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Sonderprüfungen geplant Die Aufsicht kontrolliert die Boni-Banker

Die deutsche Bankenaufsicht plant rigorose Kontrollen der Gehälter und Boni in deutschen Banken. Etwa zwei Dutzend Kreditinstitute müssen mit einer Sonderprüfung der Fixgehälter und Prämien rechnen, erfuhr die F.A.S.

© Wresch, Jonas Vergrößern

Die deutsche Bankenaufsicht plant rigorose Kontrollen der Gehälter und Boni in deutschen Banken. Etwa zwei Dutzend Kreditinstitute müssen mit einer Sonderprüfung der Fixgehälter und Prämien für ihre Banker rechnen, erfuhr die F.A.S. von der Aufsichtsbehörde Bafin. „Es ist wichtig, dass wir prüfen, wie die Banken den neuen Vorschriften für Vergütungssysteme nachkommen“, sagte Raimund Röseler, Exekutiv-Direktor für Bankenaufsicht.

Vor allem systemrelevante Banken, deren Manager als „Risikoträger“ gelten, stehen unter Beobachtung der Bafin; dies trifft auch auf die Deutsche Bank zu. Seit Ende 2010 gelten strengere Vorschriften für Banker-Boni. Bis dato hielt sich die Bafin, die oberste staatliche Kontrollinstanz für Kreditinstitute, mit Sonderprüfungen zurück. Nun bezweifelt sie offenbar, dass alle Banken die strengeren Regeln umgesetzt haben.

Die Regeln: Weniger auf kurzfristige Profite achten

Sonderprüfungen sind ein scharfes Schwert der Aufsicht, die Institute erhalten nur kurzfristig Nachricht vom Besuch der Prüfer. Genauere Auskünfte waren von der Bafin nicht zu erhalten: „Wir möchten uns ungern in die Karten schauen lassen“, hieß es. Entdecken die Prüfer Rechtsverstöße, muss die Bank sie umgehend beheben. Andernfalls muss sie mit Bußgeldern rechnen oder gar einem Verbot, unangemessene Boni auszuzahlen.

Die strengeren Vergütungsregeln sind eine Folge der Finanzkrise, die durch exorbitant hohe Bonus-Systeme befeuert wurde. Die 1,6 Milliarden Dollar, die allein amerikanische Banken noch 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise an Mitarbeiter ausschütteten, waren an kurzfristige Profite gebunden, ohne Rücksicht auf langfristige Risiken des Geschäfts. Hingegen seien die neuen Vergütungsregeln „ein wichtiger Baustein, um frühzeitig Fehlanreizen für wenig nachhaltige Geschäfte entgegenzuwirken“, sagte Bankenaufseher Röseler.

Erste umfassende Kontrolle

Obergrenzen für Banker-Boni gibt es in Deutschland nicht. Die Vergütung muss aber angemessen, transparent und auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sein - was die Bafin als Teil des Risikomanagements prüft. Seit der Reform haben die Aufseher die Gehälter vor allem bei der regulären Abschlussprüfung überwacht. Doch offenbar sind sie schon länger misstrauisch: „Es waren während des Jahres zunehmend Sonderprüfungen erkennbar“, sagte Vergütungsexperte Werner Klein der F.A.S. Die nun geplante Kampagne ist die erste umfassende Kontrolle der Banker-Boni.

Betroffen dürften vor allem die 23 Banken mit einer Bilanzsumme ab 10 Milliarden Euro und einem besonders umfangreichen, komplexen oder internationalen Geschäft sein. Sie gelten nach neuem Recht als „bedeutend“ und müssen beispielsweise die Mitarbeiter identifizieren, die besonders riskante Geschäfte abwickeln. Für die Leistungsprämien dieser Gruppe gelten besonders strenge Anforderungen.

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Fast alle Banken haben ihre Vergütungssysteme im Jahr 2011 überarbeitet. Die Deutsche Bank hat dafür eine Kommission unter Leitung des früheren BASF-Chefs Jürgen Hambrecht einberufen, die im März ihre Arbeit abschließt. Ihr Rat werde noch in die Vergütung für 2012 einfließen, sagte Hambrecht der F.A.S.: „Wir werden empfehlen, was wir für richtig halten. Die Deutsche Bank schreibt uns nichts vor.“

Quelle: F.A.S.

 
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