02.12.2009 · Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis reist mit einer neuen Idee zum Kreditgipfel ins Kanzleramt: 5 bis 10 Milliarden Euro sollen Sparkassen mit überschüssigem Kapital in einen Fonds einzahlen. An diesen Fonds sollen dann andere Sparkassen neu vergebene Kredite verkaufen können.
Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis reist mit einer neuen Idee zum Kreditgipfel ins Kanzleramt: 5 bis 10 Milliarden Euro sollen Sparkassen mit überschüssigem Kapital in einen Fonds einzahlen. An diesen Fonds sollen dann andere Sparkassen neu vergebene Kredite verkaufen können. Dass Sparkassen 2011 für die West LB bieten werden, schließt Haasis ebenso aus wie eine Fusion der Deka mit anderen Landesbanken.
Herr Haasis, was ist vom „Kreditgipfel“ heute bei der Kanzlerin zu erwarten?
Wir werden darstellen, dass die Sparkassen, aber auch die Landesbanken ihren Aufgaben nachkommen. Die Sparkassen haben ein Kreditvolumen von 291 Milliarden Euro an Unternehmen und Selbständige ausgereicht, 214 Milliarden die Landesbanken. Allein die Sparkassen haben 45,2 Milliarden Euro neu in den ersten neun Monaten 2009 zugesagt. Der Kreditbestand ist zum 30. September 2009 um 6,9 Milliarden Euro höher als ein Jahr zuvor – trotz Krise, in der Investitionen, Ausfuhren und Einfuhren um 400 Milliarden Euro unter dem Vorjahr liegen.
Also werden Sie der Kanzlerin sagen: Es gibt doch keine Kreditklemme?
Na ja, die Institute der Sparkassen-Finanzgruppe haben die Lücke nicht ganz geschlossen, die andere mit ihrem Rückzug aus der Unternehmensfinanzierung gerissen haben. Aber ich bin nach wie vor überzeugt: Wer als Selbständiger oder kleiner Mittelständler eine akzeptable Bonität hat, bekommt auch in der Krise in unserer Gruppe Kredit.
Ist die Vermutung richtig, dass gerade größere Mittelständler, die früher auch von ausländischen Großbanken bedient wurden, heute schwer an Kredit kommen?
Ja, im großvolumigeren Mittelstandskreditgeschäft stimmt das in einigen Regionen und in bestimmten Branchen. Wenn es um Finanzierungsbedürfnisse größerer Unternehmen geht, haben auch Sparkassen und Landesbanken das nicht immer ausgleichen können. Aber wir haben den Vorteil, dass wir aufgrund unserer regionalen Struktur nah an unseren Kunden sind und ihre Bonität genau einschätzen können. Gleichzeitig haben die Sparkassen in Summe noch erhebliche Kreditvergabespielräume. Wir wollen diese Stärken besser einsetzen, um auch den größeren Unternehmen durch diese Krise zu helfen.
Ein Vorschlag der Großbanken gegen die Kreditklemme lautet: den Markt für Verbriefungen mit staatlichen Garantien anschieben, damit die Banken Kredite über den Markt verkaufen und so ihre Bilanzen freischaufeln können für Neugeschäft. Was halten Sie davon?
Staatliche Garantien dürfen nicht dazu verführen, sorgloser Kredite zu vergeben. Und die Kunden der Sparkassen möchten auch nicht, dass ihnen durch Kreditverkauf neue Geschäftspartner aufgedrängt werden. Wir sind deshalb dabei, mit einem zusätzlichen Kreditprogramm eine Alternative aufzulegen. Die Sparkassen insgesamt haben rund 100 Milliarden Euro mehr Einlagen als Kredite. Und sie haben in aller Regel ein ordentliches Eigenkapital. Wir wollen daraus Mittel einsetzen, um sie dorthin zu bringen, wo heute Kreditnachfrage nicht befriedigt werden kann. Dazu sollen die Sparkassen mit Einlagenüberschüssen Mittel in einen Unternehmensfonds Deutschland investieren, den unsere Fondsgesellschaft Deka auflegt. Mit Hilfe dieses Fonds können dann Sparkassen und Landesbanken neue Kredite vergeben, die sie wegen der Größenordnung sonst nicht hätten vergeben können.
Wer stellt sicher, dass Sparkassen in den Fonds nicht die schlechten Kredite abschieben und nur die guten behalten?
