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Satellitentransport : Space X läuft Arianespace den Rang ab

Bisher noch nicht wiederverwertbar: Eine Ariane-5-Rakete beim Start Bild: dpa

Space X hat Arianespace den Rang abgelaufen. Doch jetzt will das europäische Weltraumunternehmen zurückschlagen. Dafür haben die Ingenieure gleich mehrere Ideen.

          Vor wenigen Jahren hätte das noch kaum jemand für möglich gehalten: Space X, das lange Zeit belächelte Weltraumunternehmen des amerikanischen Multitalents Elon Musk, hat im vergangenen Jahr den europäischen Konkurrenten Arianespace vom Thron des weltgrößten Satellitentransporteurs gestoßen. Space X gelangen 2017 nicht weniger als 18 Weltraumflüge, während Arianespace nur 11 schaffte. Der Vorstandsvorsitzende des europäischen Anbieters, Stéphane Israël, sprach am Dienstag vor der Presse in Paris denn auch von einem „Duopol“ und statt Marktführerschaft von einem „sehr guten Marktanteil“ für Arianespace über rund 50 Prozent bei den geostationären Satelliten. Dennoch sieht er Arianespace auf gutem Kurs. Das Unternehmen, das zu drei Vierteln Airbus und dem Triebwerkshersteller Safran gehört, vermarktet Weltraumflüge mit den Trägerraketen Ariane, Vega und Sojus. Es blicke auf eine „exzellente operative Bilanz“ und sei mit dem vergangenen Jahr „mehr als zufrieden“, auch wenn ein Streik in Französisch-Guyana zeitweise die Starts blockiert hatte, sagte Israël.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          2018 könnten Arianespace 14 Weltraumstarts gelingen – das wäre ein neuer Rekord. Mit Hochdruck arbeite Arianespace auch an den neuen „Speerspitzen für Europas unabhängigen Zugang zum All“ – die sich in Entwicklung befindlichen Raketen Ariane 6 und Vega C. „Sie sind die Ecksteine, mit denen wir die beispiellosen Wachstumschancen im All im kommenden Jahrzehnt ergreifen werden“, meinte Israël und zitierte eine Studie von Morgan Stanley, der zufolge der Markt im Weltall sich bis 2040 von 350 Milliarden Dollar auf 1100 Milliarden Dollar verdreifachen werde. Bei 3 Milliarden Menschen ohne Internetzugang und dem Aufkommen selbstfahrender Autos sowie überall verbundener Objekte seien gute Internetverbindungen über Satelliten unerlässlich.

          Forschung für Wiederverwertbarkeit

          Davor liegt aber noch viel Arbeit. Die Space-X-Flüge gelten als deutlich billiger als die Ariane-Starts, die dafür zuverlässiger sind. Die Geschäftsmodelle der beiden Unternehmen sind jedoch nur begrenzt vergleichbar. Space X lebt weitgehend von staatlichen Aufträgen der Nasa, für das doppelt so hohe Preise veranschlagt werden wie für Flüge kommerzieller Satellitenbetreiber. Außerdem setzt Space X auf seine wiederverwertbare Weltraumrakete Falcon, während Arianespace für jeden Flug einen gänzlich neuen Träger baut. Israël fordert neue Forschungsanstrengungen für das Konzept der Wiederverwertbarkeit in Europa, doch weist er auch auf die ökonomischen Grenzen hin: Nur bei hohen Stückzahlen würde sich das Konzept lohnen, außerdem müsse die Rakete viel Kerosin für den Rückflug mitnehmen, womit sich die Tragekapazität für die Satelliten verringere.

          Die amerikanische Weltraumfähre „Space Shuttle“ sei nicht umsonst ein ökonomisches Desaster gewesen. Dennoch glaubt auch Israël, dass die Wiederverwertbarkeit langfristig Sinn machen könne. Die Ariane-Gruppe arbeitet an einer recycelbaren Triebwerkslösung namens Prometheus, in der Methan statt Wasserstoff zum Einsatz kommen könnte, sowie mit japanischer Unterstützung an dem Konzept Callisto, das aus einer vertikal landenden Rakete besteht – ähnlich wie bei den Falcons von Space X. Daraus könnte eine Art Ariane 7 entstehen, wobei Israël betont, den amerikanischen Rivalen nicht kopieren zu wollen.

          Mehr Aufträge aus Europa

          Solche Projekte werden öffentlich gefördert, die Ariane-Gruppe braucht für ihre Sicherung aber auch eigene Finanzstabilität. Im vergangenen Jahr kam durch die Satellitenstarts und damit verbundene Serviceleistungen ein Umsatz von 1,3 Milliarden Euro herein, berichtete Israël. Die 2017 unterzeichneten Vereinbarungen über neue Starts – 19 an der Zahl – hätten einen Auftragswert von 1,1 Milliarden Euro. Arianespace sitzt derzeit auf einem Auftragsbestand von rund fünf Milliarden Euro, der in den kommenden Jahren 58 Starts vorsehe.

          Für die Entwicklung der Ariane 6 zeigte sich Israël zuversichtlich. Sie werde deutlich billiger sein als die Ariane 5 – Experten sprechen von 40 Prozent –, und sie sei besser an die Bedürfnisse der institutionellen und privaten Kunden anpassbar. Die Antriebe würden schon intensiv getestet, und in diesem Sommer werde das gesamte Design endgültig festgelegt. Der Erstflug erfolge am 16. Juli 2020 vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana aus.

          Der Arianespace-Chef wünscht sich im Übrigen, dass staatliche Stellen in Europa der Ariane mehr Flüge garantieren – und nicht so wie die Bundeswehr bei Space X den Transport von zwei Spionagesatelliten bestellen. Denn der Erzrivale Space X profitiere gewaltig von seiner „America First“-Garantie, denn dort sei vorgeschrieben, dass nur in Amerika präsente Unternehmen zum Zuge kommen dürfen.

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