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„Sommerpause“ der Öffentlich-Rechtlichen Auch Mörder machen Ferien

 ·  Sonntag abend haben ARD und ZDF ernst gemacht. Der "Tatort“ war eine Wiederholung. Zwei Monate soll es so weitergehen. Die GEZ-Gebühr wird trotzdem weiter abgebucht. Was sich keine Zeitung leisten könnte, passiert im Fernsehen Jahr für Jahr.

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© ARD/SF DRS/ORF Vergrößern Der „Tatort“ ist bereits in der Sommerpause

Der Tatort ist im Urlaub - „Sommerpause“ heißt die Zeit bei Deutschlands öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern, wenn monatelang nur noch Wiederholungen über den Bildschirm flimmern. Dann machen Deutschlands Mörder Urlaub - und Deutschlands Talkshow-Gastgeber gleich dazu. Frank Plasberg nimmt sich 42 Tage Auszeit, Anne Will urlaubt 56 Tage, Reinhold Beckmann macht noch mal 70 Tage frei, bevor er dann zum Jahresende ganz abtritt, Sandra Maischberger kommt sommers auf 77 Tage ohne Show.

Günther Jauch talkt zum letzten Mal vor den großen Ferien kommenden Sonntag und bleibt dann 49 Tage dem sonntäglichen Sendeplatz fern. Erst vier Wochen vor der Bundestagswahl kehrt Deutschlands Gesprächsgruppenleiter Nummer eins auf den Bildschirm zurück. Die „heute show“ lief vorvergangene Woche zum vorerst letzten Mal - vor der großen Drei-Monats-Pause. Dafür gibts reichlich Sendestoff aus der Konserve.

Man würde ja gerne weitersenden

Filmisch holt das ZDF die ganz alten Kamellen aus dem Sendeschrank: Die Schmonzette „Für immer Frühling“ wurde bereits 2011 abgedreht, eine Woche später folgt ebenfalls aus dem seichten Fach mit „Mein falscher Verlobter“ Uralt-Filmstoff von 2010. Knapp ein Drittel des TV-Programms im Sommer besteht aus Wiederholungen - wieso eigentlich? Schließlich sind ARD und ZDF nicht von Werbeeinahmen abhängig, die bei der privaten Konkurrenz während der heißen Jahreszeit naturgemäß dahinschmelzen, wenn die Zuschauerquoten im Schnitt um ein Viertel sinken.

Fast acht Milliarden Euro treiben die Öffentlich-Rechtlichen im Jahr an Zwangsgebühren ein - und auch im Juli und August wird trotz lauter Wiederholungen der Rundfunkbeitrag weiterhin abgebucht. Was sich keine Zeitung leisten könnte - die Artikel aus dem vorangegangenen Jahr und dem davor zu drucken - passiert im Fernsehen Jahr für Jahr. Man würde ja gerne weitersenden, stöhnen die Redakteure der politischen Magazinen und im Fernsehfeuilleton - allein, es fehle das Geld.

„Zu teuer“ sei es, berichten Kollegen hinter vorgehaltener Hand, das ganze Jahr frische Fernsehware zu produzieren - das sei zumindest die Ansage aus den Senderspitzen. Eine merkwürdige Rechnung: Als ließen die acht Milliarden Euro Gebührengelder im Jahr für die öffentlich-rechtlichen Anstalten keine andere Kalkulation zu, als im Sommer die Arbeit monatelang auszusetzen.

Selbst der Kinderkanal kündigt per Pressemitteilung die Urlaubspläne von „Bernd, dem Brot“ an, als handele es sich um eine regelrecht kreative Maßnahme zur Regeneration und Erweiterung des Horizonts der Stoffpuppe: „Ob das Kastenbrot dieses Jahr wohl von haarsträubenden Dschungelsafaris, wilden Eingeborenen und der wahnsinnig gefährlichen Kauri-Stechmücke verschont bleibt?“

Die „Wetten, Dass ..“-Sommerausgabe aus der Mallorquiner Stierkampfarena will das ZDF nach der diesjährigen, inhaltlich wie quotenmäßig katastrophalen Ausgabe 2014 gleich ganz streichen - zumindest diesen Ausfall werden die wenigsten beklagen.

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