Home
http://www.faz.net/-gqe-75j3a
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Sonderprüfungen geplant Die Aufsicht kontrolliert die Boni-Banker

Die deutsche Bankenaufsicht plant rigorose Kontrollen der Gehälter und Boni in deutschen Banken. Etwa zwei Dutzend Kreditinstitute müssen mit einer Sonderprüfung der Fixgehälter und Prämien rechnen, erfuhr die F.A.S.

© Wresch, Jonas Vergrößern

Die deutsche Bankenaufsicht plant rigorose Kontrollen der Gehälter und Boni in deutschen Banken. Etwa zwei Dutzend Kreditinstitute müssen mit einer Sonderprüfung der Fixgehälter und Prämien für ihre Banker rechnen, erfuhr die F.A.S. von der Aufsichtsbehörde Bafin. „Es ist wichtig, dass wir prüfen, wie die Banken den neuen Vorschriften für Vergütungssysteme nachkommen“, sagte Raimund Röseler, Exekutiv-Direktor für Bankenaufsicht.

Vor allem systemrelevante Banken, deren Manager als „Risikoträger“ gelten, stehen unter Beobachtung der Bafin; dies trifft auch auf die Deutsche Bank zu. Seit Ende 2010 gelten strengere Vorschriften für Banker-Boni. Bis dato hielt sich die Bafin, die oberste staatliche Kontrollinstanz für Kreditinstitute, mit Sonderprüfungen zurück. Nun bezweifelt sie offenbar, dass alle Banken die strengeren Regeln umgesetzt haben.

Die Regeln: Weniger auf kurzfristige Profite achten

Sonderprüfungen sind ein scharfes Schwert der Aufsicht, die Institute erhalten nur kurzfristig Nachricht vom Besuch der Prüfer. Genauere Auskünfte waren von der Bafin nicht zu erhalten: „Wir möchten uns ungern in die Karten schauen lassen“, hieß es. Entdecken die Prüfer Rechtsverstöße, muss die Bank sie umgehend beheben. Andernfalls muss sie mit Bußgeldern rechnen oder gar einem Verbot, unangemessene Boni auszuzahlen.

Die strengeren Vergütungsregeln sind eine Folge der Finanzkrise, die durch exorbitant hohe Bonus-Systeme befeuert wurde. Die 1,6 Milliarden Dollar, die allein amerikanische Banken noch 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise an Mitarbeiter ausschütteten, waren an kurzfristige Profite gebunden, ohne Rücksicht auf langfristige Risiken des Geschäfts. Hingegen seien die neuen Vergütungsregeln „ein wichtiger Baustein, um frühzeitig Fehlanreizen für wenig nachhaltige Geschäfte entgegenzuwirken“, sagte Bankenaufseher Röseler.

Erste umfassende Kontrolle

Obergrenzen für Banker-Boni gibt es in Deutschland nicht. Die Vergütung muss aber angemessen, transparent und auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sein - was die Bafin als Teil des Risikomanagements prüft. Seit der Reform haben die Aufseher die Gehälter vor allem bei der regulären Abschlussprüfung überwacht. Doch offenbar sind sie schon länger misstrauisch: „Es waren während des Jahres zunehmend Sonderprüfungen erkennbar“, sagte Vergütungsexperte Werner Klein der F.A.S. Die nun geplante Kampagne ist die erste umfassende Kontrolle der Banker-Boni.

Betroffen dürften vor allem die 23 Banken mit einer Bilanzsumme ab 10 Milliarden Euro und einem besonders umfangreichen, komplexen oder internationalen Geschäft sein. Sie gelten nach neuem Recht als „bedeutend“ und müssen beispielsweise die Mitarbeiter identifizieren, die besonders riskante Geschäfte abwickeln. Für die Leistungsprämien dieser Gruppe gelten besonders strenge Anforderungen.

Mehr zum Thema

Fast alle Banken haben ihre Vergütungssysteme im Jahr 2011 überarbeitet. Die Deutsche Bank hat dafür eine Kommission unter Leitung des früheren BASF-Chefs Jürgen Hambrecht einberufen, die im März ihre Arbeit abschließt. Ihr Rat werde noch in die Vergütung für 2012 einfließen, sagte Hambrecht der F.A.S.: „Wir werden empfehlen, was wir für richtig halten. Die Deutsche Bank schreibt uns nichts vor.“

Quelle: F.A.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bafin-Jahrespressekonferenz Niedrigzinsen alarmieren die Finanzaufsicht

Die Finanzaufsicht Bafin betrachtet die niedrigen Zinsen mit Sorge - und kündigt Kontrollen bei Lebensversicherern und Banken an. Außerdem vermeldet die Bankenaufsicht den Abschluss der Sonderprüfung der Deutschen Bank in der Zinsaffäre. Mehr Von Markus Frühauf

13.05.2015, 09:02 Uhr | Finanzen
Fachkräftemangel Firmen buhlen um Auszubildende

Deutschland gehen die Lehrlinge aus. Zehntausende Stellen bleiben Jahr für Jahr unbesetzt. Unternehmen müssen Azubis regelrecht umwerben, bezahlen höhere Gehälter oder bieten Prämien, zum Beispiel die kostenlose Autonutzung. Mehr

08.12.2014, 13:02 Uhr | Wirtschaft
Institut beurlaubt Händler Verdacht auf Geldwäsche bei der Deutschen Bank in Moskau

Der Deutschen Bank droht ein weiterer Skandal. Laut einem Medienbericht hat die Bank in Moskau Händler wegen des Verdachts der Geldwäsche suspendiert. Mehr

20.05.2015, 17:16 Uhr | Wirtschaft
Prospektbeilagen Prospektbeilagen der F.A.Z. und F.A.S.

Prospektbeilagen der F.A.Z. und F.A.S. Mehr

18.05.2015, 07:46 Uhr | Aktuell
Commerzbank-Vorstand Reuther Die Ferrari-Zeit im Investmentbanking ist vorbei

Infolge der Finanzkrise sind die Boni-Banker in die Kritik geraten. Ein Vorstand der Commerzbank erklärt im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, warum die Zeit dieser Riesengehälter vorbei sein muss. Mehr

23.05.2015, 15:28 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.01.2013, 17:10 Uhr

Das System Blatter

Von Holger Steltzner

Fifa-Präsident Joseph Blatter geriert sich als Aufklärer der Affären im Weltfußballverband. Dabei weiß der echte Fußballfan seit langem: In der Fifa stinkt der Fisch vom Kopf. Mehr 5 24


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Die Deutschen erklären ihre Steuern selbst

So kompliziert ist das deutsche Steuersystem vielleicht doch nicht: Immerhin verzichtet mehr als die Hälfte der Steuerpflichtigen hierzulande auf einen Steuerberater. Mehr 0