten weiter zu senken. Auf diese Weise will er verhindern, dass der Betriebsgewinn dauerhaft auf weniger als 1 Milliarde Euro im Jahr zurückgeht. Der große Lohnkostenabstand zu den Konkurrenten sei der wichtigste Wettbewerbsnachteil, so Gerdes.
„Die Ausweitung der Fremdvergabe gefährdet 7000 bis 8000 Arbeitsplätze“
Eine Sprecherin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sagte, während des noch bis Ende 2011 laufenden Tarifvertrages, der auch betriebsbedingte Kündigungen ausschließt, hätten die Mitarbeiter nichts zu befürchten. Hingegen schlägt die Kommunikationsgewerkschaft DPV schon Alarm. „Die Ausweitung der Fremdvergabe gefährdet 7000 bis 8000 Arbeitsplätze bei der Post“, sagte ihr Vorsitzender Volker Geyer. Für die Paketboten gebe es nur die Alternative, in die Briefzustellung zu wechseln. Dort verdrängten sie dann Mitarbeiter mit befristeten Arbeitsverträgen, die keinen Kündigungsschutz genießen. Geyer warf der Post vor, eigenes Personal durch „unterbezahlte Mitarbeiter von Servicepartnern“ zu ersetzen und so dem „Lohn- und Sozialdumping in der Postbranche“ Vorschub zu leisten. „Selbst dort, wo nach Tarif bezahlt wird, sind die Beschäftigten der Partnerunternehmen auf ergänzende Hilfen zum Lebensunterhalt angewiesen“, sagte er.
Einer „Musterrechnung“ der Post zufolge kostet ein mit eigenem Personal bedienter Zustellbezirk gut 73 000 Euro im Jahr; davon sind knapp 65 000 Euro Lohnkosten. Die „Servicepartnervergütung“ wird hingegen einschließlich Fahrzeug- und Kraftstoffkosten auf lediglich 56 000 Euro im Jahr veranschlagt. Hauptgrund sind die niedrigen Lohnkosten im privaten Transport- und Verkehrsgewerbe: Nach einer Übersicht der Hans-Böckler-Stiftung beträgt der Tariflohn etwa in Hamburg lediglich 7,12 Euro in der Stunde, in Thüringen sogar nur 5,12 Euro. Die Zusteller der Post verdienen im Durchschnitt deutlich mehr als 10 Euro in der Stunde.
Die dritte Alternative
Constantin Queins (Modernski)
- 24.08.2010, 21:05 Uhr
Irgendwann hat man sich kaputtgespart...
Jim Bob (JimBo_b)
- 24.08.2010, 21:21 Uhr
Gewerkschaften
H R (ribera)
- 24.08.2010, 21:49 Uhr
Gute Nacht, Deutsche Post,
Malchus Giersch (der_rote_Hugo)
- 24.08.2010, 21:59 Uhr
Subunternehmer = Scheinselbstständige
Karsten Bender (Kasmo)
- 24.08.2010, 22:22 Uhr
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