Alle Sparkassen haben gleiche Risikostandards. Es werden nur Kredite guter bis mittlerer Bonität zugelassen. Die Risikostreuung wird durch eine Vielzahl von Krediten erreicht. Im Übrigen gilt: Die Mittel des Fonds stehen nur für neue Kredite bereit. Außerdem muss das Kredit einbringende Institut einen angemessenen Selbstbehalt tragen und bleibt auch nach dem Kreditverkauf voll für die Kundenbeziehung verantwortlich.
Wie viel Geld glauben Sie durch diesen „Fonds für mittelständische Unternehmen“ mobilisieren zu können?
Wir peilen erst einmal 5 bis 10 Milliarden Euro an. Die genaue Höhe ist davon abhängig, wie Sparkassen und Landesbanken das nutzen. Wir können uns zusätzlich noch vorstellen, auch Mittel für eigenkapitalähnliches Mezzanine zur Verfügung zu stellen. Zwar sind bisher die Folgen der um 5 Prozent in diesem Jahr schrumpfenden Wirtschaftsleistung noch glimpflich. Und wir haben auch weniger Wertberichtigungen in den Sparkassen als ursprünglich befürchtet. Ein Grund dafür ist, dass die Unternehmen in dieser Krise mit mehr Eigenkapital als in frühere Krisen gegangen sind. Aber viele Unternehmen verbrauchen jetzt Eigenkapital. Selbst bei sehr positiver wirtschaftlicher Entwicklung wird es Jahre dauern, um das wieder aufzufüllen. Deshalb ist die Unterstützung der Unternehmen mit Eigenkapital ein wichtiges Thema.
Lassen Sie uns auf die Lehren aus der Finanzkrise zu sprechen kommen. Muss nach der Rettung der West LB durch den Bundesrettungsfonds Soffin nicht das öffentlich-rechtliche Haftungssystem neu justiert werden?
Nein, das Haftungssystem der Sparkassen hat immer funktioniert, und es wird weiter funktionieren. Jede Einlage eines Kunden bei einer Sparkasse ist unbegrenzt gesichert, weil die Sparkassen gegenseitig den Fortbestand jedes Instituts garantieren. Das ist das bestmögliche Sicherungssystem in Europa.
Den Fortbestand der West LB aber konnte der Haftungsverbund nicht mehr garantieren, obwohl 4,2 Milliarden Euro für jeden Stützungsfall versprochen sind.
Weltweit sind die kreditwirtschaftlichen Sicherungssysteme darauf ausgerichtet, einzelne Institute aufzufangen. Wir haben es aber mit einer systemischen Bankenkrise zu tun. Deshalb sind weltweit staatliche Rettungsaktionen notwendig geworden. Die Sparkassen haben sich aber immer selbst helfen können und auch jetzt in der Krise keine Staatshilfe benötigt. Und sie haben darüber hinaus mit erheblichen Beträgen noch einzelne Landesbanken unterstützt. Es dürfte nur wenig Bankeneigentümer geben, die solche Leistungen erbracht haben. Mehr noch: Wir haben in der ersten Phase der Krise sogar noch private Kreditinstitute unterstützt, die nicht zu unserem Sicherungssystem gehören. Ich erinnere an IKB und Hypo Real Estate. Allerdings haben wir die Erfahrung machen müssen, dass umgekehrt die privaten Banken den Landesbanken nicht helfen konnten.
Aber was sind die Haftungsversprechen der Bankengruppen dann noch wert?
Ich bin sicher, dass die Sparkassen wie die Volks- und Raiffeisenbanken wegen der Kundennähe und der Risikodiversifizierung ihres Geschäftes weiterhin wie versprochen füreinander einstehen und das bisherige Schutzniveau halten können. Die Finanzkrise hat aber gezeigt, dass von großen, international tätigen Banken erhebliche Stabilitätsgefahren für die Volkswirtschaften ausgehen können. Man muss darauf reagieren, indem man die Aufsicht für systemische Risiken erhöht und nach Risiko gestaffelte Eigenkapitalanforderungen auferlegt. Es kann nicht sein, dass die kleinen Banken sich selber helfen und die großen den Staat erpressen können.
Deutsche-Bank-Chef Ackermann schlägt einen Fonds vor, der von Banken und dem Steuerzahler gespeist wird. Werden die drei Haftungssysteme, auf denen das deutsche Drei-Säulen-Bankensystem aus öffentlichen Sparkassen und Landesbanken, privaten Banken und Genossenschaftsbanken ruht, darin aufgehen?
Wir als dezentrale Gruppe haben keinen Grund, in einen solchen Fonds einzuzahlen und für international tätige Banken und deren Geschäfte einzustehen. Wir können ohne Staatshilfe das hohe Sicherungsniveau für die Sparkassenkunden erhalten. Deshalb wollen wir das von anderen Banken getrennte Sicherungssystem aufrechterhalten. Darin sind wir uns mit den Genossenschaftsbanken einig.
