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Solarenergie Der Sonne entgegen

02.07.2005 ·  Der Markt für Solaranlagen wird in den kommenden Jahren kräftig wachsen, sagen Analysten. Davon will Deutschlands umsatzstärkstes Solarunternehmen Solarworld profitieren. Die geplante Neuwahl läßt die Anleger kalt.

Von Helmut Bünder
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Günstiger könnte das Umfeld für die Energie aus der Sonne kaum sein. Die Öl- und Gaspreise sind steil auf dem Weg nach oben; Umweltschützer warnen immer lauter vor den Folgen steigender Emissionen für das Weltklima; die großen Versicherer rufen nach erneuerbaren Energien, weil sie wachsende Schäden durch Wirbelstürme und andere Naturkatastrophen befürchten. Und im Gegensatz zu den Windrädern halten solarbestückte Hausdächer sogar dem strengen Blick der Landschaftsschützer stand.

Nebenbei ist die Solarenergie eine der wenigen Branchen, in denen Deutschland noch von sich behaupten darf, weltweiter Technologieführer zu sein. Einschließlich der Zulieferunternehmen, des Handels und der Installationsfirmen, welche die fertigen Anlagen montieren, sichert die Sparte schon rund zwanzigtausend Arbeitsplätze.

Förderung wird so schnell nicht versiegen

Das sind Ausgangsbedingungen, an denen nach Meinung der Börse auch eine unionsgeführte Bundesregierung kaum vorbeikommen wird. Das planmäßige Scheitern der Vertrauensfrage des Bundeskanzlers am Freitag hat die Laune der Anleger jedenfalls nicht nennenswert getrübt. Solaraktien wie die Papiere der Solarworld AG scheinen schon seit Monaten nur eine Richtung zu kennen: nach oben, der Sonne entgegen.

Erst 0,1 Prozent des Stroms stammen in Deutschland aus Solarzellen, dagegen rund 6 Prozent aus Windkraft. Auch die Großen der Branche zählen offenbar darauf, daß die Förderung, welche Rot-Grün im Jahr 2000 mit dem Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) auf den Weg gebracht hat, nach einem Regierungswechsel nicht einfach versiegen wird. So hat Shell gerade angekündigt, in Bayern die größte Solaranlage der Welt zu bauen (Shell baut weltgrößte Solaranlage in Bayern). Auch General Electric oder Sharp investieren Milliarden in die Photovoltaik.

Jährliche Zuwächse von 25 Prozent

Selbst die Trockenheit in Frankreich und Spanien nährt die Phantasie. Wo Atommeiler zurückgefahren werden müssen, weil die Sonne das Kühlwasser versiegen läßt, gedeihen fast zwangsläufig neue Pläne für Kraftwerke, die ihre Energie aus der Sonne beziehen. Die Landesbank Rheinland-Pfalz rechnet in den kommenden fünf Jahren mit jährlichen Zuwächsen des weltweiten Marktes für Solaranlagen von durchschnittlich 25 Prozent. Davon will sich Deutschlands umsatzstärkstes Solarunternehmen, die Bonner Solarworld, ein gutes Stück abschneiden.

"Im Jahr 2010 werden wir die Umsatzmilliarde knacken", sagte Vorstandschef Frank Asbeck der F.A.Z. Unrealistisch ist das nicht. Schon für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzzuwachs um vierzig Prozent auf mehr als 280 Millionen Euro, und für 2006 prognostiziert Asbeck bereits heute ein Wachstum "in ähnlicher Größenordnung". Die Vorhersage fällt ihm leicht, weil die Produktion schon bis September 2006 vollständig ausverkauft sei.

In einigen Jahren ohne Subventionen rentabel?

Deutschland wird Solarworld für die Expansionspläne zu klein. Der Auslandsanteil am Konzernumsatz soll sich bis Ende 2007 von bisher 30 auf rund 60 Prozent verdoppeln. Dazu setzt Asbeck auf den spanischen und amerikanischen Markt. Für Kalifornien wird sogar über ein eigenes Werk nachgedacht. Hoffnungen verbindet Asbeck dort mit einer geplanten neuen Förderregelung, welche Steuerzahlern generöse Abschreibungsmöglichkeiten für Solaranlagen bietet. Spanien wiederum will nach deutschem Vorbild eine Einspeisevergütung für Solarstrom einführen.

Asbeck ist überzeugt davon, daß sich Solarenergie schon in wenigen Jahren auch ohne Subventionen rechnen wird. Während die Strompreise in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen sind, habe man die eigenen Produktionskosten regelmäßig um mehr als fünf Prozent im Jahr drücken können. Einen neuen Schub versprechen die "Suntracker-Anlagen": Solarkraftwerke, welche sich automatisch nach der Sonne ausrichten, um den Wirkungsgrad zu verbessern. Ein Prototyp entsteht in unmittelbarer Nähe der Solarworld-Fabrik im sächsischen Freiberg. Während die Kosten gegenüber fixen Anlagen nur zehn Prozent höher seien, seien Ertragssteigerungen von dreißig bis vierzig Prozent möglich.

„Ölmultis mutieren nicht zu Solarunternehmen“

Rund 250 Millionen Euro will Asbeck in den kommenden zwei Jahren für den Ausbau der Produktion investieren. Schwerpunkt bilden dabei die technologisch anspruchsvollen Wafer. Sie versprechen mehr Gewinn als die daraus gefertigten Solarzellen und Module. Denn die Rendite von bisher etwa 10 Prozent nach Steuern will Asbeck unbedingt halten - auch bei einem Milliarden-Umsatz. Etwa 15 Prozent der weltweiten Wafer-Produktion kommen aus Freiberg. Bis Ende 2006 sollen dort weitere dreihundert Arbeitsplätze entstehen.

Auch das künftige Wachstum will die Solarworld aus eigener Kraft schaffen. Angesichts des weltweiten Booms seien Solarunternehmen so begehrt und teuer, daß sich Übernahmen nicht rechneten. Die Konkurrenz der Großen mache ihm keine Sorgen, sagt Asbeck. Die Ambitionen von Shell und BP auf diesem Gebiet nimmt er ohnehin nicht ernst, weil die "Ölmultis nicht zu Solarunternehmen mutieren werden". In die Quere kommen könnten ihm längerfristig allerdings General Electric sowie die japanischen Marktführer Sharp und Kyocera. Die Japaner profitieren auch von einer kräftigen staatlichen Forschungsförderung. 200 Millionen Euro lasse sich die Regierung in Tokio die Unterstützung im Jahr kosten gegenüber weniger als 30 Millionen Euro in Deutschland, sagt der Vorstandschef.

„Zwei Jahre Siliziumknappheit“

"Aber vor uns liegen mindestens noch zwei Jahre Siliziumknappheit, und das verschafft uns eine Atempause, die wir nutzen werden", sagt Asbeck. Er hat rechtzeitig dafür gesorgt, daß ihm der wichtigste Rohstoff so schnell nicht ausgehen wird: Für wenigstens zwei Jahre sei die Versorgung gesichert.

Um die erwartete Nachfrage zu bedienen, fehlen bis 2010 Produktionskapazitäten für wenigstens 20.000 Tonnen Reinsilizium im Jahr. Geschätzte Investitionskosten: rund 1,2 Milliarden Euro. "Das entspricht den Ausgaben für eine einzige Bohrinsel", rückt Asbeck die Größenordnungen zurecht.

Quelle: F.A.Z., 02.07.2005, Nr. 151 / Seite 20
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Jahrgang 1957, Wirtschaftskorrespondent in Bonn.

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