Was wollen Sie künftig tun, damit Sparkassenfunktionäre im Aufsichtsrat die systemrelevanten Landesbanken hinreichend beaufsichtigen?
Zunächst gilt festzuhalten: Das regionale Geschäftsmodell der Sparkassen hat sich in der Finanzkrise sehr bewährt. Schauen Sie ins Ausland: Dort, wo Sparkassen in Konzernen zusammengelegt sind, gibt es Schwierigkeiten. Als Miteigner neben den Bundesländern haben sich die Sparkassen seit Jahren dafür eingesetzt, dass Landesbanken umgebaut werden und vor allem schrumpfen. Das wollte vor der Krise aber kaum jemand hören.
Und in der Krise funktioniert die Neuordnung auch nicht, weil durch eine Landesbankenfusion Klumpenrisiken entstünden. Oder glauben Sie an die Neuordnung im Jahr 2010?
Jetzt muss zunächst die Finanzkrise bewältigt werden. Klar ist aber: Die Sparkassen brauchen für ihre Dienstleistungen nicht die jetzige Anzahl an Landesbanken. Und vor allem wollen sie weniger risikoreiche internationale Geschäfte, sondern mehr Bodenhaftung. Wir sollten uns nicht nur auf einzelne Menschen verlassen, sondern durch andere Geschäftsmodelle institutionelle Sicherungen einbauen.
In Bayern haben sich die Sparkassen ganz bewusst an der Kapitalerhöhung der BayernLB nicht beteiligt und dem Freistaat die Mehrheit an der Bank überlassen. Anders in Stuttgart bei der LBBW. Ist diese Landesbank unentbehrlich für die Sparkassen?
Auch Helaba, Nord LB, Landesbank Berlin und Deka sind gut durch die Krise gekommen. Diese vier und die LBBW sind wesentliche Teile der Sparkassen-Finanzgruppe. Bei der HSH Nordbank wären die Sparkassen in Schleswig-Holstein schon früher gerne ganz aus dem Eignerkreis ausgeschieden. Leider hat dies die Politik nicht zugelassen. Tatsächlich könnte es Konsolidierung unter Landesbanken ein Stück weit dadurch geben, dass einige aus unserer Gruppe ausscheiden.
Die West LB muss nach der Abspaltung der Bad Bank bis Ende 2011 mehrheitlich verkauft werden oder in einer anderen Landesbank aufgehen. Wird der Deutsche Sparkassenverband wie 2007 für die Landesbank Berlin diesmal auch für die West LB bieten?
Nein, warum sollten die Sparkassen die West LB kaufen? Bei der Landesbank Berlin ging es uns darum, die Marke „Sparkasse“ und die Berliner Sparkasse für die Gesamtheit der Sparkassen zu sichern. Die West LB ist dagegen eine kapitalmarktnahe Großbank. Weitergehende Engagements in derartige Geschäftsmodelle passen nicht zu Sparkassen.
Es gab Pläne, Deka mit der West LB oder anderen Landesbanken zusammenzuführen. Sind diese noch aktuell?
Es gibt keine Überlegungen, Deka mit einer anderen Landesbank zu fusionieren.
Die LBBW will ihren Anteil an der Deka verkaufen. Gibt es weitere Landesbanken, die verkaufen wollen?
Es gibt Landesbanken, die verkaufsbereit sind. Wir werden Gespräche darüber in der Gruppe führen, welche Sparkassen die Anteile übernehmen.
Wenn eine Landesbank verkaufen will, haben zunächst die anderen Landesbanken ein Vorkaufsrecht ...
... theoretisch ja.
Warum theoretisch?
Ich glaube nicht, dass Landesbanken in dieser Zeit ihren Deka-Anteil aufstocken wollen.
Aber vielleicht die Helaba, die in Frankfurt nur wenige Meter entfernt vom Deka-Sitz beheimatet ist?
Das wäre zwar nicht schädlich. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Landesbanken ihr Vorkaufsrecht für die Deka gegen die Sparkassen ausüben. Schließlich wissen wir doch alle, dass die Sparkassen 90 Prozent der Vertriebsleistungen für die Deka erbringen. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Sparkassen entsprechende Kaufmöglichkeiten nutzen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.372,76 | −1,53% |
| Dow Jones | 12.444,90 | −1,08% |
| EUR/USD | 1,2424 | −0,51% |
| Rohöl Brent Crude | 103,86 $ | −2,80% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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